El Niño: Kenias Regenzeit wird zum Test für die Vorhersage

WISSENSCHAFT · 26. AUGUST 2026

El Niño: Kenia erwartet Rekord-Regenzeit in allen 47 Bezirken

Kenias Wetterdienst erwartet für alle 47 Bezirke überdurchschnittlichen Regen in der Regenzeit von Oktober bis Dezember. Grund ist ein sich verstärkendes El-Niño-Ereignis im Pazifik, das ganz Ostafrika betrifft.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 3 MIN LESEN


Der Kenya Meteorological Service hat am Mittwoch, 26. August 2026, seinen Ausblick für die kommende Regenzeit veröffentlicht. Kernaussage: überdurchschnittlicher Regen in allen 47 Bezirken, mit besonders hoher Intensität in Zentralkenia, dem Rift Valley, dem Viktoriasee-Becken und Westkenia. Nach den jüngsten Daten, so der Wetterdienst, verstärke sich das El-Niño-Ereignis 2026 weiter im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik.

Der Regen setzt gestaffelt ein. In Westkenia, etwa in Kakamega, Bungoma und der Region um Kisumu, beginnt er bereits Ende September. Zentralkenia und die Küste, darunter Nairobi, Mombasa und Kiambu, folgen in der zweiten und dritten Oktoberwoche. Der Südosten rund um Machakos, Kitui und Kajiado kommt erst Ende Oktober an die Reihe, weitere rund 15 Bezirke je Phase folgen demselben Muster. Zusätzlich zum Regen wird es wärmer als üblich, am stärksten an der Küste und im trockenen Norden, weil sich die innertropische Konvergenzzone weiter nach Süden verschiebt.

ICPAC sieht 90 Prozent Risiko für Überschwemmungen

Das Klimazentrum der ostafrikanischen Staatengemeinschaft IGAD, ICPAC, hatte bereits am 19. August eine regionale Einordnung vorgelegt. Für Nordostkenia, Zentral- und Südsomalia sowie Südäthiopien liegt die Wahrscheinlichkeit für überdurchschnittlichen Regen laut ICPAC bei 90 Prozent, in Teilen könnten mehr als 400 Millimeter Niederschlag in der Saison fallen. Vorgestellt wurde der Ausblick beim Greater Horn of Africa Climate Outlook Forum, einem zweitägigen Treffen der regionalen Wetterdienste am 17. und 18. August in Kigali.

Als zweiter Treiber wirkt ein positiver Indischer-Ozean-Dipol, der zusätzliche Feuchtigkeit nach Ostafrika bringt. Wie das Zusammenspiel aus El Niño und Indischem-Ozean-Dipol funktioniert, erklärt Cleanthinking im Grundlagenartikel zu ENSO. ICPAC vergleicht die aktuelle Lage mit den Jahren 1997 und 2023, beides Regenzeiten, die in Teilen Ostafrikas wochenlange Überschwemmungen und zerstörte Ernten nach sich zogen.

Die Oktober-bis-Dezember-Regenzeit liefert in Teilen Äthiopiens, Kenias und Somalias bis zu 70 Prozent des Jahresniederschlags, in Ruanda, Burundi, Tansania und Uganda bis zu 40 Prozent. Mehr Regen ist dabei nicht nur Risiko: ICPAC verweist ausdrücklich auf bessere Weiden und mehr Wasser für die Viehhaltung, solange der Regen nicht zum Überschuss kippt. Die Region reagiert zudem uneinheitlich auf dasselbe El-Niño-Ereignis, für die Sudan-Zone im Westen sagt ICPAC mit 45 Prozent Wahrscheinlichkeit eher weniger Regen voraus.

Hilfsorganisationen handeln vor den ersten Fluten

Die eigentliche Nachricht liegt nicht in der Überschwemmungsgefahr, sondern darin, wie früh sie berechenbar ist. Monate vor Beginn der Regenzeit lässt sich mit 90 Prozent Wahrscheinlichkeit benennen, wo es zu viel regnen wird, und humanitäre Organisationen richten ihre Hilfe bereits danach aus. Diese vorausschauende Hilfe, im Englischen Anticipatory Action, koppelt vorher festgelegte Auslöseschwellen an Mittelfreigaben, sodass Personal und Hilfsgüter schon vor der Flut vor Ort sind. Die Weltwetterorganisation WMO verweist in ihrer Meldung ausdrücklich auf ihren Koordinationsmechanismus für Hilfsorganisationen, der die Prognosen in konkrete Vorab-Hilfe übersetzt.

Der Dänische Flüchtlingsrat beziffert die Zahl der besonders exponierten Menschen entlang der Flusskorridore von Juba und Shabelle in Somalia auf rund 2,3 Millionen. Der Frühwarndienst FEWS NET hält ein Hungersnot-Risiko im Süden Somalias für möglich, sollten die Fluten das Ausmaß von 1997 oder 2023 erreichen. Verlässliche Vorhersagen ersetzen keine Nothilfe, sie verschaffen ihr aber einen zeitlichen Vorsprung, den es in früheren El-Niño-Jahren nicht gab. Ein ähnliches Doppel aus El Niño und Indischem-Ozean-Dipol beeinflusst in diesem Jahr auch den Monsun und die Ernte in Indien.

Die WMO veröffentlicht ihr nächstes El-Niño-Update am 3. September 2026.

QUELLEN

372de4330ed6494286124b7f96d1b934
  1. WMO: El Niño impacts Greater Horn of Africa, 19.08.2026.
  2. ICPAC: Technical Statement from the 74th Greater Horn of Africa Climate Outlook Forum (GHACOF74), 18.08.2026.
  3. ICPAC/FSNWG: FSNWG Special Report on El Niño, August 2026.
  4. Kenya Meteorological Service: Ausblick für die Regenzeit Oktober bis Dezember 2026, veröffentlicht am 26.08.2026, berichtet von Kenyans.co.ke.
  5. Danish Refugee Council: El Niño through a displacement lens, 2026.
  6. Al Jazeera: Record El Niño threatens to unleash floods across East Africa and Asia, 14.07.2026.
0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet
Nach oben scrollen
0
Ihre Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x