
Energiespeicher-Hersteller drängen 2020 mit kommerziellen Projekten in den Markt, um der Energiewende zu helfen.
Die globale Transformation hin zu Erneuerbaren Energien und eine eher dezentrale Struktur des Energiesystems gelingt nur mit Backup-Kraftwerken. Das dürften einerseits hochflexible Gaskraftwerke und andererseits Energiespeicher jedweder Art sein. Weil der Bedarf bis 2050 auf 15.000 Terawattstunden geschätzt wird, tummeln sich Cleantech-Startups wie Energynest, Highview Power oder Kraftblock in diesem Markt - und machen Fortschritte auf dem Weg zu kommerziellen Projekten im Versorger-Maßstab.
Zuletzt aktualisiert im Juli 2026 um die Projektfortschritte von Highview Power, Kraftblock und EnergyNest.
Eines der Cleantech-Startups ist das britische Unternehmen Highview Power, das eine Technologie zur flüssigen Speicherung von Luft entwickelt hat. Nach der Errichtung einer Testanlage bei Manchester, baut Highview mittlerweile das erste kommerzielle Projekt - ebenfalls in Großbritannien. Das CRYOBattery genannte Energiespeichersystem soll zehnmal mehr Energie speichern können als die Testanlage in Manchester, rund 50 Megawatt / 250 Megawattstunden.
Der Energiespeicher entsteht dort, wo bislang ein Wärmekraftwerk seinen Dienst verrichtete. Dieses ist aber mittlerweile stillgelegt. Kern der Technologie ist, dass überschüssiger Windstrom genutzt wird, um Luft stark zu komprimieren - dabei sinkt die Temperatur auf minus 196 Grad, um die Luft zu verflüssigen. Der Vorteil: Das Volumen der Luft verringert sich auf ein Siebenhundertstel. Anschließend wird die Flüssigkeit in Stahltanks gelagert.
Während der Komprimierung wird Wärme freigesetzt, die ebenfalls eingefangen wird. Dafür setzt Highview Power auf etablierte Technologien aus der Erdgas-Industrie. Die zwischengespeicherte Wärme wird bei Strombedarf wieder genutzt, um die Luft in Gas zurückzuverwandeln. Ein Turbogenerator sorgt für die Wandlung in Strom. 25.000 Haushalte sollen so einen ganzen Tag lang mit elektrischer Energie versorgt werden können.
Dabei ist das Projekt in Großbritannien längst nicht der einzige Fortschritt, den Highview Power zu vermelden hat. Weitere Flüssigluftspeicher sollen auch in anderen europäischen Ländern wie etwa Spanien entstehen. Dabei verspricht das Unternehmen vergleichbare Kosten wie die für heutige Pumpspeicherkraftwerke. Und: Im Dezember schließlich gab das Unternehmen den Markteintritt in die USA bekannt, wo die großen Energieversorger gezwungen sind, Speicherkapazitäten zu schaffen. Ein erstes Projekt wie im Norden Englands wird in Vermont entstehen.
Gewaltiger Bedarf für Energiespeicher bis 2040
Wie groß das Potenzial für Energiespeicher-Technologien ist, zeigt eine weitere Zahl: In den kommenden zwei Jahrzehnten sind laut Bloomberg New Energy Finance Investitionen von 662 Milliarden US-Dollar notwendig, um genügend Speicherkapazitäten aufzubauen und den Ausbau der Erneuerbaren Energien weiter zu forcieren.
Eine Marktchance von der auch das norwegische Cleantech-Unternehmen EnergyNest profitieren will. EnergyNest hat einen Betonspeicher entwickelt, der auch als Thermobatterie bezeichnet wird. Und auch diesem Player ist in den vergangenen Monaten der erste Kaufvertrag für ein kommerzielles Projekt geglückt: Partner ist der Energiekonzern Eni, der die Technologie an seiner Produktionsstätte bei Gela an der Südküste Siziliens einsetzen wird.
EnergyNest reduziert CO2-Emissionen bei Eni
Im Gela-Projekt wird die Thermische Batterie zwischen die bestehende Solarthermie-Anlage und eine Dampfturbine zur Stromerzeugung integriert. So soll tagsüber Solarwärme erzeugt und zwischengespeichert werden.
In der Nacht gibt die Thermobatterie die Wärme für die Erzeugung von Dampf wieder ab. Bislang wurde dieser durch Verbrennung fossiler Kraftstoffe gewonnen - so sollen 60 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Nach Unternehmensangaben soll die innovative Anlage in der zweiten Jahreshälfte 2020 in Betrieb gehen.
Es sind die Konzepte, die die existierende Energiewirtschaft oder deren verbliebene Infrastruktur mit neuartigen Technologien verbinden, die offenbar bereits wirtschaftliche Alternativen als Energiespeicher bieten. Auch Frank Thelen als Investor des saarländischen Cleantech-Startups Kraftblock sucht in einem Linkedin-Post exakt nach solchen Partnern, die ihre CO2-Emissionen reduzieren wollen.
Kraftblock will ungenutzte Abwärme nutzbar machen
Kraftblock speichert Wärme bis zu 1.300 Grad und hat dafür ein spezielles Granulat entwickelt. Thelen sieht in seinem Investment sogar eine Antwort für viele Unternehmen auf die CO2-Bepreisung, die in den kommenden Jahren auch in Deutschland eingeführt wird. Jedes Jahr werden 300 Terawattstunden Abwärme verschwendet. Kraftblock will mit seiner Lösung dazu beitragen, diese Energie zwischen zu speichern und dann zu nutzen, wenn sie gebraucht wird.
Eine andere Lösung für die Energiewende und die Erreichung der Klimaziele sehen die Hersteller der Thermobatterien generell darin, älteren Kraftwerken, die wegen des wachsenden Anteils Erneuerbarer Energien geringere Laufzeiten haben, mehr Flexibilitätsoptionen zu ermöglichen.
Denn, so schreibt es auch Oliver Wyman in einer aktuellen Studie: Zwar müsste etwa Deutschland zeitnah neue, hochflexible Gaskraftwerke errichten - bislang steht die Wirtschaftlichkeit dafür aber in den Sternen und Investoren droht, dass getätigte Investitionen rasch zu sogenannten Stranded Assets werden.
Die drei genannten Unternehmen stehen beispielhaft für eine neue Generation von Cleantech-Playern, die Energiespeicher für die Energiewende entwickeln. Viele weitere auf der ganzen Welt arbeiten an großskalierbaren Lösungen - jenseits von etwa Tesla, das große Batteriespeicher errichtet. Damit der Wandel hin zu Erneuerbaren Energien und die Erreichung der Klimaziele gelingen kann. Es bleibt spannend.
Sechs Jahre später: Aus den Pilotprojekten werden Referenzanlagen
Alle drei Unternehmen aus dem ursprünglichen Beitrag sind 2026 weiter am Markt und haben ihre ersten Großprojekte in die Umsetzung gebracht. Auffällig ist die Verschiebung im Geschäft: Kraftblock und EnergyNest verdienen ihr Geld inzwischen vor allem mit der Dekarbonisierung industrieller Prozesswärme.
| Unternehmen | Projekt | Leistung / Kapazität | Status |
|---|---|---|---|
| Highview Power | Flüssigluftspeicher Carrington bei Manchester | 50 MW Leistung, 300 MWh Kapazität | Inbetriebnahme Ende 2026 geplant |
| Kraftblock | Abwärmespeicher bei Tata Steel, Jamshedpur (Indien) | 20 MWh Kapazität, bis rund 500 Grad | in Betrieb seit 2025 |
| Kraftblock | Power-to-Heat mit Speicher bei PepsiCo (Niederlande) | 150 MWh Kapazität im Endausbau | im Aufbau |
| EnergyNest | Power-to-Heat mit Thermalbatterie bei tesa in Hamburg | 10 MW Leistung, 40 MWh Kapazität | Baustart Herbst 2026 geplant |
Highview Power baut Carrington und plant den Sprung auf Gigawattstunden
Aus der 2020 angekündigten CRYOBattery ist das Projekt Carrington bei Manchester geworden, deutlich später als damals geplant. Die Anlage soll bei Strombedarf 50 Megawatt Leistung über sechs Stunden abgeben, insgesamt also 300 Megawattstunden speichern. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2026 vorgesehen.
Den Baustart ermöglichte eine Finanzierungsrunde über 300 Millionen Pfund im Juni 2024, angeführt von der staatlichen UK Infrastructure Bank, die heute National Wealth Fund heißt, und dem Energiekonzern Centrica. Zu den Geldgebern zählen außerdem Rio Tinto, Goldman Sachs und die Lego-Holding Kirkbi.
Parallel hat Highview die zweite Ausbaustufe gestartet. Im schottischen Hunterston soll ein Flüssigluftspeicher mit 2,5 Gigawattstunden Kapazität entstehen, nach Unternehmensangaben der größte der Welt. Das Vorhaben hat sich für das britische Cap-and-Floor-Förderregime für Langzeitspeicher qualifiziert; die Entscheidung der Regulierungsbehörde Ofgem wird für Sommer 2026 erwartet.
Kraftblock läuft im Stahlwerk von Tata Steel
Im indischen Stahlwerk Jamshedpur von Tata Steel fängt ein Kraftblock-Speicher mit 20 Megawattstunden Kapazität seit 2025 die bis zu 500 Grad heiße Abwärme einer Sinteranlage ein und erwärmt damit deren Prozesswasser. Nach Angaben der Partner ersetzt das System rund 110 Gigawattstunden Erdgas und vermeidet etwa 22.000 Tonnen CO2 pro Jahr.
Nach Kraftblock-Angaben ist es der erste Hochtemperatur-Wärmespeicher in der Stahlindustrie überhaupt. Anfang 2026 zogen beide Unternehmen nach fast einem Jahr Dauerbetrieb eine positive Bilanz.
Zuvor hatte das saarländische Unternehmen mit dem Versorger Eneco die Elektrifizierung der PepsiCo-Chipsfabrik im niederländischen Broek op Langedijk begonnen; im Endausbau sollen dort 150 Megawattstunden Speicherkapazität 98 Prozent der Prozesswärme-Emissionen beseitigen. Kapital für die Skalierung brachte 2023 eine Series-B-Runde über 20 Millionen Euro, angeführt von Shell Ventures.
EnergyNest liefert die Thermalbatterie für tesa in Hamburg
Der Infrastrukturinvestor Infracapital investierte 110 Millionen Euro in EnergyNest und wurde größter Anteilseigner. Seither bieten die Norweger ihren Industriekunden schlüsselfertige, mitfinanzierte Speicherlösungen an.
Das bislang größte deutsche Projekt entsteht beim Klebebandhersteller tesa. Am Hamburger Produktionsstandort koppelt eine Power-to-Heat-Anlage mit 10 Megawatt elektrischer Leistung eine Thermalbatterie aus 24 Betonmodulen, die 40 Megawattstunden Wärme speichert. Sie wandelt erneuerbaren Strom in Hochtemperatur-Dampf und soll rund zwei Drittel des jährlichen Dampfbedarfs klimaneutral decken.
tesa rechnet mit rund 4.600 Tonnen weniger CO2 pro Jahr, etwa 20 Prozent der Standort-Emissionen gegenüber dem Referenzjahr 2018. Der Baustart ist für Herbst 2026 geplant, die Inbetriebnahme für Sommer 2027.
Warum Hochtemperatur-Wärmespeicher 2026 Rückenwind haben
Dass die kommerziellen Durchbrüche zuerst bei der Prozesswärme gelingen, hat handfeste Gründe. Der CO2-Preis im EU-Emissionshandel verteuert jede fossile Kilowattstunde Wärme. Und je mehr Solar- und Windstrom ins Netz drängt, desto häufiger gibt es Stunden mit sehr niedrigen oder negativen Strompreisen, in denen sich das Aufladen der Speicher lohnt.
Genau dieses Muster nutzen die Anlagen bei PepsiCo und tesa: Sie laden, wenn Strom billig ist, und liefern Dampf, wenn die Produktion ihn braucht. Grüner Wasserstoff, lange als Standardantwort für die industrielle Wärmewende gehandelt, bleibt für solche Anwendungen dagegen knapp und teuer.
Das Feld ist zudem deutlich breiter besetzt als 2020. Neben Beton, Granulat und Flüssigluft konkurrieren inzwischen etwa die Sandbatterie und die elektrifizierten Ziegel des Startups Calectra um die Nachfolge des Erdgaskessels. Sechs Jahre nach diesem Beitrag stehen die ersten Referenzanlagen in Europa und Asien.
QUELLEN
- Energy-Storage.News: Highview raises £300 million to start building 300MWh liquid air energy storage project in the UK, Juni 2024
- Energy-Storage.News: Scottish first minister welcomes Highview Power's 2.5GWh 'world's largest' liquid air LDES project, Oktober 2024
- Pressemitteilung Tata Steel / Kraftblock: Tata Steel and Kraftblock Advance Successful Thermal Energy Storage Operations at Jamshedpur, Februar 2026
- EU-Startups: German startup Kraftblock raises €20 million Series B to combat climate crisis through its thermal storage tech, August 2023
- Pressemitteilung tesa / EnergyNest: Blaupause für klimaneutrale Prozesswärme: tesa und ENERGYNEST realisieren eine der größten industriellen Power-to-Heat-Anlagen Deutschlands, Januar 2026
- Industrieanzeiger: Tesa baut eine der größten Power-to-Heat-Anlagen Deutschlands, Januar 2026
[…] Allgemeine Energiespeicher: Deutliche Fortschritte bei EnergyNest, Highview Power, Kraftblock | Cleanthinking Cryogenic energy storage | Highview Power Highview Power baut 50-Megawatt-Flüssigluftspeicher in […]