WÄRMEPUMPE · 06. SEPTEMBER 2026
AiraWärmepumpen Deutschland: IEA-Bericht zeigt, was den Markt wirklich bremst
Wärmepumpen Deutschland im IEA-Vergleich: Strom kostet Haushalte hier etwa das 3,3-Fache von Gas, in Schweden das 1,2-Fache. Der Heat Pump Monitor 2026 zeigt die Folgen für den Absatz.
Die Internationale Energieagentur (IEA) hat Ende Juli 2026 ihren Heat Pump Monitor 2026 veröffentlicht, das schwedische Fachmagazin Ny Teknik hat die Länderdaten jetzt aufbereitet. Der Bericht vergleicht systematisch, wie stark das Verhältnis von Strom- zu Gaspreis den Absatz von Wärmepumpen in einzelnen Ländern bestimmt. Deutschland kommt dabei auf ein Preisverhältnis von rund 3,3, also zahlen Haushalte pro Kilowattstunde Strom etwa das 3,3-Fache des Gaspreises. Schweden liegt bei 1,2. Der Marktanteil der Wärmepumpe an den Verkäufen von Wärmepumpen und Gaskesseln zusammen beträgt in Schweden über 90 Prozent, in Deutschland rund 28 Prozent.
Das Preisverhältnis ist laut IEA der einflussreichste Einzelfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit von Wärmepumpen gegenüber Gasheizungen. Eine Wärmepumpe arbeitet drei- bis fünfmal effizienter als ein Gaskessel, sie zieht aus einer Kilowattstunde Strom mehrere Kilowattstunden Wärme. Trotzdem entscheidet am Ende der Endpreis pro Kilowattstunde Nutzwärme, und der hängt direkt am Verhältnis der beiden Energiepreise. Dänemark kommt mit reduzierter Stromsteuer auf ein Preisverhältnis von 2,5 und einen Marktanteil von rund 85 Prozent, Estland auf 2,9 und rund 80 Prozent.
Warum Deutschland beim Strompreis schlechter dasteht
Die IEA empfiehlt Ländern mit ungünstigem Preisverhältnis, Steuern und Abgaben auf Heizstrom zu senken, mit Dänemark und Finnland als Vorbild, sowie zeitvariable Stromtarife in Kombination mit Speichern einzuführen. In Deutschland läuft dazu derzeit eine Debatte um Stromsteuer und Netzentgelte für Haushalte. Ein Beschluss zu einer allgemeinen Absenkung für private Verbraucher steht bislang aus.
Ein zweiter Grund für die höheren Kosten liegt laut IEA in der Bauweise. Während in China, den USA, Japan und den nordischen Ländern vor allem Luft-Luft-Wärmepumpen verkauft werden, setzen Deutschland, Großbritannien und Norditalien überwiegend auf Luft-Wasser-Systeme, die an Heizkörper oder Fußbodenheizung angeschlossen werden. Diese hydronischen Anlagen sind aufwendiger zu installieren, und die IEA benennt die Fachkräftelücke bei der Installation als „besonders ausgeprägt in Europa".
Dazu kommt die Fertigung: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe zu produzieren kostet in Europa laut Bericht rund 60 Prozent mehr als in China, weil Komponenten und Material 60 bis 85 Prozent der Produktionskosten ausmachen und China über Skaleneffekte und integrierte Lieferketten verfügt. Auf den Endpreis wirkt sich das aber nur begrenzt aus, weil in Europa Installation und Vertrieb schwerer wiegen als das Gerät selbst, die Installation kostet mitunter mehr als die Anlage.
Deutscher Markt wächst 2025 und 2026 trotzdem kräftig
Die IEA beschreibt den Weltmarkt für Wärmepumpen als seit 2023 stabil bei einer jährlichen Verkaufsleistung von rund 100 Gigawatt, nach einer Rekordexpansion 2021 und 2022 vor allem in Europa. Für Deutschland trifft dieses Bild nur bis 2024 zu. Laut Bundesverband Wärmepumpe wurden 2025 rund 299.000 Heizungswärmepumpen verkauft, ein Plus von 55 Prozent gegenüber 2024 und der zweitbeste Wert nach dem Rekordjahr 2023 mit 354.000 Geräten. Im ersten Halbjahr 2026 kamen rund 195.000 Wärmepumpen hinzu, 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum mit 139.500 Geräten. Im ersten Quartal 2026 war die Wärmepumpe mit einem Marktanteil von 48,7 Prozent erstmals das meistverkaufte Heizsystem in Deutschland, noch vor der Gasheizung. Der Bundesverband hat seine Prognose für das Gesamtjahr 2026 inzwischen auf 410.000 Geräte angehoben.
Auch europaweit sieht die IEA für 2025 eine Rückkehr zum Wachstum, „besonders stark" in Deutschland und Schweden. Nach Stückzahlen führen Frankreich, Italien und Deutschland, nach Bestand pro Haushalt liegen Norwegen, Finnland und Schweden vorn. In Gigawatt gerechnet stiegen die deutschen Verkäufe laut IEA-Grafik von rund 2,3 Gigawatt 2024 auf etwa 3,3 Gigawatt 2025, nach einem Höchststand von 4,5 Gigawatt 2023. Frankreich kam 2025 auf rund 4,2 Gigawatt, Italien auf etwa 2,8 Gigawatt, Schweden auf rund 2,1 Gigawatt. Der gesamteuropäische Absatz lag 2025 bei etwa 24 Gigawatt, nach 22 Gigawatt 2024 und einem Höchststand von 31 Gigawatt 2022.
Weniger Gasimporte durch Wärmepumpen
Das Heizen in Gebäuden macht laut IEA rund die Hälfte des europäischen Gasverbrauchs aus, und Europa importiert etwa die Hälfte seines Gases. Ohne die bereits installierten Wärmepumpen wäre der Gasverbrauch fürs Heizen 2024 nach IEA-Berechnung um 12 Prozent höher ausgefallen, das entspricht rund 20 Milliarden Kubikmetern. Zwischen 2019 und 2024 sank der Gasverbrauch in europäischen Gebäuden insgesamt um 12 Prozent, ohne den Wärmepumpen-Effekt wären es nur 3 Prozent gewesen. Bis 2035 rechnet die IEA mit zusätzlich vermiedenen 14 Milliarden Kubikmetern jährlich, wenn nur bereits beschlossene Politik umgesetzt wird, und mit 27 Milliarden Kubikmetern bei zusätzlich angekündigten Maßnahmen. Erreicht die EU ihre REPowerEU-Ziele und Großbritannien sein nationales Ziel, wären es 39 Milliarden Kubikmeter, etwa 16 Prozent der heutigen Nettoimporte.
Bezogen auf den gesamten Gebäudebestand deckt die Wärmepumpe laut IEA in Europa bislang 6 Prozent des Raumwärmebedarfs, in China 8 Prozent, in Japan 28 Prozent. In Europa, China und Japan zusammen laufen nach IEA-Zählung über 200 Millionen Gaskessel, die Wärmepumpen ersetzten dort 2025 zusammen 53 Milliarden Kubikmeter Gas. Wie stark Wärmepumpen deutsche Gasimporte konkret verdrängen, hat Cleanthinking bereits eingeordnet.
Auch Fernwärme setzt zunehmend auf Wärmepumpen
Weltweit läuft Fernwärme laut IEA zu 90 Prozent noch mit fossilen Energieträgern. In Europa deckten Großwärmepumpen und Elektrokessel 2023 erst rund 3 Prozent des Bedarfs, allerdings mit der höchsten Wachstumsrate aller Wärmequellen. Stockholm betreibt bereits 500 Megawatt Fernwärme-Wärmepumpenleistung, die 10 bis 20 Prozent des städtischen Netzbedarfs decken. Deutschland kommt laut IEA-Bericht auf rund 900 Megawatt Fernwärme-Wärmepumpen, die im Bau oder in Planung sind, und zählt damit „zu den Führenden". Zwei Beispiele hat Cleanthinking bereits porträtiert: die Flusswärmepumpe in Mannheim und die Abwasserwärmepumpe in Hamburg.
Was das für Hausbesitzer bedeutet
Für private Haushalte übersetzt sich die IEA-Analyse in eine konkrete Stellschraube: der eigene Stromtarif. Wer eine Wärmepumpe betreibt oder plant, kann das ungünstige bundesweite Preisverhältnis über einen speziellen Wärmepumpentarif teilweise ausgleichen. Zeitvariable Tarife und ein Batteriespeicher verschieben den Verbrauch zusätzlich in günstige Stunden, ein Modell, das Cleanthinking bereits am Beispiel eines Wärmepumpentarifs mit Solar und Speicher durchgerechnet hat. Wer aktuell zwischen Gasheizung und Wärmepumpe entscheidet, findet die Grundlagen im Cleanthinking-Vergleich Wärmepumpe statt Gasheizung.
Die IEA weist zudem auf ein strukturelles Problem hin, das über Deutschland hinausgeht: Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen wiegt die Installation schwerer als das Gerät selbst, und genau hier fehlen in Europa Fachkräfte. Wer eine Wärmepumpe plant, sollte deshalb Angebotsfristen bei Installationsbetrieben einkalkulieren, nicht nur den Gerätepreis vergleichen. Wie sich der deutsche Heizungsmarkt insgesamt zwischen Wärmepumpen-Boom und Beharrungskräften bewegt, hat Cleanthinking im Stück Wärmepumpe gegen Gaslobby aufgearbeitet.
Weltweit rechnet die IEA je nach Szenario mit deutlichem Beschäftigungswachstum in der Branche: Von knapp 800.000 Beschäftigten heute könnte die Zahl bis 2035 um 30 Prozent steigen, wenn nur beschlossene Politik gilt, und um 140 Prozent, wenn Staaten ihre Klimaziele vollständig umsetzen. Schon seit 2015 ist die Beschäftigtenzahl um 50 Prozent gewachsen.
QUELLEN
- IEA: Heat Pump Monitor 2026, 28.07.2026 (CC BY 4.0).
- Ny Teknik: Värmepumpar kan täcka en femtedel av världens värmebehov, 04.09.2026.
- GEB Info: Wärmepumpen-Absatz wächst um 40 Prozent, 2026.
- EMA Energiewelt: Wärmepumpen-Absatz Halbjahr 2026: +40 % auf 195.000, 2026.
- Bundesverband Wärmepumpe: BWP-Branchenstudie 2026, 30.03.2026.