Offshore-Plattformen: 50Hertz vergibt Milliardenauftrag nach Rostock

NETZAUSBAU · 17. JUNI 2026

Offshore-Plattformen aus Rostock: 50Hertz vergibt Milliardenauftrag nach Mecklenburg-Vorpommern

Zum ersten Mal entstehen Offshore-Konverterplattformen des 2-Gigawatt-Standards überwiegend in Deutschland. Ein Konsortium aus Siemens Energy und Neptun Smulders Offshore Renewables fertigt wesentliche Komponenten in Rostock-Warnemünde.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. Lesezeit LESEN


Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat ein Konsortium aus Siemens Energy und Neptun Smulders Offshore Renewables (NSORe) mit der Errichtung eines Konvertersystems für das Offshore-Netzanbindungsprojekt North Sea Connector 2 beauftragt. Erstmals sollen die Offshore-Plattformen des neuen 2-GW-Standards überwiegend in Deutschland gebaut werden. Das System besteht aus einer Plattform auf dem Meer und einer Station an Land.

Für eine zweite Plattform gleicher Dimension hat 50Hertz Verhandlungen mit NSORe aufgenommen. Auch dafür sollen wesentliche Komponenten in Rostock-Warnemünde gefertigt werden. Kommen beide Aufträge zustande, summieren sie sich für NSORe auf ein Volumen von rund 2,5 Milliarden Euro, überwiegend für Produktion und Dienstleistungen in Mecklenburg-Vorpommern.

Offshore-Plattformen: Was das Konsortium in Rostock baut

Das Konsortium übernimmt die schlüsselfertige Umsetzung der beiden Offshore-Plattformen: Planung des Gesamtsystems, Beschaffung der Komponenten, Bau, Installation an Land und auf See sowie Inbetriebnahme. Siemens Energy verantwortet die Hochspannungstechnik, darunter Transformatoren, Schaltanlagen und die Konverter zur Umwandlung von Wechsel- in Gleichstrom.

NSORe ist ein paritätisches Joint Venture der zur Meyer Werft Gruppe gehörenden Neptun Werft und des belgischen Konstruktionsunternehmens Smulders, einer Tochter der Group Eiffage mit Sitz in Rostock. Die Neptun Werft fertigt die Topside, das Hauptgebäude der Plattform, in dem Transformatoren, Schaltanlagen und Konverter untergebracht sind. Der Großteil von Konstruktion und Fertigung erfolgt in Rostock. Die stählerne Unterkonstruktion, die sogenannte Jacket-Foundation, baut Smulders auf der eigenen Werft im niederländischen Vlissingen.

Die Offshore-Konverter sollen rund 200 Kilometer westlich von Sylt in der Nordsee installiert werden, die landseitigen Anlagen in einem neuen Umspannwerk bei der Gemeinde Mühlenbeck nahe Schwerin. Dort endet künftig die Gleichstromverbindung NordOstLink zwischen Nordseeküste und Mecklenburg-Vorpommern. Die Inbetriebnahme des North Sea Connector 2 ist bis Ende 2034 vorgesehen.

Heimische Werften im Offshore-Plattformbau

Durch die Aufträge können laut 50Hertz langfristig mehr als 500 neue Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern entstehen, bei den beteiligten Unternehmen und Zulieferern. Weltweit gibt es bislang nur wenige Anbieter, die 2-GW-Offshore-Konverterplattformen bauen können. Mit dem Auftrag steigt erstmals ein Konsortium mit deutscher Werftbeteiligung in diesen Markt ein.

50Hertz-CEO Stefan Kapferer sieht darin einen Beleg für die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie. „Heimische Werften können wettbewerbsfähige Angebote abgeben", erklärte er. Das Ausschreibungsverfahren sei transparent und offen gewesen, ein Konsortium habe sich preislich wie technisch durchgesetzt, das wesentliche Komponenten im eigenen Netzgebiet fertigen lasse.

Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche nannte den Auftrag „ein starkes und ermutigendes Signal für Deutschland". Vor dem Hintergrund veränderter geopolitischer Lage und zunehmender Handelskonflikte verwies sie auf die Bedeutung resilienter Lieferketten und technologischer Souveränität. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sprach von einer hervorragenden Nachricht für den Werften- und Industriestandort ihres Landes.

Teil des NordOstLink

Der North Sea Connector 2 umfasst die Offshore-Netzanbindung LanWin6 und die Gleichstromverbindung DC32, beide Teil des NordOstLink. Parallel ist die Fortsetzung eines zweiten Projekts an den Standorten Rostock-Warnemünde und Vlissingen geplant: der North Sea Connector 1, bestehend aus der Anbindung LanWin3 und der Verbindung DC31. Dessen landseitige Konverteranlage entsteht ebenfalls am neuen Netzverknüpfungspunkt Mühlenbeck. 50Hertz hatte Siemens Energy bereits 2024 mit der Lieferung der Hochspannungstechnik für dieses Projekt beauftragt.

Für Cleanthinking-Leser ist der Auftrag aus zwei Gründen relevant: Er stärkt den Netzausbau als Rückgrat der Offshore-Windenergie und verlagert industrielle Wertschöpfung zurück nach Deutschland. Beides adressiert einen wunden Punkt der Energiewende, denn ohne Konverterplattformen und Gleichstromtrassen erreicht der Windstrom aus der Nordsee die Verbrauchszentren nicht.

QUELLEN

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  1. Pressemitteilung 50Hertz Transmission, 17. Juni 2026
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