HEIZEN MIT GAS WIRD TEURER · 14. OKTOBER 2026
Sefe StorageGaskunden zahlen ab Oktober 2027 eine neue Gasumlage
Das Bundeswirtschaftsministerium will die geplante nationale Gasreserve über eine Umlage auf jede Kilowattstunde Erdgas finanzieren. Haushalte mit Gasheizung kostet das laut Gesetzentwurf 3,77 bis 7,20 Euro im Jahr, den größten Teil trägt die Industrie.
Der Referentenentwurf aus dem Haus von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) trägt den Stand 12. Oktober und ist in die Ressortabstimmung gegangen. Er sieht eine Gasreserve von 24 Terawattstunden vor, knapp ein Zehntel der deutschen Speicherkapazität. Einsetzen dürfe das Gas nur die Bundesnetzagentur, und zwar erst nach Ausrufung der Notfallstufe. Die neue Gasumlage soll erstmals ab dem 1. Oktober 2027 erhoben werden.
Die Reserve diene der „Krisenvorsorge für Extremfälle, Sabotage und seltene Großereignisse“, heißt es im Entwurf. Als Maßstab nennt das Ministerium den Ausfall der größten deutschen Importinfrastruktur für 30 Tage. Dieselbe Menge decke auch 20 Tage ohne norwegische Pipelinelieferungen oder 40 Tage ohne die deutschen LNG-Terminals ab. Wie der Krisenvorrat funktioniert und ob er neue Speicher braucht, erklärt der Beitrag Wie die Gasreserve funktioniert.
Was die neue Gasumlage Haushalte und Industrie kostet
Das Ministerium schätzt die Kosten der Reserve in den ersten zehn Jahren auf 247 bis 308 Millionen Euro jährlich, gerechnet mit aktuellen Preisen am Terminmarkt. Bei einem Gasverbrauch wie 2025 von rund 864 Terawattstunden ergibt das eine Umlage von 0,03 bis 0,04 Cent je Kilowattstunde. Ein Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch zahlt damit 5,80 bis 7,20 Euro im Jahr, eine Wohnung im Mehrfamilienhaus mit 13.000 Kilowattstunden ab 3,77 Euro. Die Gasbezugskosten steigen laut Begründung um 0,3 bis 0,4 Prozent.
Rund 40 Prozent der Kosten tragen nach der Schätzung Haushalte und Gewerbe, rund 60 Prozent die Industrie. Gewerbekunden zahlen für Erdgas derzeit etwa neun Cent je Kilowattstunde, wie WELT aus dem Entwurf berichtet. Die genaue Höhe stehe noch nicht fest, heißt es in der Begründung. Sie hänge vom Gaseinkauf, den Entgelten für die Speicher, den Netzentgelten sowie von Finanzierungs-, Personal- und Sachkosten ab.
Die Höhe der Umlage legt der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) fest. THE soll Kosten und Erlöse der Reserve jeweils zehn Jahre im Voraus kalkulieren. Daraus ergibt sich die Umlage, die THE monatlich den Gasversorgern und diese ihren Kund*innen in Rechnung stellen. Jedes Jahr zum 1. Oktober kann THE den Satz anpassen. Verkauft der Bund günstig eingespeichertes Gas später teurer, sieht der Entwurf eine Ausschüttung an die Gaskund*innen vor.
Die Koalition hatte die alte Gasspeicherumlage abgeschafft
Eine ähnliche Abgabe gab es bis vor einem Jahr schon. Die Ampelkoalition hatte die Gasspeicherumlage 2022 eingeführt, um die staatliche Befüllung der Speicher nach dem Lieferstopp aus Russland zu bezahlen. Die Regierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) schaffte sie als eine ihrer ersten Maßnahmen ab, zuletzt lag sie bei 0,289 Cent je Kilowattstunde. Ein durchschnittliches Einfamilienhaus sparte dadurch nach Ministeriumsangaben 58 Euro im Jahr.
Der neue Satz erreicht etwa ein Zehntel bis ein Siebtel des alten. Reiche hatte im Sommer neben einer Umlage auch eine Finanzierung aus dem Bundeshaushalt oder ein Mischmodell ins Spiel gebracht. Ihr Haus greift nun trotz früherer Kritik aus den Koalitionsfraktionen von Union und SPD den Umlageweg auf, berichtet t-online.
Die Gasreserve ersetzt die gesetzlichen Füllstandsvorgaben für Gasspeicher, die am 31. März 2027 auslaufen. Ein Gutachten im Auftrag des Ministeriums war zu dem Ergebnis gekommen, dass die Vorgaben eine effiziente, rein marktliche Wintervorsorge eher behindern. In diesem Jahr lohnte sich das Einspeichern für Händler kaum. Die Speicher stehen bei rund 60 Prozent (mehr dazu: Ab wann der Gasspeicher-Füllstand im Winter kritisch wird). Ende September wies Reiche das bundeseigene Unternehmen Sefe an, zusätzlich acht Terawattstunden einzuspeichern.
Grüne tragen die Umlage mit und fordern mehr Elektrifizierung
„Die Umlagefinanzierung ist richtig“, sagt Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. Für diesen Winter komme die Reserve aber zu spät. Die Füllstandsvorgaben solle die Regierung durch eine Einspeicherverpflichtung ersetzen, statt sie ersatzlos zu streichen, fordert Kellner gegenüber WELT. Aus der Gasbranche kam zuletzt die Forderung nach einer Absicherungspflicht für Gashändler.
Die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Julia Verlinden sieht die Gaskund*innen im eigenen Geldbeutel getroffen. Hätte die Ministerin den Ausbau der Erneuerbaren und die Elektrifizierung von Heizen und Autofahren konsequent fortgesetzt, „müsste Deutschland jetzt weniger teures Gas einspeichern“, sagt Verlinden.
Die neue Gasumlage fällt nur an, wo Gas fließt. Haushalte, die mit einer Wärmepumpe heizen, zahlen sie nicht, und jede ersetzte Gasheizung senkt den Bedarf, den Speicher und Reserve im Krisenfall decken müssen. Zwischen 2021 und 2025 sank der Gasverbrauch in der EU nach Berechnung des Instituts IEEFA um 17,7 Prozent (mehr dazu: Gaskrise). Was Wärmepumpe und E-Lkw gegen Importkrisen leisten, zeigt die Analyse Elektrifizierung als Bollwerk. Welche weiteren Kosten auf neue Gasheizungen zukommen, steht im Beitrag zur Kostenfalle Gasheizung.
QUELLEN
- dpa: Wirtschaftsministerium will Gasreserve über Umlage finanzieren, 13. Oktober 2026.