Electrotech für den globalen Süden · 29. Oktober 2026
USAID PakistanChinas Cleantech-Exporte vermeiden 2026 rund 450 Millionen Tonnen CO₂
Solarmodule, Windturbinen, Batterien und Elektroautos aus China vermeiden in diesem Jahr außerhalb Chinas so viel CO2, wie Brasilien in einem Jahr ausstößt. Das hat der Analyst Lauri Myllyvirta für Carbon Brief berechnet. Am stärksten sinken die Emissionen im globalen Süden.
Myllyvirta ist leitender Analyst am Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA). Für seine Analyse bei Carbon Brief verbindet er Chinas Exportdaten mit den Stromnetzen der Zielländer und zieht die Emissionen der Herstellung in China ab. Chinas Cleantech-Exporte vermieden demnach in den ersten drei Quartalen 2026 um 26 Prozent mehr CO2 als im Vorjahreszeitraum. Schon 2025 hatte die Wirkung um 36 Prozent zugelegt.
Über ihre gesamte Lebensdauer vermeiden die Exporte dieses Jahres voraussichtlich 8,4 Milliarden Tonnen CO2. So viel stoßen die USA und Indien zusammen in einem Jahr aus. Für die Exporte des Jahres 2025 kommt Myllyvirta auf 6,8 Milliarden Tonnen, für 2024 auf 5,0 Milliarden. Er rechnet mit 20 Jahren Betrieb für Solar- und Windanlagen, zehn Jahren für Autos und Batterien und fünf Jahren für Elektro-Zweiräder.
Die Herstellung der exportierten Technik verursachte 2025 in China rund 170 Millionen Tonnen CO2. Im Ausland vermieden dieselben Exporte pro Jahr rund 370 Millionen Tonnen. Im Schnitt ist die CO2-Last aus der Fabrik damit nach sechs Monaten Betrieb abgetragen.
Chinas Solar- und Windexporte liefern anderthalbmal den deutschen Stromverbrauch
Die Solarmodule, Zellen und Wafer, die China 2025 exportierte, ergeben nach dem Zusammenbau 436 Gigawatt Modulleistung. Dazu kamen acht Gigawatt Windturbinen. Zusammen erzeugen diese Anlagen rund 720 Terawattstunden Strom im Jahr. Die Exporte von 2026 kommen auf rund 800 Terawattstunden, so viel wie etwa 100 Kohlekraftwerke liefern. Deutschland verbrauchte 2025 nach Angaben des Umweltbundesamts 526 Terawattstunden.
Von den 6,8 Milliarden Tonnen, die der Exportjahrgang 2025 über die Lebensdauer vermeidet, entfallen 6,4 Milliarden auf Solartechnik. Windturbinen folgen mit 180 Millionen Tonnen, Elektroautos und Batterien mit 170 Millionen. Elektro-Zweiräder kommen auf 40 Millionen Tonnen, obwohl China davon 2025 rund 36 Millionen Stück exportierte. Myllyvirta rechnet hier vorsichtig: Nur etwa die Hälfte der Fahrten ersetze eine Fahrt mit Auto oder Motorrad.
Am schnellsten wächst 2026 die Ausfuhr von Elektroautos und elektrischen Nutzfahrzeugen, in den ersten drei Quartalen um 61 Prozent. 2025 hatte China 2,2 Millionen batterieelektrische Pkw exportiert, dazu Batterien mit 305 Gigawattstunden, genug für weitere fünf Millionen Elektroautos.
Indien spart am meisten CO₂, die USA folgen vor der EU
Gemessen am Exportwert ging der größere Teil von Chinas Cleantech in den globalen Norden. Die vermiedenen Emissionen der ersten drei Quartale liegen dagegen zu 76 Prozent im globalen Süden, allein 52 Prozent in Süd- und Südostasien. Dort treffen die Solarmodule auf mehr Sonne und auf Stromnetze, die noch stark an der Kohle hängen. In Pakistan entwerten Chinas Solarexporte bereits Chinas eigene Kohlekraftwerke, in Nigeria holen sich Haushalte ihren Strom vom eigenen Dach.
Unter den Ländern liegt Indien vorn, auf Platz zwei folgen die USA. Dort wuchs die Einsparung 2026 trotz höherer Zölle um zwölf Prozent, die USA liegen damit vor der EU als Ganzes. Dahinter folgen Thailand, Saudi-Arabien, Südafrika und Australien. In die vom Krieg betroffenen Golfstaaten lieferte China 2026 weniger als im Vorjahr.
Die EU importiert zwar von jeder Technik mehr als die USA. Ein Gigawatt Solar vermeidet in den USA aber dreimal so viel CO2 wie in der EU. In den USA scheint die Sonne öfter, und der Strommix hängt stärker an Kohle und Gas.
Bei Elektroautos und schweren Elektrofahrzeugen war Westeuropa 2026 bisher der größte Abnehmer, die Exporte in die EU stiegen um 39 Prozent. Nach Lateinamerika und Südostasien hat sich die Ausfuhr mehr als verdoppelt. Myllyvirta führt das auf die Ölkrise zurück. Deutschland zahlt dank Elektroautos seither 660 Millionen Euro weniger für Öl.
Chinas Cleantech-Exporte verdrängen kaum andere Hersteller
Den Vorwurf der Überkapazität prüft Myllyvirta an den Exportzahlen anderer Länder. Deren Elektroauto-Exporte seien dem Wert nach deutlich stärker gewachsen als die chinesischen. Vorn lägen die EU und vor allem Deutschland, dahinter Mexiko, Japan, Großbritannien und Südkorea. Auch bei Wärmepumpen, Wechselrichtern und Elektrolyseuren hätten Hersteller außerhalb Chinas zugelegt.
China erobere vor allem neue Märkte und günstigere Preissegmente. Eine Ausnahme bilde die Windkraft: Dort wachse China, während die Exporte der etablierten Hersteller weltweit sinken. Klar verdrängt habe China andere Anbieter dagegen bei Autos mit Verbrennungsmotor.
Chinas Hersteller verkaufen den größten Teil ihrer Produktion weiter im eigenen Land. 2025 gingen 43 Prozent der Solarzellen und -module ins Ausland, bei Batterien 17 Prozent, bei Elektroautos 13 und bei Windturbinen sieben Prozent. Im eigenen Land ist die Nachfrage nach Solaranlagen und Batteriespeichern 2026 nach dem Rekordjahr eingebrochen. Bleibt das so, könnten die Solarexporte die heimischen Installationen übertreffen und neuen Streit um Handelspraktiken auslösen. Chinas Batteriekonzerne bauen ihre Fabriken bereits in Europa.
Die Branchen der sauberen Energie lieferten 2025 ein Drittel des chinesischen Wirtschaftswachstums. Das gibt Peking nach Myllyvirtas Einschätzung einen Grund, das Elektrifizierungsziel der Klimakonferenz COP31 zu unterstützen. Die türkische Präsidentschaft will den Anteil von Strom am weltweiten Endenergieverbrauch bis 2035 auf 35 Prozent anheben, von heute gut 20 Prozent. Deutschland deckt erst 20,5 Prozent seines Endenergieverbrauchs mit Strom.