Für Münchens Klimaneutralität 2030: Balkonkraftwerke für Bedürftige

PHOTOVOLTAIK · 24. MAI 2026

Münchens neuer OB gibt Solar2030 Rückenwind: Balkonkraftwerke für Bedürftige als Modell

Seit drei Wochen regiert Dominik Krause (Grüne) als Münchens Oberbürgermeister. Klimaneutralität steht ganz oben auf seiner Agenda – und Initiativen wie Solar2030 e.V. haben Auftrieb. Der Verein verteilt kostenlos Balkonkraftwerke an Menschen mit wenig Geld. Das Modell macht bereits Schule.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 3 Min. Lesezeit LESEN


München ist 2026 Europäische Umwelthauptstadt – und seit dem 1. Mai hat die Stadt einen OB, der Klimaschutz nicht als Pflichtübung betrachtet. Dominik Krause von Bündnis 90/Die Grünen hatte im Wahlkampf den Ausbau der Solarenergie und soziale Teilhabe an der Energiewende zu zentralen Themen gemacht. Für Vereine wie Solar2030 e.V. kommt das zur rechten Zeit: Der Verein organisiert Projekte wie Balkonkraftwerke für Bedürftige - und kooperiert dabei u.a. mit der Tafel.

Solar2030 ist Teil der EU-Mission „100 klimaneutrale und smarte Städte bis 2030“, die über die Plattform NetZeroCities umgesetzt wird. München gehört zu den Pilotstädten. Und Solar2030 liefert, was die Hochglanzpolitik oft nicht schafft: konkrete Anlagen auf konkreten Balkonen von Menschen, die sich das sonst nicht leisten könnten.

Solar2030 München: Balkonkraftwerke für Bedürftige

Das Projekt „Balkonsolar für alle“ läuft seit Herbst 2023. Solar2030 e.V. sammelt Spenden, beschafft PV-Module – darunter Rückläufer, B-Ware und Vorgängermodelle, die technisch einwandfrei sind – und montiert die Anlagen ehrenamtlich. Die Münchner Tafel, die wöchentlich 20.000 Menschen versorgt, stellt den Kontakt zu Haushalten her, die in Frage kommen: Wer nachweisen kann, dass nach Miete und Nebenkosten weniger als 502 Euro monatlich bleiben, kann sich bewerben.

Die Bilanz bis April 2026 kann sich sehen lassen: 174 Balkonkraftwerke wurden montiert, über 8.000 Euro Spendengelder gesammelt. Händler wie Alpha Solar und die Firma FerlePV aus Trudering beteiligten sich mit kostenlosen Modulen. Das ARD-Magazin BRISANT berichtete im August 2025, die Bayerische Staatszeitung im April 2026 über das Projekt. Axel Schweiger von der Münchner Tafel formuliert es schlicht: „Ich finde, es müsste einen Sozialstrom geben.“

Zwei Montagen aus der Praxis zeigen, wie das in der Realität aussieht: Im Juli 2024 schleppten ehrenamtliche Helfer von Solar2030 ein vom Händler FerlePV gespendetes Modul in den zweiten Stock nach Nymphenburg – vorher hatte Renate Schultes es zu Hause vormontiert. Im April 2025 wartete in Pasing eine Loggia im sechsten Stock: Das Tauben-Schutznetz war fest verankert, die Helfer Richard, Erich und Renate fanden dennoch eine Lösung. Solche Geschichten passieren jeden Monat.

Das Modell springt auf den Landkreis über

Was in München funktioniert, will das Umland kopieren. Die Energieagentur Ebersberg-München und der Caritas-Verband München und Freising starten ein neues Projekt, das sich ausdrücklich am Solar2030-Modell orientiert. Finanziert wird es über die Crowdfunding-Plattform Aktion Zukunft+, eine Initiative der Landkreise München und Ebersberg. Im ersten Jahr liegt der Schwerpunkt auf dem Aufbau: Ein ehrenamtliches Team wird geschult, das die Abstimmung mit Hausverwaltungen und die fachgerechte Installation übernimmt.

Der Ansatz Balkonkraftwerke für Bedürftige bleibt derselbe wie in München: keine Neuware, sondern voll funktionsfähige Module, die aus dem regulären Verkauf ausgeschieden sind. Wer spenden will, kann das unter aktion-zukunft-plus.de tun. Solar2030 sucht außerdem weiterhin gemeinnützige Partnerorganisationen, die das Modell in anderen Städten und Regionen umsetzen wollen.

QUELLEN

573b06675bc547caabb57899025ff0f7
  1. Solar2030 e.V.: Tafel-Projekt „Balkonsolar für alle“
  2. Solar2030 e.V., 6. Mai 2026: Partner:innen für das Projekt „München Solar 2030“ gesucht
  3. Bayerische Staatszeitung, 10. April 2026: Kommunale Projekte: Mit Solarstrom gegen die Armut
  4. Süddeutsche Zeitung, 23. November 2025: Balkonkraftwerke für Menschen mit wenig Geld
  5. Grüne Fraktion München: München wird Europäische Umwelthauptstadt 2026
0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben scrollen
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x