ENERGIEWENDE · 8. SEPTEMBER 2026

Solar-Speicher-Investitionen erreichen mit 25 Milliarden Dollar einen Rekord
Solar-Speicher-Investitionen erreichen einen Rekord, während der Gesamtmarkt stagniert: Weltweit fließen 327,5 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien, ein Plateau nach dem Einbruch des Vorjahres. Das meiste neue Kapital geht an Solaranlagen mit angeschlossenem Speicher, reine Solar- und Offshore-Windprojekte verlieren an Boden.
Die weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien lagen im ersten Halbjahr 2026 bei 327,5 Milliarden Dollar. Das geht aus einer Analyse von BloombergNEF (BNEF) hervor, die am 26. August 2026 veröffentlicht wurde. Die Summe entspricht in etwa dem Niveau des zweiten Halbjahrs 2025, liegt aber 21 Prozent unter dem Rekordwert aus dem zweiten Halbjahr 2024.
Der grundlegende Wachstumstrend bei erneuerbaren Energien bleibe trotz politischer Kurswechsel in den USA und China intakt, schreibt BNEF. Innerhalb der Summe verschiebt sich das Kapital jedoch deutlich: weg von reinen Solar- und Windprojekten, hin zu Anlagen mit angeschlossenem Speicher.
Solar-Speicher-Investitionen verdreifachen sich binnen eines Jahres
Die Solar-Speicher-Investitionen, also das Kapital für Solaranlagen mit Batteriespeicher am selben Standort, erreichten im ersten Halbjahr einen Rekord von 25 Milliarden Dollar. Das ist fast doppelt so viel wie im zweiten Halbjahr 2025 und dreimal so viel wie im ersten Halbjahr 2025. Die USA und Australien führen bei diesen kombinierten Investitionen weltweit, so BNEF.
Ein Speicher am Solarpark löst ein bekanntes Problem der Technologie: Die Anlage erzeugt Strom vor allem mittags, wenn die Sonne scheint, nicht zwingend dann, wenn er gebraucht wird. Mit Batterie kann ein Solarpark Strom zwischenspeichern und flexibel abgeben, je nach Preis und Netzbedarf. Das mache ihn planbarer, schreibt Ysabelle Kempe bei Canary Media, ähnlich einem klassischen Kraftwerk, das sich hoch- und herunterfahren lässt. Wie tief Solarstrom die Preise inzwischen drückt, zeigt eine aktuelle Auswertung zur deutschen Strompreisersparnis durch Photovoltaik.
Standalone-Solar, also Solarparks ohne eigenen Speicher, verlor dagegen an Boden. Die Finanzierung fiel im Jahresvergleich um 20 Prozent auf 75,4 Milliarden Dollar, das niedrigste Niveau seit Beginn des Solarbooms 2021. Grund seien Sorgen um Abregelung, Preiskannibalisierung und Netzengpässe, vor allem in China, Brasilien und Teilen Europas. Abregelung bedeutet, dass Netzbetreiber eine Anlage zeitweise drosseln, weil das Netz den Strom nicht aufnehmen kann, ein Problem, das inzwischen auch mitten in Deutschland auftritt. Preiskannibalisierung heißt, dass viele gleichzeitig einspeisende Solaranlagen den Strompreis genau dann drücken, wenn sie am meisten liefern, sodass sich die einzelne Anlage schlechter rechnet.
Zusammen mit Onshore-Wind macht Standalone-Solar normalerweise zwei Drittel der jährlichen Investitionen aus. Im ersten Halbjahr 2026 waren es weniger als die Hälfte, so BNEF. Investoren prüfen Erlösrisiken strenger und weichen auf Projekte aus, die ihre Einnahmen besser absichern.
USA vor Tax-Credit-Frist, Offshore-Wind bricht ein
Die USA waren im ersten Halbjahr der zweitgrößte Markt hinter China und vor der Europäischen Union. Die Investitionen stiegen im Jahresvergleich um 54 Prozent, weil Projektentwickler Fristen für Steuergutschriften einhalten und den Strombedarf von Rechenzentren decken wollten. Solarinvestitionen kletterten um 41 Prozent auf einen Rekord von 45,8 Milliarden Dollar, Windinvestitionen mehr als verdoppelten sich auf 13,8 Milliarden Dollar.
Bei Wind insgesamt flossen weltweit 92,3 Milliarden Dollar, 27 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Offshore-Wind war davon am stärksten betroffen: Die Investitionen brachen um 72 Prozent ein. BNEF nennt dafür schwache Auktionsergebnisse aus den Jahren 2024 und 2025 als Ursache, darunter eine abgesagte Auktion in Dänemark und eine gescheiterte Auktion in Deutschland, zusätzlich zu höheren Bau- und Finanzierungskosten.
Die deutsche Auktion fand im August 2025 statt. Für zwei Flächen mit zusammen 2,5 Gigawatt Kapazität ging bei der Bundesnetzagentur kein einziges Gebot ein, das erste Mal in der Geschichte der deutschen Offshore-Ausschreibungen. Die Flächen sollen 2026 unter geänderten Bedingungen erneut ausgeschrieben werden, mit staatlich garantierten Mindesterlösen für Investoren. Wie unsicher Entwickler die Erlöslage bei deutschen Windprojekten inzwischen einschätzen, zeigte sich schon im Sommer, als Vattenfall 26 eigene Windprojekte auf den Prüfstand stellte.
Onshore-Wind in Deutschland auf Rekordkurs
Onshore-Wind erreichte weltweit 80,7 Milliarden Dollar, 4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. In Europa wuchsen die Investitionen dagegen. Deutschland, Rumänien und Serbien verzeichneten im ersten Halbjahr 2026 jeweils Rekord-Investitionen bei Onshore-Wind, getragen von den jüngsten Auktionsrunden, so BNEF.
Die deutschen Onshore-Auktionen waren zuletzt durchgehend überzeichnet. Bei der Bundesnetzagentur gingen für die Ausschreibungsrunde im Februar 2026 Gebote über 7.858 Megawatt ein, bei einem ausgeschriebenen Volumen von 3.445 Megawatt. Im Mai 2026 standen einem Volumen von 2.495 Megawatt Gebote über 6.409 Megawatt gegenüber, die siebte in Folge überzeichnete Runde.
Damit liefert Deutschland im selben Berichtszeitraum beide Seiten der BNEF-Bilanz: gescheiterte Offshore-Auktion, Onshore-Rekord. Ein struktureller Unterschied im Auktionsdesign trägt dazu bei. Offshore-Flächen wurden bislang oft ohne garantierte Mindesterlöse versteigert, während Onshore-Wind über feste Höchstwerte je Kilowattstunde und ein etabliertes Verfahren verfügt, an das sich Projektentwickler seit Jahren gewöhnt haben. Die Bundesnetzagentur reagiert auf die Offshore-Flaute nun mit demselben Instrument, das Onshore trägt: einer Erlösabsicherung für Investoren.
Was der Rekord für Deutschland bedeutet
Als führende Märkte für Solar-Speicher-Investitionen nennt BNEF die USA und Australien. In Deutschland entstehen Solarpark und Batterie bislang meist getrennt: Der Speicherzubau lief zuletzt auf Rekordniveau, Großprojekte wie Klostermansfeld stehen aber als eigenständige Netzspeicher, nicht am Solarpark. Die Verschiebung des Kapitals zur Kombination ist ein Argument in der laufenden EEG-2027-Debatte: Wer Solarparks ohne Speicher baut, trägt die Preiskannibalisierung selbst; wer die Batterie gleich mitplant, verkauft Strom dann, wenn er teuer ist. Was Speicher dem Gesamtsystem ersparen, hat eine Studie mit 3,9 Milliarden Euro beziffert.
China verliert Anteil, Vietnam und Brasilien legen zu
China stand nur noch für ein Viertel der globalen Investitionen, nach über der Hälfte im Jahr 2022. Entwickler passen ihre Erlöserwartungen nach der Strommarktreform des Vorjahres an, so BNEF. Ausschreibungen mit Differenzverträgen könnten die Investitionen in der zweiten Jahreshälfte wieder anheben.
Vietnam vervierfachte seine Investitionen und übernahm damit die regionale Führung in Südostasien zurück, unterstützt von ambitionierten Ausbauzielen und neuen Ausschreibungen. Malaysia und die Philippinen wuchsen ebenfalls, die Investitionen in Südostasien überschritten insgesamt 12 Milliarden Dollar. Brasilien trieb die weltweiten Biokraftstoff-Investitionen auf 7,7 Milliarden Dollar, den höchsten Stand seit dem zweiten Halbjahr 2008.
BNEF erwartet für 2026 einen Rückgang der neu installierten Kapazität gegenüber dem Vorjahr, den ersten seit über einem Jahrzehnt. Der Rückschlag sei vorübergehend, die Kapazitätszubauten sollten ab 2027 wieder steigen. Die Richtung der Solar-Speicher-Investitionen dürfte davon unberührt bleiben: Kapital sucht Projekte, die ihre Erlöse absichern, und ein Speicher am Solarpark ist derzeit der direkteste Weg dorthin.
QUELLEN
- BloombergNEF: Renewable Energy Investments Show One Booming Sector, 26. August 2026.
- pv magazine: Investments in co-located solar-plus-storage reach $25 billion in H1, says BloombergNEF, 28. August 2026.
- Canary Media: Solar-plus-storage is having a global growth spurt, 4. September 2026.
- Bundesnetzagentur: High level of competition in May onshore wind and innovation auctions, 25. Juni 2026.