WÄRMEPUMPE · 10. JUNI 2026
BWP / VaillantWärmepumpe im Neubau: Drei Viertel der neuen Wohngebäude heizen elektrisch
73,6 Prozent der 2025 fertiggestellten Wohngebäude nutzen eine Wärmepumpe als Hauptheizung, meldet das Statistische Bundesamt. Bei den Genehmigungen liegt der Anteil bereits bei 83 Prozent, Gas fällt auf 2,2 Prozent.
Knapp drei Viertel der rund 58.900 im Jahr 2025 fertiggestellten Wohngebäude in Deutschland heizen hauptsächlich mit einer Wärmepumpe. Das teilt das Statistische Bundesamt heute mit. Binnen zehn Jahren hat sich der Anteil von 31,4 Prozent (2015) auf 73,6 Prozent mehr als verdoppelt, allein gegenüber 2024 legte er um gut vier Punkte zu. Expertinnen wie Kerstin Stratmann sagen das seit längerer Zeit voraus.
Noch deutlicher fällt der Blick nach vorn aus: Von den 62.100 im vergangenen Jahr genehmigten Wohngebäuden sollen 83 Prozent hauptsächlich mit Wärmepumpen im Neubau heizen, Erdgas kommt nur noch auf 2,2 Prozent. Baugenehmigungen sind der Frühindikator des Wohnungsbaus, denn was heute genehmigt wird, steht in zwei bis drei Jahren. Der Neubau hat seine Heizungsfrage damit faktisch entschieden.
Wärmepumpe im Neubau: Gasheizung verschwindet, Öl ist Geschichte
Wie schnell der Wandel läuft, zeigt der Vergleich der Fertigstellungen: 2015 wurde noch mehr als die Hälfte der neuen Wohngebäude (51,5 Prozent) primär mit Erdgas beheizt, 2024 waren es 15 Prozent, 2025 nur noch 10,5 Prozent. Ölheizungen wurden im vergangenen Jahr in exakt 190 Neubauten verbaut, ein Anteil von 0,3 Prozent. Drittwichtigste Wärmequelle im Neubau ist inzwischen die Fernwärme mit 8,3 Prozent.

Bei Ein- und Zweifamilienhäusern ist die Wärmepumpe mit rund 78 Prozent längst Standard. Im Geschosswohnungsbau mit drei oder mehr Wohnungen liegt ihr Anteil bei 52,7 Prozent, hier konkurriert vor allem die Fernwärme um die Wärmeversorgung. Rechnet man alle erneuerbaren Wärmequellen zusammen, also auch Holz, Solarthermie und Biomethan, heizen 78,2 Prozent der Neubauten hauptsächlich erneuerbar, 2015 lag dieser Wert bei 38 Prozent.
Der Markt hat entschieden, nicht das Gesetz
Bemerkenswert ist das Tempo vor dem politischen Hintergrund: Schwarz-Rot hat das „Wärmegesetz“ im Mai deutlich gelockert und den Einbau von Gas- und Ölheizungen wieder erleichtert. Auf die Neubauzahlen hat das erkennbar keinen Einfluss, denn dort fällt die Entscheidung ökonomisch. Eine Gasheizung bedeutet dauerhafte Brennstoffkosten plus steigende CO₂-Bepreisung, die Wärmepumpe statt Gasheizung macht das Haus dagegen zum Teil des eigenen Energiesystems.
Wer neu baut, kombiniert die Wärmepumpe in aller Regel mit Photovoltaik, oft mit Batteriespeicher und zunehmend mit einem Smart Meter samt dynamischem Stromtarif. Die Heizung wird damit vom Kostenblock zum steuerbaren Verbraucher, der günstige Strompreisphasen nutzt. Genau diese Logik treibt die Genehmigungszahlen, nicht eine gesetzliche Pflicht.
Die eigentliche Baustelle ist der Bestand
So eindeutig der Neubau elektrifiziert, so groß bleibt die Lücke im Gebäudebestand: Nach den Ergebnissen des Zensus 2022 heizen 53,9 Prozent der bestehenden Gebäude mit Wohnraum mit Erdgas und 24,7 Prozent mit Heizöl, erneuerbare Quellen kommen auf gut zehn Prozent. Rund 59.000 Neubauten pro Jahr ändern an einem Bestand von Millionen Gebäuden nur wenig. Die Wärmewende entscheidet sich deshalb nicht auf der grünen Wiese, sondern im Heizungskeller der Bestandsgebäude.
Genau dort setzt das heftig kritisierte Gebäudemodernisierungsgesetz (das sind die Eckpunkte) an, das morgen in Berlin zur 1. Lesung im Deutschen Bundestag auf der Tagesordnung steht. Die Destatis-Zahlen liefern der Debatte eine klare Botschaft: Wo Eigentümer frei entscheiden und rechnen können, gewinnt die Wärmepumpe von selbst. Die offene Frage ist, ob die Politik diese Rechnung auch für die 20 Millionen Bestandsgebäude aufgehen lässt.
QUELLEN
- Statistisches Bundesamt Pressemitteilung N038 vom 10. Juni 2026: Rund drei Viertel der im Jahr 2025 errichteten Wohngebäude heizen mit Wärmepumpen
- ZEIT Online / dpa Knapp drei Viertel neuer Wohngebäude werden mit Wärmepumpen beheizt