Veir will Kupfer im KI-Rechenzentrum ersetzen

SUPRALEITER STATT KUPFER · 14. OKTOBER 2026

Veir sammelt 110 Millionen Dollar für Supraleiterkabel in KI-Rechenzentren

Das US-Cleantech-Unternehmen Veir will Supraleiterkabel in KI-Rechenzentren bringen und dort Kupferleitungen ersetzen. Nach einer Demonstration mit drei Megawatt stehen jetzt die ersten kommerziellen Projekte an.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. LESEN


Matter Venture Partners und Tyche Partners führen die Series-C-Runde über 110 Millionen US-Dollar an, umgerechnet rund 98 Millionen Euro. Veir bezeichnet die Runde in seiner Mitteilung als überzeichnet. Neu eingestiegen sind LG Technology Ventures, Gates Frontier, Sabanci Climate Ventures und Hui Capital. Bestehende Geldgeber wie Engine Ventures, Congruent Ventures und Piva Capital ziehen mit.

Damit hat das 2019 gegründete Unternehmen aus Woburn im US-Bundesstaat Massachusetts insgesamt 225 Millionen US-Dollar eingesammelt, rund 200 Millionen Euro. Eine Bewertung nennt Veir nicht. „Die KI-Infrastruktur entwickelt sich in einem Tempo, das ein Umdenken bei der Stromverteilung verlangt“, sagt Veir-Chef und Mitgründer Tim Heidel. Die Physik des Kupfers sei zu einer grundsätzlichen Grenze für das Wachstum der KI geworden, sagt Weijie Yun, geschäftsführender Partner bei Tyche Partners.

Veir kühlt die Kabel mit flüssigem Stickstoff

Supraleiter verlieren ihren elektrischen Widerstand fast vollständig, sobald sie tief genug gekühlt sind. Veir legt dafür Supraleiterbänder in ein Rohr mit flüssigem Stickstoff bei rund minus 196 Grad Celsius. Ein Teil des Stickstoffs verdampft und kühlt so das Rohr nach. Teure Kompressoren sollen dadurch entfallen, wie Datacenterdynamics beschreibt.

Zum Gesamtsystem gehören neben den Kabeln die Kühlung, die Steuerung, die Endverschlüsse und die Überwachung. Im November 2025 übertrug Veir in einer nachgebauten Rechenzentrumsumgebung nahe seinem Sitz drei Megawatt über ein einzelnes Niederspannungskabel. Das Niederspannungssystem ist für bis zu 800 Volt ausgelegt. Nach Unternehmensangaben bringt es bis zu zehnmal so viel Leistung über mehr als die fünffache Strecke wie herkömmliche Kabel. Die Kabeltrasse schrumpfe dadurch auf weniger als ein Zwanzigstel.

Den ersten Markt sieht Veir hinter dem Zähler, also im Stromnetz des Rechenzentrumsbetreibers selbst bis an die Serverschränke. Supraleiterkabel in KI-Rechenzentren sollen dort Platz, Material und Montagearbeit sparen, während die Rechenzentren größer und stromhungriger werden. Nach einer Prognose der Internationalen Energieagentur wird sich der Stromverbrauch der Rechenzentren weltweit bis 2030 auf rund 945 Terawattstunden im Jahr mehr als verdoppeln.

Veir baut die Fertigung für erste Kundenprojekte aus

Das frische Kapital fließe in zusätzliche Fertigungskapazität und neue Produkte, teilte Veir mit. Mit Kunden und Partnern arbeite das Unternehmen an Referenzdesigns für KI-Rechenzentren und an den ersten kommerziellen Installationen. Namen von Kunden nennt Veir nicht.

Im Januar 2025 hatte Veir eine Series B über 75 Millionen US-Dollar abgeschlossen, nach heutigem Kurs rund 67 Millionen Euro. Diese Runde führte Munich Re Ventures an, beteiligt waren unter anderem der Klimafonds von Microsoft und der Netzbetreiber National Grid. Tyche Partners investierte schon damals und führt jetzt die Series C mit an.

Subra und THEVA bauen Supraleiterkabel in Europa

In Europa verfolgt das dänische Cleantech-Unternehmen Subra einen ähnlichen Ansatz. Subra übernahm im April 2026 den Bandhersteller THEVA aus Ismaning bei München, der die einzige Serienfertigung für REBCO-Supraleiterbänder in Deutschland betreibt. Seitdem fertigt Subra Band und Kabel unter einem Dach, wie das Cleanthinking-Porträt über Subra und THEVA zeigt. In einer Series A sammelte Subra 50 Millionen Euro ein, unter anderem von der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND.

Subra zielt auf Engpässe im Stromnetz, auf Industrieanschlüsse und auf Magnete für Fusionsanlagen, Veir zuerst auf das Rechenzentrum. Was THEVA-Bänder im Netz leisten, testen die Stadtwerke München. Am Umspannwerk Menzing läuft seit Oktober 2024 das 110-Kilovolt-Supraleiterkabel SuperLink mit 500 Megawatt Nennleistung im Testbetrieb.

Beide Unternehmen setzen dort an, wo Kupfer an seine Grenzen kommt. Der Kupferpreis erreichte Anfang September einen Rekord, und hohe Preise machen Alternativen zum Kupfer wirtschaftlich. Gleichzeitig wächst der Strombedarf der Rechenzentren mit jeder neuen Chipgeneration. Supraleiter rechnen sich bislang nur dort, wo auf engem Raum sehr viel Leistung fließen muss, und genau das trifft auf das KI-Rechenzentrum zu.

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