RWE hält Kurs: Braunkohle-Aus 2030, Gaskraftwerke ab 2029

ENERGIEWENDE · 13. AUGUST 2026

Braunkohleausstieg im Rheinischen Revier: RWE bleibt beim 31. März 2030

Zwei Tage vor der gesetzlichen Frist zur Kraftwerksreserve stellt RWE-Chef Markus Krebber klar: Der Konzern plant weiter mit dem Ende der Braunkohleverstromung 2030. Und die ersten neuen Gaskraftwerke könnten früher stehen als gedacht.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 5 Min. Lesezeit LESEN


Der Essener Energiekonzern RWE blickt nach vorne, nicht zurück. Vorstandschef Markus Krebber machte am Donnerstag bei der Halbjahrespressekonferenz auf Nachfrage deutlich, dass sein Konzern am vereinbarten Ausstieg aus den letzten drei Braunkohleblöcken und dem letzten verbliebenen Tagebau festhält.

„Wir haben einen klaren Vertrag“, sagte Krebber. Die Bundesregierung habe sich gegenüber RWE bislang nicht geäußert, insofern halte man an den eigenen Plänen fest. Vertraglich und gesetzlich fixiert ist der 31. März 2030.

Seit gut einer Woche läuft eine Debatte über die Versorgungssicherheit im Rheinischen Revier, die größer klingt als ihr Gegenstand. Zur Entscheidung steht nicht der Ausstieg, sondern die Frage, ob Niederaußem K sowie Neurath F und G nach ihrem Marktende in eine Reserve des Bundes überführt werden. Rund drei Gigawatt, längstens bis Ende 2033.

Braunkohleausstieg NRW: Warum das Reiche-Ministerium wartet

Diese Entscheidungsvariante ist im Kohleverstromungsbeendigungsgesetz vorbereitet. Sie setzt allerdings einen Überprüfungsbericht der Bundesregierung voraus, und der liegt nicht vor. Die gesetzliche Frist am 15. August wird Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche damit verstreichen lassen.

Ihr Haus begründet das mit den Ausschreibungen nach dem neuen Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz. Erst wenn feststeht, wie viel neue gesicherte Leistung tatsächlich gebaut wird, lässt sich beurteilen, ob eine Kohlereserve gebraucht wird. Der Gebotstermin der ersten Runde liegt im September, die zweite folgt im Dezember.

Damit kann sich die Klärung bis ins Frühjahr 2027 ziehen und in den Wahlkampf zur NRW-Landtagswahl am 25. April 2027 hineinreichen. Für die an der Landesregierung beteiligten Grünen wäre ein Reservebetrieb ein Rückschlag. Doch RWE sendet Signale, dass es dazu nicht kommen muss.

Krebbers Zeitplan für die Gaskraftwerke

Der Konzern bewirbt sich um Zuschläge für neue, wasserstofffähige Gaskraftwerke. „Wir gehen davon aus, dass wir einzelne Anlagen früher fertig haben“, sagte Krebber. Erste Kraftwerke könnten demnach 2029 bereitstehen, weitere 2030.

Das ist die eigentliche Nachricht dieses Tages. Bisher galt in der Debatte als ausgemacht, dass der Ersatz zu spät kommt und die Kohleblöcke deshalb länger laufen müssen. Kommen die ersten Anlagen schon 2029 ans Netz, kippt diese Rechnung.

Wo die Kraftwerke stehen sollen, wollte Krebber wegen des laufenden Bieterwettbewerbs nicht sagen. RWE plant nach eigenen Angaben drei Anlagen mit zusammen rund drei Gigawatt an eigenen Standorten in Nordrhein-Westfalen. Das entspricht ziemlich genau der Leistung, die 2030 vom Netz geht.

Bis dahin bleibt für den Konzern vor allem eines lästig: die Unklarheit. Betriebs- und Wartungspläne, Investitionen in die Anlagen, die Tagebauführung und die Frage, wie lange die Belegschaft an Bord bleibt, hängen alle an der Reserveentscheidung. Krebber verlangt deshalb zügige Klarheit, nicht mehr Zeit.

Ein Konzern, der längst woanders investiert

Wie weit RWE die Braunkohle hinter sich gelassen hat, zeigt der Halbjahresbericht. Die Stromproduktion des Konzerns stammt inzwischen zu 47 Prozent aus erneuerbaren Quellen, 27 Prozent kommen aus Erdgas, 26 Prozent aus Kohle. Das letzte deutsche Steinkohlekraftwerk hat RWE vor Jahren stillgelegt.

Auch die Investitionsplanung zeigt in eine andere Richtung. Bis 2031 will RWE netto 35 Milliarden Euro ausgeben, davon 6,5 Milliarden Euro in Netze. Allein für dieses Jahr wurde das Budget nach der Mehrheitsübernahme am Übertragungsnetzbetreiber Amprion von sechs bis acht auf neun bis elf Milliarden Euro angehoben.

Im Tagebau Hambach entstehen nach dem Braunkohleausstieg derweil ein weiterer Solarpark und ein neuer Batteriespeicher. Ab Ende 2026 liefern dort 25.300 Module Strom für rechnerisch 5.000 Haushalte, der Speicher kommt auf 80 Megawattstunden Kapazität und soll das Netz stabilisieren.

Drei Solaranlagen und einen Batteriespeicher betreibt RWE dort gemeinsam mit der interkommunalen Gesellschaft Neuland Hambach bereits. Genau diese Kombination aus Photovoltaik und Speicher übernimmt weltweit gerade Aufgaben, die früher thermischen Kraftwerken vorbehalten waren, wie der Blick auf das Dauersolar-Zeitalter zeigt.

Dass der Konzern seine Mittel dorthin lenkt, wo sie sich rechnen, hat er zuletzt auch schmerzhaft demonstriert: Für 1,22 Milliarden Dollar gab RWE seine Offshore-Flächen in den USA zurück. Kapital folgt bei RWE der Rendite, nicht der Ideologie. Für die Braunkohle spricht in dieser Rechnung nichts mehr.

Am Ende geht es im Rheinischen Revier um rund 50 Millionen Tonnen Braunkohle, die RWE für den Reservefall in der Planung des Tagebaus Garzweiler vorgehalten hat. Werden die Blöcke 2030 abgeschaltet, bleibt diese Menge im Boden. Wird die Reserve gezogen, kann sie verfeuert werden. Angesichts der Klimakrise ist das keine Formalie, sondern die eigentliche Frage hinter dem Verfahren.

Beantwortet wird sie nicht mehr vor dem 15. August, sondern nach den Zuschlägen für die neuen Kraftwerke. Der Betreiber selbst hat seine Antwort längst gegeben.

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