KLIMA · 18. SEPTEMBER 2026
Eliot Jacobson13 von 14 Klimamodellen sehen El Niño auf Rekordkurs
Zeke Hausfathers Auswertung der September-Modellläufe zeigt El Niño auf Rekordkurs: Höhepunkt bei rund 4,1 Grad Abweichung, 1,3 Grad über dem Rekord von 2015/16. 13 von 14 Modellen liegen mit frischen Daten über jedem je gemessenen Ereignis, nur SINTEX fehlt noch.
Der Klimaforscher Zeke Hausfather von Berkeley Earth erwartet den Spitzenwert im November, gemessen in der Niño-3.4-Region, dem Referenzgebiet im tropischen Pazifik. Die Bandbreite des gewichteten Modell-Ensembles reicht von 3,4 bis 4,6 Grad über dem langjährigen Mittel. Hausfather veröffentlichte die Auswertung Anfang der Woche auf X.
Der bisherige Rekord stammt nicht aus dem oft zitierten Ereignis 1997/98, sondern aus dem Winter 2015/16 mit 2,75 Grad. Danach folgen laut Hausfathers Chart das historisch unsicher belegte Ereignis 1877/78 mit rund 2,7 Grad, 1982/83 mit 2,31 Grad, 1997/98 mit 2,29 Grad und 1972/73 mit 2,13 Grad. Der jetzt erwartete Höhepunkt liegt rund 1,3 Grad über allem, was die Messreihen kennen.
Die meisten Modelle korrigieren nach oben, einige nach unten
Grundlage ist ein zweiter Chart, in dem Hausfather die August- mit den September-Läufen von 14 dynamischen ENSO-Modellen vergleicht. Mit den neuen Läufen sei ein „rekordverdächtiges oder sogar rekordbrechendes Ereignis" in diesem Jahr noch wahrscheinlicher geworden, schreibt Hausfather. Die meisten Modelle hätten ihre Prognose nach oben korrigiert, einige wenige nach unten, bei einigen sei sie unverändert geblieben.
Das Modell SINTEX-F läuft in diesem Vergleich noch mit dem Stand von August, weil sein September-Lauf zum Zeitpunkt der Auswertung fehlte. Die übrigen 13 Modelle setzen den Höhepunkt mit ihren neuen Läufen sämtlich über den Rekord von 2015/16.
Der Modell-Median steigt binnen vier Wochen von 3,7 auf 4,1 Grad
Mitte August lag der Mittelwert der Modelle für den Spitzenwert noch bei 3,7 Grad, wie Cleanthinking im Porträt zu Hausfathers Kurswechsel berichtete. Nach den September-Läufen liegt der gewichtete Median bei rund 4,1 Grad. Dazwischen stufte die Weltorganisation für Meteorologie das Ereignis als sehr stark ein, und die NOAA bezifferte die Wahrscheinlichkeit für ein historisches Ereignis seit 1950 auf 75 Prozent.

„Mit fast hundertprozentiger Sicherheit haben wir es mit dem stärksten je gemessenen El Niño zu tun", sagt Daniela Matei, El-Niño-Expertin am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, dem Schweizer Portal 20 Minuten. Für Februar 2027 setzt Hausfather die Wahrscheinlichkeit eines sehr starken Ereignisses bei 97 Prozent an.
El Niño auf Rekordkurs: Beim Rekord 2015/16 traf El Niño mehr als 60 Millionen Menschen
Der bisherige Rekord-El-Niño 2015/16 traf nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO weltweit mehr als 60 Millionen Menschen mit Dürren, Überschwemmungen und Hitze, mit Folgen für Ernten, Ernährungssicherheit und Einkommen. Von den rund vier Milliarden US-Dollar, die die Vereinten Nationen für die humanitäre Hilfe veranschlagten, entfielen etwa 80 Prozent auf Ernährungssicherheit und Landwirtschaft.
Für Deutschland hängt die Wirkung am Polarwirbel. Ein starker El Niño kann ihn im Spätwinter schwächen und Kaltluft aus der Arktis nach Mitteleuropa lenken, während der Winter insgesamt eher mild ausfällt (mehr dazu: El Niño und Polarwirbel im Winter 2026/27, alle Beiträge zum Thema: Übersichtsseite El Niño).
QUELLEN
- Zeke Hausfather auf X: „No El Niño on record looks like this" (Chart, Datenstand 13. September 2026), 14. September 2026.
- Zeke Hausfather auf X: Vergleich der August- und September-Läufe von 14 dynamischen ENSO-Modellen, September 2026.
- 20 Minuten: Godzilla-El-Niño: Forscher warnen vor historisch starkem Wetterphänomen, 8. September 2026.
- FAO: 2015–2016 El Niño: Early action and response for agriculture, food security and nutrition, 2016.