HEIZEN MIT DER KLIMAANLAGE · 12. OKTOBER 2026

Wann sich ein Haus mit der Luft-Luft-Wärmepumpe heizen lässt
Jede Split-Klimaanlage mit Heizfunktion ist technisch eine Luft-Luft-Wärmepumpe. Sie wärmt Räume mit wenig Strom, liefert aber kein Warmwasser. Ob sie die Heizung ergänzt oder ersetzt, hängt an Dämmung, Grundriss und Warmwasserbedarf.
Ein Split-Klimagerät mit Heizfunktion kühlt im Juli und heizt im Januar. Ein Umschaltventil im Kältekreis kehrt dafür die Fließrichtung des Kältemittels um. Als Luft-Luft-Wärmepumpe entzieht das Gerät dann der Außenluft Wärme und bläst sie über ein Innengerät ins Zimmer.
In Norwegen sind 60 Prozent der Gebäude mit einer Wärmepumpe ausgestattet, in Schweden und Finnland mehr als 40 Prozent. Das steht im Wärmepumpenbericht der Internationalen Energieagentur (IEA) von 2022. In Deutschland taucht die Luft-Luft-Variante in der Branchenstatistik nicht auf: Die Absatzzahlen von BWP und BDH erfassen Außenluft-Raumluft-Wärmepumpen bislang nicht. Das Marktanreizprogramm des Bundes schloss sie von 2011 bis 2019 von der Förderung aus.
Mit der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) kam die Wende. Von Ende Februar bis Ende Dezember 2024 gingen 33.941 von 147.891 Förderzusagen für elektrische Wärmepumpen an Luft-Luft-Wärmepumpen, knapp ein Viertel. So steht es in einem Fachbericht Wärmepumpen des Umweltbundesamts von 2025. Ob die Geräte ein Haus allein beheizen oder einen Kessel ergänzen, lässt sich aus den Zusagen nicht ablesen, betont das Amt.
Inhalt
Wie aus einer Split-Klimaanlage eine Heizung wird
Im Außengerät einer Luft-Luft-Wärmepumpe verdampft ein Kältemittel schon bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und nimmt dabei Wärme aus der Außenluft auf. Ein elektrisch angetriebener Verdichter presst den Dampf zusammen, Druck und Temperatur steigen. Im Innengerät kondensiert das Kältemittel und gibt die Wärme an die Raumluft ab, ein Ventilator verteilt sie. Strom fließt nur in Verdichter und Ventilatoren, den größeren Teil der Wärme liefert die Umgebung.
Im Sommer läuft derselbe Kreislauf rückwärts: Das Innengerät nimmt Wärme aus dem Zimmer auf, das Außengerät gibt sie nach draußen ab. Diese Kühlseite hat beim Schutz vor Hitze ihre eigene Bedeutung (mehr dazu: Klimaanlage in Deutschland: Was gegen die Hitze wirklich hilft). Für die Heizfrage zählt der Winterbetrieb.
Die Luft-Wasser-Wärmepumpe nutzt dieselbe Wärmequelle, übergibt die Wärme aber an Heizungswasser. Das Wasser fließt durch Heizkörper oder Fußbodenheizung und erwärmt in der Regel auch das Trinkwasser im Speicher. Die Luft-Luft-Wärmepumpe lässt diesen Wasserkreis weg und erwärmt nur die Raumluft. Sie kommt deshalb ohne Heizkörper aus, versorgt aber keine Dusche.
Eine dritte Bauart nutzt verbrauchte Raumluft statt Außenluft als Quelle. Solche Abluft-Wärmepumpen kommen als Heizung laut Umweltbundesamt nur in Passivhäusern mit Wärmerückgewinnung zum Einsatz. Für Gebäude mit höherem Wärmebedarf reicht diese Quelle nicht aus.
Woran sich die Effizienz beim Heizen ablesen lässt
Für Klimageräte bis zwölf Kilowatt schreibt die EU zwei Kennzahlen auf das Energielabel. Der SEER beschreibt die Effizienz im Kühlbetrieb über die ganze Saison, der SCOP die im Heizbetrieb. Ein SCOP von 4,6 bedeutet: Über die Heizperiode liefert das Gerät aus einer Kilowattstunde Strom 4,6 Kilowattstunden Wärme. Die EU-Kommission führt die Label-Verordnung (EU) 626/2011 und die Ökodesign-Verordnung (EU) 206/2012 im Oktober 2026 weiterhin als geltende Regeln.
Der SCOP auf dem Label gilt für die Heizperiode „mittel“. Die Ökodesign-Verordnung legt dafür eine Auslegungstemperatur von minus zehn Grad Celsius und eine Raumtemperatur von 20 Grad fest. Daneben kennt sie eine kältere und eine wärmere Heizperiode. Wer eine Luft-Luft-Wärmepumpe für eine Gegend mit strengen Wintern plant, fragt nach dem Wert für das kältere Klima.
| Energieeffizienzklasse | SCOP Heizen (Heizperiode mittel) | SEER Kühlen |
|---|---|---|
| A+++ | ab 5,10 | ab 8,50 |
| A++ | 4,60 bis unter 5,10 | 6,10 bis unter 8,50 |
| A+ | 4,00 bis unter 4,60 | 5,60 bis unter 6,10 |
| A | 3,40 bis unter 4,00 | 5,10 bis unter 5,60 |
| Ökodesign-Mindestwert seit 2014 (unter 6 kW, Kältemittel mit GWP über 150) | 3,80 | 4,60 |
Quelle: Delegierte Verordnung (EU) Nr. 626/2011, Anhang II Tabelle 1; Verordnung (EU) Nr. 206/2012, Anhang I Tabelle 6. Stand: Oktober 2026.
Ein Label-Wert entsteht auf dem Prüfstand und in einer Normrechnung. Im Wohnhaus messen Fachleute stattdessen die Jahresarbeitszahl. Das Fraunhofer ISE hat vier Jahre lang 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern vermessen, Luft-Wasser-Geräte kamen im Mittel auf 3,4. Mit einem Label-SCOP lässt sich diese Zahl nicht eins zu eins vergleichen, weil Prüfstand und Keller unterschiedliche Bedingungen abbilden.
Warum Norwegen mit Luft-Luft-Wärmepumpen heizt
Norwegen deckt einen großen Teil seiner Raumwärme mit Strom, schreibt die Energiebehörde NVE in ihrem Energieverbrauchsbericht 2023. Andere Länder heizen stärker mit Bioenergie, Fernwärme oder fossilen Brennstoffen. Eine Wärmepumpe senkt nach NVE-Angaben den Bedarf an zugekaufter Energie wie Strom, weil sie Umweltwärme nutzt.
Laut NVE stieg der Absatz von Wärmepumpen von rund 80.000 im Jahr 2017 auf rund 125.000 im Jahr 2021. Im Jahr 2022 waren es mehr als 150.000. Bei den Haushalten dominiert die Luft-Luft-Wärmepumpe den Verkauf. Nach Berechnungen im selben Bericht liefern alle Wärmepumpen zusammen mehr als elf Terawattstunden Umweltwärme in Gebäude, rund sechs davon in Haushalte.
Die IEA wertet die hohen Anteile in Norwegen, Schweden und Finnland als Beleg dafür, dass Wärmepumpen auch in kalten Regionen funktionieren. In deutschen Wohngebäuden fließt die Wärme dagegen traditionell über Wasser. Das Umweltbundesamt nennt diese Tradition als wesentlichen Grund dafür, dass hierzulande noch selten eine Luft-Luft-Wärmepumpe als Heizsystem dient.
Wann der Bund die Luft-Luft-Wärmepumpe fördert
Nach der BEG-Richtlinie für Einzelmaßnahmen vom 17. Juli 2026 sind Wärmepumpen förderfähig, die über Luft heizen. Bis zwölf Kilowatt Heizleistung verlangt das Wirtschaftsministerium eine jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz von mindestens 181 Prozent. Das entspricht der Effizienzklasse A++ oder A+++, also einem SCOP ab 4,60. Wärmepumpen, die Raumluft als Wärmequelle nutzen, schließt die Richtlinie aus.
Welche Split-Geräte darunter fallen, erläutern BAFA und KfW in ihren technischen FAQ zur BEG in der Version vom Juni 2026. Danach zählt eine Luft-Luft-Wärmepumpe als Anlage zur Wärmeerzeugung, wenn sie ein Gebäude beheizt. Das gilt ausdrücklich auch für Split-Klimaanlagen mit Heizfunktion, die zu einem bestehenden Heizsystem hinzukommen. Das Außengerät muss in der Wärmepumpenliste des BAFA stehen, die konkrete Kombination mit den Innengeräten muss auf dem Energielabel A++ oder A+++ erreichen.
Das Ministerium knüpft den Zuschuss an weitere Bedingungen, Stand Oktober 2026. Die Luft-Luft-Wärmepumpe muss zu mehr als 50 Prozent der Wärmeerzeugung dienen, ein reines Kühlgerät fällt heraus. Die versorgten Flächen müssen nach dem Einbau zu mindestens 65 Prozent erneuerbar beheizt werden. Die Auslegung folgt einer raumweisen Heizlastberechnung nach DIN EN 12831.
Im Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), wie das Gebäudeenergiegesetz seit dem 29. Juli 2026 heißt, steht die elektrisch angetriebene Wärmepumpe in Paragraf 42 als eine von zehn Optionen für den Heizungstausch. Der Gesetzestext unterscheidet dabei nicht nach Wärmequelle oder Verteilung. Zusätzliche Pflichten stehen in den Paragrafen 43 bis 46, etwa Bioanteile für neue Gas- und Ölheizungen und Dämmvorgaben für Stromdirektheizungen.
Beim Namen genannt wird die Luft-Luft-Wärmepumpe im Gesetz nur in Paragraf 60a. Die Pflicht zur Betriebsprüfung für Wärmepumpen in Gebäuden ab sechs Wohnungen gilt für sie nicht, Stand Oktober 2026.
Welche Kältemittel in neuen Split-Geräten ab 2029 erlaubt sind
Die EU verschärft mit der F-Gase-Verordnung (EU) 2024/573 die Regeln für Split-Geräte in Stufen. Maßstab ist das Treibhauspotenzial (GWP), das angibt, wie stark ein Gas im Vergleich zu CO2 erwärmt. Seit dem 1. Januar 2025 dürfen Mono-Split-Geräte mit weniger als drei Kilogramm Füllung nicht mehr in Verkehr kommen, wenn ihr Kältemittel einen GWP von 750 oder mehr hat.
Ab dem 1. Januar 2029 sinkt die Grenze für Luft-Luft-Split-Geräte bis zwölf Kilowatt auf einen GWP von 150. Ausnahmen gelten nur, wenn Sicherheitsnormen am Standort ein anderes Kältemittel verlangen. Ab dem 1. Januar 2035 dürfen Split-Geräte dieser Größe gar keine fluorierten Gase mehr enthalten, wieder mit derselben Ausnahme.
Das Kältemittel R32 (Difluormethan) kommt laut Anhang I der Verordnung auf einen GWP von 675 und liegt damit über der Grenze von 2029. Propan (R290) liegt weit darunter. Die Verbote betreffen das Inverkehrbringen neuer Geräte, nicht den Betrieb installierter Anlagen. Bei der Förderung zieht der Bund die Grenze früher: Ab dem 1. Januar 2028 fördert er nur noch Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln wie Propan oder CO2.
Ganz ohne Kältemittel arbeitet die Festkörperkühlung. Sie bewegt Wärme über Effekte in festen Materialien statt über ein verdampfendes Gas (mehr dazu: Festkörperkühlung: Wie Kälte ohne Kältemittel entsteht).
Welche Vor- und Nachteile Eigentümer bei der Luft-Luft-Wärmepumpe abwägen
Der größte Vorteil liegt im Einbau. Eine Kältemittelleitung durch die Wand verbindet Außen- und Innengerät, in das bestehende Heizsystem muss der Installateur laut Umweltbundesamt grundsätzlich nicht eingreifen. Die IEA nennt für Kauf und Installation einer Luft-Luft-Wärmepumpe typischerweise 3.000 bis 6.000 US-Dollar, weltweit gerechnet und mit Stand 2022. Im Sommer kühlt dasselbe Gerät.
Die Betriebskosten einer Luft-Luft-Wärmepumpe hängen am Strompreis, der in Deutschland im internationalen Vergleich hoch liegt (mehr dazu: IEA: Deutschlands Strompreis bremst die Wärmepumpe). Mit einem dynamischen Stromtarif lässt sich das Heizen in günstige Stunden legen. An Hitzetagen fallen Kühlbedarf und Solarstrom zeitlich zusammen (mehr dazu: Kühlen an Hitzetagen: Wenn die Photovoltaik Klimaanlage bezahlt).
Trinkwasser erwärmt eine Luft-Luft-Wärmepumpe nicht. Dafür braucht das Haus eine eigene Lösung, etwa eine Warmwasser-Wärmepumpe oder einen elektrischen Durchlauferhitzer. Wärme kommt nur in Räumen an, in denen ein Innengerät hängt oder in die warme Luft durch offene Türen strömt. Anders als ein Heizkörper arbeitet das Innengerät mit einem Ventilator, dessen Luftstrom und Geräusch im Raum wahrnehmbar sind.
In Eigentümergemeinschaften braucht das Außengerät eine Gestattung. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 17. Juli 2026 können einzelne Eigentümer sie für ein Split-Gerät auf dem eigenen Balkon grundsätzlich verlangen. Voraussetzung ist, dass niemand über das Maß des geordneten Zusammenlebens hinaus beeinträchtigt wird (mehr dazu: Urteil zu Klimaanlage in der Eigentümergemeinschaft).
Gut passt die Luft-Luft-Wärmepumpe in Wohnungen und gut gedämmte Häuser mit offenem Grundriss, wo wenige Innengeräte viel Fläche erreichen. In der Übergangszeit entlastet sie einen vorhandenen Kessel, der dann vor allem an kalten Tagen und für Warmwasser anspringt. Auch Anbauten, ausgebaute Dachgeschosse und bisher unbeheizte Räume lassen sich ohne neue Heizkörper erschließen.
Je mehr kleine, abgeschlossene Zimmer ein Haus hat, desto mehr Innengeräte braucht es. Im verwinkelten, wenig gedämmten Altbau mit zentralem Warmwasserspeicher bleibt deshalb die Luft-Wasser-Wärmepumpe die naheliegende Wahl. Sie versorgt Heizkörper und Trinkwasser aus einer Anlage (mehr dazu: Wärmepumpe Vorteile und Nachteile).
QUELLEN
- Amtsblatt der Europäischen Union: Verordnung (EU) 2024/573 über fluorierte Treibhausgase, 20.02.2024.
- Amtsblatt der Europäischen Union: Delegierte Verordnung (EU) Nr. 626/2011 zur Energieverbrauchskennzeichnung von Luftkonditionierern, 06.07.2011.
- Amtsblatt der Europäischen Union: Verordnung (EU) Nr. 206/2012 zu Ökodesign-Anforderungen an Raumklimageräte und Komfortventilatoren, 10.03.2012.
- NVE: Energibruksrapporten 2023, 2023.
- BMWE, KfW und BAFA: Antworten auf häufig gestellte Fragen zur BEG, 17.03.2026.
- Bundesgerichtshof: Pressemitteilung zum Anspruch eines Wohnungseigentümers auf Einbau eines Klima-Splitgeräts (V ZR 162/25), 17.07.2026.