HORMUS-SCHOCK TREIBT CHINAS ELEKTRIFIZIERUNG · 6. NOVEMBER 2026
KI-generiertDie CO2-Emissionen in China fallen so stark wie seit Corona nicht mehr
Um 3,1 Prozent sank Chinas CO2-Ausstoß im dritten Quartal 2026, schätzt der finnische Analyst Lauri Myllyvirta. Kohlekraftwerke liefen seltener, Elektro-Lkw verdrängen Diesel, und der Hormus-Schock beschleunigt den Abschied vom Öl.
Der Kohleverbrauch fiel gegenüber dem Vorjahresquartal um drei Prozent, der Ölverbrauch um vier Prozent. Das errechnet Myllyvirta, leitender Analyst des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA), in seiner Auswertung für das Klimaportal Carbon Brief. Er stützt sich auf amtliche Statistiken und kommerzielle Daten. Einen so starken Rückgang gab es zuletzt während der Corona-Lockdowns 2022.
Seit Jahresbeginn liegen die CO2-Emissionen in China damit rund 0,5 Prozent unter dem Vorjahr. Auf Sicht von zwölf Monaten stagniert oder sinkt der Ausstoß seit März 2024, also seit mehr als zwei Jahren. China verursacht rund ein Drittel der weltweiten CO2-Emissionen.
China baut Kohlekraftwerke und lässt sie seltener laufen
Die Kohlekraftwerke erzeugten im dritten Quartal 3,3 Prozent weniger Strom. Wind, Solar und Atomkraft lieferten 110 Terawattstunden mehr als im Vorjahresquartal, mehr als doppelt so viel, wie der Stromverbrauch zulegte. Der Zuwachs entspricht der gesamten Stromerzeugung Deutschlands im selben Zeitraum. Netzbetreiber regelten weniger Wind- und Solarstrom ab als ein Jahr zuvor.
Gleichzeitig nimmt China weiter neue Kohlekraftwerke in nahezu rekordverdächtigem Tempo in Betrieb. Die Laufzeiten der einzelnen Blöcke sinken deshalb noch schneller als die Kohlestromerzeugung, die Betreiber verdienen weniger. Im ersten Halbjahr fiel der Anteil der Kohle an der Stromerzeugung nach Angaben der chinesischen Energiebehörde NEA erstmals unter 50 Prozent.
Jeder zweite neue schwere Lkw in China fährt elektrisch
Im Verkehr sank der Ölverbrauch um neun Prozent. Elektroautos und Plug-in-Hybride kamen im September zusammen auf einen Rekordanteil von 67 Prozent der Pkw-Verkäufe (mehr dazu: Chinas Automarkt im September). Bei den schweren Lkw war jedes zweite neu verkaufte Fahrzeug elektrisch. Der Strombedarf der Elektrofahrzeuge stieg um 53 Prozent, deutlich schneller als ihre Zahl. Die Halter*innen nutzen ihre Stromer häufiger und lassen die Verbrenner stehen.
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar passieren weniger Tanker die Straße von Hormus, das Öl ist teurer geworden. Myllyvirta rechnet mit einem Wiederanstieg des Ölverbrauchs, sobald die Preise fallen. Chinas Ölverbrauch habe seinen Höhepunkt aber schon vor dem Schock höchstwahrscheinlich überschritten, sagte er. Das hatte im Sommer auch der Staatskonzern Sinopec eingeräumt. „Der Schock hat den Trend zur Elektrifizierung und die Abkehr vom Öl klar beschleunigt“, sagte Myllyvirta der Nachrichtenagentur AFP.
Auch die Industrie stößt weniger aus. Die Kohlechemie, bisher einer der größten Treiber steigender Emissionen, wächst langsamer: Hohe Kohlepreise drücken die Gewinne der Werke, teurere Produkte bremsen die Abnehmer. Zement- und Stahlwerke emittierten weniger CO2, weil Chinas Bauwirtschaft immer stärker schrumpft.
Peking setzt vor der COP31 auf den Netzausbau
Ein Teil des Rückgangs geht auf ungewöhnlich mildes Wetter im dritten Quartal und auf das schwächere Wirtschaftswachstum zurück. Myllyvirta erwartet trotzdem, dass der saubere Strom in diesem Jahr stärker wächst als der gesamte Energiebedarf. Dann sänke der Verbrauch fossiler Energien weiter. Voraussetzung sei, dass China die Hürden beim Anschluss neuer Wind- und Solarparks ans Netz abbaue.
Pekings Konjunkturprogramme setzen auf „sechs Netze“, darunter das Stromnetz und das Verkehrsnetz. Für beide gelten bereits Vorgaben, die emissionsarme Lösungen bevorzugen. Mit seinen Ausfuhren von Solarmodulen, Batterien und Elektroautos senkt China den CO2-Ausstoß auch im Rest der Welt.
Vom 9. bis 20. November verhandeln die Staaten auf der Weltklimakonferenz COP31 im türkischen Antalya. Die australische Verhandlungsleitung will dort eine Zusage aller Staaten erreichen, ihre Volkswirtschaften schneller zu elektrifizieren. China stützt dieses Ziel. Hinter dem Ziel steht die Electrotech-Revolution: Strom aus Sonne und Wind, Batterien und Elektromotoren ersetzen Kohle und Öl.
QUELLEN
- ZEIT Online (dpa): CO₂-Emissionen in China gehen deutlich zurück, 6. November 2026.
- Reuters: China's Q3 emissions post biggest drop since pandemic as Hormuz crisis curbs fossil fuel use, 6. November 2026.