FIRMEN-NEWS · WASSERSTOFF · 30. OKTOBER 2026
OMVSiemens Energy installiert Elektrolyseure für grünen Wasserstoff
Siemens Energy hat die ersten Module für OMVs 140-Megawatt-Anlage bei Bruck an der Leitha geliefert. Im Vollbetrieb will OMV dort bis zu 23.000 Tonnen grünen Wasserstoff im Jahr erzeugen.
Siemens Energy baut für OMV in Niederösterreich die Elektrolyseure für grünen Wasserstoff auf. Der deutsche Energietechnik-Konzern führt das Konsortium, das die Anlage plant und technisch verantwortet. Mit der Ankunft der ersten Komponenten beginne der Einbau der Kerntechnik, teilt OMV mit. Über eine 22 Kilometer lange Pipeline gelangt der Wasserstoff in die OMV-Raffinerie Schwechat. Dort soll er ein Drittel des grauen Wasserstoffs ersetzen, den OMV bisher aus Erdgas erzeugt.
Ende Oktober lud OMV zum Baustellenbesuch nach Bruck an der Leitha. In einer fensterlosen Betonhalle steht dort der erste von insgesamt acht Elektrolyseuren, berichtet Der Standard. Eröffnet hat den Termin Emma Delaney, die OMV erst seit wenigen Wochen führt.
Im Konsortium bündelt Siemens Energy Planung, Beschaffung und Bau, im Anlagenbau kurz EPC genannt. Der Konzern übernimmt die gesamte technische Planung und liefert Elektrolyse-Stacks, Transformatoren, Gleichrichter und Verdichter. Erdarbeiten und Gebäude baut Strabag. In den Stacks steckt PEM-Elektrolyse: Strom zerlegt Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff, eine Protonenaustauschmembran trennt die beiden Gase.
Was macht Siemens Energy? → Siemens Energy im Überblick
Neben Elektrolyseuren baut Siemens Energy Netztechnik, Gasturbinen und über die Tochter Siemens Gamesa Windkraftanlagen. Im Elektrolysegeschäft bekommen europäische Hersteller wie Siemens Energy und Sunfire Konkurrenz aus China (mehr dazu: Geht es Sunfire und Siemens Energy jetzt an den Kragen?).
OMV betreibt in Österreich bereits einen Elektrolyseur mit zehn Megawatt, die neue Anlage ist mit 140 Megawatt 14-mal so groß. OMV erwartet, dass sie zu den fünf größten Elektrolyseanlagen Europas zählen werde. Den Strom sollen Wind-, Solar- und Wasserkraftwerke liefern. Die CO2-Einsparung beziffert OMV auf 150.000 Tonnen pro Jahr. Das seien rund zehn Prozent der direkten Produktionsemissionen der Raffinerie Schwechat.
Wie schnell die Anlagen wachsen, zeigt der Vergleich mit Norwegen. Im Juni 2024 weihte Yara im Industriepark Herøya einen PEM-Elektrolyseur mit 24 Megawatt ein, damals der größte Europas. Die Anlage in Bruck an der Leitha kommt auf fast die sechsfache Leistung, mit Technik aus Deutschland.
Billig ist der Umstieg nicht: Grüner Wasserstoff kostet derzeit mehr als doppelt so viel wie Wasserstoff aus Erdgas. Österreichs Industrie braucht rund 120.000 Tonnen Wasserstoff im Jahr, fast vollständig aus fossilen Quellen. Die bis zu 23.000 Tonnen aus Bruck an der Leitha entsprächen knapp einem Fünftel davon.
Die Europäische Investitionsbank (EIB) beziffert die Kosten auf 612 Millionen Euro. Sie leiht OMV davon 450 Millionen Euro, den Rest trägt der Konzern aus Eigenmitteln. Österreichs Regierung schießt 123 Millionen Euro zu und zahlt sie über mehrere Jahre aus, anteilig für jedes produzierte Kilogramm grünen Wasserstoff.
Im September zog sich die staatliche Erneuerbaren-Gesellschaft Masdar aus Abu Dhabi überraschend aus Gemeinschaftsunternehmen und Finanzierung zurück. Seither baut OMV allein und erklärt, das Projekt sei zu keiner Zeit gefährdet gewesen. Umfang und Zeitplan blieben unverändert.
„Der Bedarf an grünem Wasserstoff wird steigen”, sagt Martijn van Koten, Executive Vice President Fuels bei OMV, dem Standard. Wachstumschancen sehe er bei synthetischen Flugkraftstoffen und in der Chemie. Die EU verlangt im Kerosin einen wachsenden Anteil nachhaltiger Flugkraftstoffe: derzeit zwei Prozent, bis 2030 sechs Prozent, bis 2050 dann 70 Prozent.
OMV beliefert 18 Flughäfen in Europa mit Kerosin, darunter Wien und München. Im Juli drosselte der Konzern die Dieselproduktion zugunsten von Kerosin. Bis 2050 will OMV klimaneutral sein und sich vom Öl- und Gaskonzern zum Kraftstoff- und Chemiekonzern wandeln.
Österreichs Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) stellt bei der nächsten Auktion der Europäischen Wasserstoffbank 200 Millionen Euro für heimische Projekte bereit. Für ein Wasserstoffnetz plant sein Ministerium bis 2031 weitere 43,5 Millionen Euro ein. Deutschland fördert Wasserstoff in der Industrie über eigene Klimaschutzverträge.
Die Inbetriebnahme plant OMV im Lauf des Jahres 2027. Bis dahin müssen in Bruck an der Leitha die übrigen sieben Elektrolyseure für grünen Wasserstoff folgen.
140 MW
ELEKTROLYSELEISTUNG
Acht Elektrolyseure, 14-mal so groß wie OMVs bisherige Anlage
23.000 t
GRÜNER WASSERSTOFF PRO JAHR
Im Vollbetrieb, knapp ein Fünftel des Bedarfs der österreichischen Industrie
150.000 t
CO2-EINSPARUNG PRO JAHR
Laut OMV rund zehn Prozent der direkten Emissionen der Raffinerie Schwechat