Energy Dome baut CO2-Batterie für SRP, Google finanziert mit

SPEICHER · 15. JUNI 2026

Energy Dome baut CO2-Batterie für SRP, Google finanziert mit

Der italienische Speicherentwickler Energy Dome errichtet eine 190-MWh-Anlage am Kraftwerksstandort Coronado in Arizona und betreibt sie selbst über ein 20-Jahres-Tolling. Inbetriebnahme 2029.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 3 MIN LESEN


Energy Dome und der Versorger Salt River Project (SRP) bringen eine CO2-Batterie mit 19 Megawatt Leistung und zehn Stunden Speicherdauer ans Netz der Region Phoenix. Die Anlage entsteht am Standort der Coronado Generating Station in St. Johns, Arizona, und geht 2029 in Betrieb. Google finanziert einen Teil des Projekts über eine Kostenteilung mit dem Versorger.

Energy Dome errichtet und betreibt die Anlage selbst. SRP ruft die gespeicherte Energie über ein sogenanntes Tolling-Modell ab, das über 20 Jahre läuft. Der Versorger zahlt also für die Verfügbarkeit der Speicherleistung, ohne die Anlage zu besitzen. Mit 190 Megawattstunden Kapazität kann das System nach Angaben der Partner rund 4.275 Haushalte zehn Stunden lang mit Strom versorgen.

Das Herzstück ist Energy Domes CO2-Batterie. Sie speichert überschüssigen Strom, indem sie Kohlendioxid in einem geschlossenen Kreislauf verdichtet und verflüssigt. Wird Strom gebraucht, expandiert das CO2 wieder über eine Turbine und treibt einen Generator an. Das Verfahren kommt ohne Lithium und ohne seltene Rohstoffe aus, was Energy Dome als Vorteil gegenüber konventionellen Batteriespeichern für lange Speicherdauern anführt.

Genau diese lange Speicherdauer ist der wirtschaftliche Kern des Projekts. Lithium-Ionen-Speicher rechnen sich vor allem für kurze Entladezeiten von zwei bis vier Stunden. Soll ein System über zehn Stunden liefern, steigen die Materialkosten überproportional. Thermomechanische Speicher wie die CO2-Batterie trennen Leistung und Kapazität konstruktiv voneinander und werden mit zunehmender Speicherdauer relativ günstiger. Für einen Versorger, der Solarstrom vom Tag in die Abendspitze verschieben will, ist das ein anderes Kostenprofil.

Das Projekt ist Teil einer Zusammenarbeit von Google und SRP, die den Ausbau von Langzeitspeichern jenseits von Lithium-Ionen beschleunigen soll. Es ist bereits das zweite gemeinsame Vorhaben der beiden. SRP hatte die Technologie über eine Ausschreibung für Langzeitspeicher-Pilotprojekte ausgewählt, die der Versorger 2024 gestartet hatte. Begleitet wird der Betrieb vom Forschungsinstitut EPRI, das die Leistungsdaten unter den Klimabedingungen Arizonas auswertet.

Für Energy Dome ist Arizona einer mehrerer US-Märkte, in die das Mailänder Unternehmen derzeit drängt. Im Sommer 2025 genehmigten die Aufsichtsbehörden ein 20-MW-Projekt mit dem Versorger Alliant Energy in Wisconsin, ebenfalls mit zehn Stunden Speicherdauer. Anfang 2026 folgte eine Absichtserklärung für eine Anlage am Rechenzentrumsstandort des Betreibers NUAI im texanischen Odessa. Der Hunger der KI-Rechenzentren nach planbarer Leistung treibt die Nachfrage nach dispatchbarer Kapazität.

Ein Deutschland-Bezug besteht über die Lieferkette. Energy Dome kooperiert mit MAN Energy Solutions bei der Turbomaschinerie der CO2-Batterie, und der Anlagenbauer Ansaldo Energia hält eine Lizenz für Projekte unter anderem in Deutschland. Die erste kommerzielle Anlage des Unternehmens steht im italienischen Sardinien kurz vor der Fertigstellung. Energy Dome plant nach eigenen Angaben in den kommenden Jahren bis zu 30 Anlagen in Italien, Deutschland und weiteren Märkten.

Auch das Geschäftsmodell ist typisch für Energy Domes US-Strategie. Statt die Anlage an den Versorger zu verkaufen, behält das Unternehmen Eigentum und Betrieb und verkauft über das Tolling nur die Verfügbarkeit. SRP trägt damit kein Technologierisiko, Energy Dome sichert sich planbare Einnahmen über zwei Jahrzehnte. Für einen Hersteller, der seine Technik im Markt erst etablieren muss, senkt das die Hürde beim Versorger. Die Begleitung durch EPRI liefert zugleich unabhängige Betriebsdaten, die für künftige Ausschreibungen als Referenz dienen.

SRP will den Bestand an Erzeugungs- und Speicherkapazitäten bis 2035 mindestens verdoppeln, um den wachsenden Bedarf im Großraum Phoenix zu decken. Speicher spielen dabei eine zentrale Rolle. Für Energy Dome ist das Arizona-Projekt ein weiterer Beleg, dass die CO2-Batterie den Sprung von der Pilotanlage in den regulären Versorgerbetrieb schafft. Ob sich die Technik im Wettbewerb mit Lithium-Speichern und anderen Langzeitkonzepten durchsetzt, wird sich an den Betriebsdaten ab 2029 zeigen.

190 MWh

SPEICHERKAPAZITÄT

19 MW Leistung über 10 Stunden, genug für rund 4.275 Haushalte

20 Jahre

TOLLING-VERTRAG

Energy Dome besitzt und betreibt, SRP ruft die Leistung ab

2029

INBETRIEBNAHME

Auswahl 2024 per Ausschreibung, Google teilt sich die Kosten mit SRP

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