Mitten in der Klimakrise: Trump kauft RWE aus der Windkraft frei

ENERGIEWENDE · 8. AUGUST 2026

Mitten in der Klimakrise: Trump zahlt RWE 1,22 Milliarden Dollar für Verzicht auf Windkraft in den USA

Milliarden fürs Nicht-Bauen sauberer Kraftwerke: RWE gibt seine Windkraft-Flächen vor New York, Kalifornien und Louisiana auf und kassiert dafür 1,22 Milliarden Dollar von der Trump-Regierung. Das Geld fließt in LNG und Gaskraftwerke.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 3 MIN LESEN


RWE U.S. Offshore hat sich mit dem US-Innenministerium auf eine Entschädigung von 1,22 Milliarden Dollar (rund 1,06 Milliarden Euro) geeinigt. Im Gegenzug gibt der Essener Versorger seine Pachtrechte für Offshore-Windparks vor den Küsten von New York, Kalifornien und Louisiana zurück. Es ist der nächste Schritt in Donald Trumps Feldzug gegen die Windkraft in den USA.

Betroffen sind Flächen mit einer möglichen Erzeugungskapazität von rund sieben Gigawatt, genug für mehr als fünf Millionen Haushalte. RWE hatte nach eigenen Angaben bereits mehr als eine Milliarde Dollar in die Projektplanung investiert.

Windkraft in den USA: fünfter Rückkauf-Deal für fast vier Milliarden Dollar

Der Deal mit RWE ist bereits die fünfte Vereinbarung dieser Art zwischen dem US-Innenministerium und einem Offshore-Windentwickler. Insgesamt hat die Trump-Regierung damit fast vier Milliarden Dollar an Entschädigungen gezahlt, um Windkraftprojekte vor der US-Küste zu stoppen.

Die Strategie hat einen konkreten juristischen Hintergrund: Vor Gericht verliert die Trump-Regierung ihren Feldzug gegen die Windkraft regelmäßig. Die Stopp-Verfügungen gegen alle fünf im Bau befindlichen Offshore-Windparks kippten die Gerichte einstimmig, drei der Anlagen liefern inzwischen Strom.

Erst am Donnerstag zwang eine Bundesrichterin das Pentagon, die eingefrorenen Prüfungen von mehr als 155 Onshore-Windprojekten in 21 Bundesstaaten wieder aufzunehmen. Wo juristische Blockaden scheitern, kauft die Regierung den Ausstieg nun schlicht. RWE selbst begründet den Rückzug damit, dass für die Projekte auf absehbare Zeit keine Genehmigungsfähigkeit mehr bestehe.

„Die Amerikaner verdienen ein Energiesystem, das auf gesundem Menschenverstand beruht”, kommentierte US-Innenminister Doug Burgum die Einigung. Windkraft sei eine Technologie, die von kostspieligen Subventionen abhänge und den aktuellen Energiebedarf des Landes nicht decken könne.

RWE steigt bei LNG und Gaskraftwerken ein

Bemerkenswert ist, wohin RWE das Geld lenkt: Der Konzern plant eine Investition von 900 Millionen Dollar für eine indirekte 16-Prozent-Beteiligung am LNG-Exportprojekt Louisiana LNG. Dazu kommt eine Vereinbarung über 300 Millionen Dollar zur Reservierung von Gasturbinen-Kapazitäten für eine Pipeline von 15 geplanten Gas-Spitzenlastkraftwerken in den USA.

Mitten in der Klimakrise fließt damit Steuergeld dafür, dass sieben Gigawatt saubere Stromerzeugung nicht gebaut werden, während zugleich neue Gasinfrastruktur entsteht. Für die deutsche Energiewende hat der Deal keine direkte Konsequenz, RWE bleibt in Europa weiterhin Anker-Investor bei Nordsee-Offshore-Flächen. Er zeigt aber, wie stark sich die Investitionslogik des Konzerns je nach politischem Umfeld verschiebt.

Dabei zählt RWE weltweit zu den größten Playern der Offshore-Windkraft: 18 Windparks sind in Betrieb, vier im Bau, dazu kommen 6,9 Gigawatt gesicherte Kapazität aus der jüngsten britischen Ausschreibungsrunde. Außerhalb der USA will der Konzern das Geschäft mit Windparks auf hoher See weiter vorantreiben.

Der Rückzug reiht sich ein in eine Serie von Rückschlägen für die US-Offshore-Windbranche unter Trump. Wie tief die Branche steckt, zeigt eine Prognose von BloombergNEF: Bis 2035 dürften nur noch sechs Gigawatt Offshore-Wind vor US-Küsten fertig werden, 2024 hatten die Analysten noch 39 Gigawatt erwartet. Bereits zuvor hatten Ölmultis wie BP und TotalEnergies ihre Nordsee-Windflächen in Europa abgestoßen, dort allerdings aus Kostengründen und ohne staatliche Entschädigung. In den USA ist es die Politik selbst, die den Ausstieg finanziert.

Wie stark Offshore-Wind mittlerweile auch in Europa unter Druck steht, zeigt der jüngste Fall aus der deutschen Nordsee: Eine BNetzA-Ausschreibung über 2,5 Gigawatt blieb erstmals komplett ohne Gebot. RWE gilt dort weiterhin als einer der letzten verbliebenen Ankerinvestoren, während sich andere Konzerne zurückziehen.

QUELLEN

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  1. The Hill: Trump pays RWE $1.22 billion to scrap offshore wind plans, 6. August 2026.
  2. The Maritime Executive: Trump Administration to Pay RWE $1.22B in Fifth Deal to End Offshore Wind, 6. August 2026.
  3. gCaptain: RWE Reaches $1.22 Billion Deal with Trump Administration to Surrender U.S. Offshore Wind Leases, 6. August 2026.
  4. Canary Media: The Pentagon's wind farm blockade is over - for now, 6. August 2026.
  5. Canary Media: Why Trump's claim that offshore wind is a security risk is 'ludicrous', 6. August 2026.
  6. RWE: Pressemitteilung „RWE U.S. Offshore reaches settlement agreement with U.S. Department of Interior on offshore wind leases”, 6. August 2026.
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