Bremen bekommt ein CO2-Exportterminal

CARBON REMOVAL · 28. AUGUST 2026

CarbonBridge: CO2-Exportterminal in Bremen erhält EU-Freigabe

Ambrian Energy und Messer dürfen ihr Joint Venture CarbonBridge gründen. Die EU-Kommission hat den Zusammenschluss kartellrechtlich freigegeben. Ab 2031 soll das CO2-Exportterminal in Bremen in Betrieb gehen.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 3 Min. Lesezeit LESEN


Das Terminal soll abgeschiedenes CO2 aus Zement-, Glas- und Stahlwerken sowie Müllverbrennungsanlagen sammeln, zwischenspeichern und auf Schiffe verladen. Ziel sind geologische Speicherstätten in der Nordsee. Zum Start ist eine Umschlagskapazität von 2,3 Millionen Tonnen pro Jahr geplant, später sollen es rund 4 Millionen Tonnen werden.

Der Standort in Bremen bringt zwei Vorteile mit: eine Bahnanbindung für den CO2-Transport per Zug und einen Hafenanleger für Schiffe mit bis zu 30.000 Tonnen Ladung. Das Grundstück stammt von Ambrian Energy, einem Bremer Energielogistiker, der bis vor kurzem als Heizöl- und Kraftstoffhändler HGM Energy firmierte und sich seit 2024 auf das CO2-Geschäft ausrichtet. Die Abscheide- und Aufbereitungstechnik steuert Messer bei, der weltgrößte familiengeführte Industriegase-Konzern mit 4,5 Milliarden Euro Umsatz.

„Die Logistik bis zum Ort der endgültigen Speicherung ist in den meisten Projekten die größte Herausforderung", sagt Ralph Spring, der das CCUS-Geschäft bei Messer verantwortet. Genau diese Lücke soll CarbonBridge schließen: den Weg vom Emittenten bis zur Senke.

Zweites deutsches Exportterminal neben Wilhelmshaven

CarbonBridge ist nicht allein. In Wilhelmshaven plant der Hafenbetreiber HES ein eigenes CO2-Exportterminal, das bereits 2029 starten und im Endausbau bis zu 20 Millionen Tonnen jährlich abfertigen soll. Dazu kommt die geplante Pipeline-Verbindung nach Norwegen, an der Wintershall Dea und Equinor arbeiten. Deutschland bekommt damit binnen weniger Jahre gleich mehrere Exportwege für abgeschiedenes CO2 - ein Markt, der bis vor kurzem rechtlich gar nicht existieren durfte.

Denn erst seit November 2025 erlaubt das novellierte Kohlendioxid-Speicherungsgesetz die Speicherung unter der deutschen Nordsee. Für die Zielbranchen von CarbonBridge ist das relevant: Zementwerke setzen CO2 schon bei der chemischen Reaktion frei, nicht nur beim Verbrennen. Ähnliches gilt für Glas, Stahl und Müllverbrennung. Für diese Prozessemissionen gilt CCS als notwendiges Restwerkzeug - anders als bei Gaskraftwerken, wo CO2-Speicherung kein Klimaschutz, sondern ein Placebo ist.

Zeitplan hängt an einem Abkommen mit Norwegen

Die eigentliche Hürde für den Start 2031 liegt nicht in Bremen, sondern im Völkerrecht. Das London-Protokoll verbietet in Artikel 6 den Export von CO2 zur Speicherung im Meeresboden anderer Staaten. Eine Ausnahme gibt es nur, wenn beide Länder ein bilaterales Abkommen schließen.

Deutschland hat die nötige Änderung des Protokolls erst im März 2026 im Bundestag beschlossen. Ein Abkommen mit Norwegen, wo die wichtigsten Nordsee-Speicher liegen, steht noch aus. Belgien, die Niederlande und Dänemark haben solche Vereinbarungen längst geschlossen - ihre Industrie kann CO2 bereits zum norwegischen Speicherprojekt Northern Lights verschiffen, das seit August 2025 in Betrieb ist.

Für CarbonBridge heißt das: Die Technik ist erprobt, die Nachfrage der Industrie absehbar, der Standort geeignet. Ob 2031 aber tatsächlich das erste Schiff ablegt, entscheidet sich in den Verhandlungen zwischen Berlin und Oslo. Bis dahin ist der Starttermin eine Ankündigung mit offenem rechtlichem Fundament - und die Bundesregierung hat es in der Hand, ihren eigenen CCS-Projekten den Weg freizumachen.

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