Klimakrise: Kein Monat war jemals heißer als der August 2026

ERDERHITZUNG · 10. SEPTEMBER 2026

Hitzesommer 2026: Kein Monat war jemals heißer als dieser August

Die Klimakrise hat einen neuen Höchststand erreicht: Kein Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war so heiß wie der August 2026. Die Ozeane waren so warm wie nie, Westeuropa erlebte seinen heißesten Sommer, in Deutschland starben rund 16.300 Menschen an der Hitze. Der El Niño hat dabei noch nicht einmal richtig begonnen. Die Bundesregierung schwächt derweil den Klimaschutz ab.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 6 Min. Lesezeit LESEN


Seit 1940 zeichnet der europäische Klimadienst Copernicus die Temperatur der Erde lückenlos auf. In diesen 86 Jahren gab es keinen heißeren Monat als den August 2026. Er zieht mit dem Juli 2023 gleich, dem bisherigen Rekordhalter. Das teilte der Copernicus Climate Change Service (C3S) am 10. September mit.

Porträt von Samantha Burgess, Klimachefin beim ECMWF
Samantha Burgess (Foto: ECMWF)

„Es war sowohl der wärmste August als auch der wärmste Monat, der je gemessen wurde", sagt Samantha Burgess, Klimachefin beim Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF).

Die Erderhitzung treibe Extreme in der Atmosphäre und in den Ozeanen gleichzeitig an. Die Folgen seien für Gesellschaften, Volkswirtschaften und Ökosysteme weltweit zunehmend spürbar.

Die globale Mitteltemperatur lag im August bei 16,96 Grad. Das sind 1,65 Grad mehr als vor der Industrialisierung, gemessen am Mittel der Jahre 1850 bis 1900. Zum ersten Mal seit November 2025 lag ein Monat damit wieder über der 1,5-Grad-Grenze des Pariser Klimaabkommens. Den bisherigen August-Rekord hatten sich 2023 und 2024 geteilt, drei Jahre in Folge steht der Monat nun an der Spitze.

Liniendiagramm der globalen Monatstemperatur seit 1940: August 2026 erreicht mit Juli 2023 den Höchstwert von rund 17 Grad
Alle Jahre seit 1940 in Grau, darüber 2023, 2024 und 2026: Der August 2026 zieht mit dem Juli 2023 gleich. Datenquelle: ERA5, Grafik: C3S/ECMWF.

Die Ozeane kochen und der El Niño fängt gerade erst an

Auch die Meere erreichten im August einen Höchstwert. Die Oberflächentemperatur der Ozeane außerhalb der Polarregionen lag im Monatsschnitt bei 21,07 Grad. Der bisherige August-Rekord von 20,98 Grad aus dem Jahr 2023 ist damit überboten. An einem einzelnen Tag registrierte Copernicus 21,11 Grad, den höchsten Tageswert seit Beginn der Messungen.

Den Sockel für diese Rekorde legt die Erderhitzung durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. Obendrauf kommt in diesem Jahr ein El Niño im tropischen Pazifik. Bei diesem Klimaphänomen erwärmt sich das Oberflächenwasser vor Südamerika alle paar Jahre deutlich, was das Wetter weltweit beeinflusst und die globale Temperatur zusätzlich nach oben treibt.

Dieser El Niño steht erst am Anfang (hier mehr zu El Niño). Copernicus erwartet, dass er in den kommenden Monaten weiter an Stärke gewinnt, möglicherweise zu einem der stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen. Seine volle Wirkung auf die Welttemperatur entfaltet ein El Niño erfahrungsgemäß erst mit Verzögerung: Der Rekordmonat Juli 2023 fiel in einen gerade aufziehenden El Niño, das Rekordjahr 2024 folgte danach.

Der August 2026 hat den Rekord also eingestellt, bevor der El Niño richtig losgelegt hat. Erste Folgen zeigen sich bereits: In Indonesien verschärfen sich die saisonalen Waldbrände, der Rauch zieht bis auf die Nordhalbkugel. Schon der Juli 2026 hatte bei den Ozeantemperaturen einen Rekord gebracht.

Weltkarte der Meeresoberflächentemperatur-Abweichungen im August 2026 mit Rekordwerten im äquatorialen Pazifik, Nordatlantik und westlichen Mittelmeer
Meeresoberflächentemperatur im August 2026 im Vergleich zum Mittel 1991 bis 2020. Die gestrichelte Fläche markiert die Niño-3.4-Region, an der die El-Niño-Lage abgelesen wird. Datenquelle: ERA5, Grafik: C3S/ECMWF.

Hitzesommer 2026: Westeuropa bricht den Rekord von 2003

Weltweit war der Sommer 2026, also Juni bis August, gleichauf mit 2024 der wärmste seit Messbeginn. Für Europa insgesamt war es der drittwärmste Sommer nach 2024 und 2022. Westeuropa erlebte den heißesten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen. Mit 2,54 Grad über dem Mittel von 1991 bis 2020 löst er den Jahrhundertsommer 2003 ab, der auf 1,98 Grad kam. Copernicus grenzt Westeuropa dabei nach Koordinaten ab, das Gebiet reicht von Spanien über Frankreich und Großbritannien bis nach Deutschland.

Hitzesommer 2026 in Westeuropa: Balkendiagramm der Sommer-Temperaturabweichungen seit 1980 mit Rekord von plus 2,54 Grad, daneben Karte der Abweichungen Juni bis August 2026
Westeuropas Sommer seit 1980: 2026 überbietet den Rekord von 2003 deutlich. Datenquelle: ERA5, Grafik: C3S/ECMWF.

Mit der Hitze kam die Dürre. Große Teile West-, Mittel- und Osteuropas waren im August zu trocken, in Frankreich, Großbritannien, Ungarn, Rumänien und Serbien herrschte schwere Dürre. Rhein, Donau, Südlicher Bug und Dnjepr führten außergewöhnlich wenig Wasser. Seine, Rhône, Loire und Glomma erreichten laut Copernicus für den Sommer die niedrigsten Abflüsse seit Beginn der Datenreihe 1992. Zahlreiche große Waldbrände kamen hinzu.

An den Polen schrumpft derweil das Eis weiter: Die arktische Meereisfläche lag im August auf dem zwölftniedrigsten Stand seit Beginn der Satellitenmessungen, in der Antarktis war es der viertniedrigste August-Wert. Feuchter als üblich war es dagegen im Westen Spaniens, in Südgriechenland, im Alpenraum und in Nordosteuropa, wo Starkregen örtlich Überschwemmungen auslöste.

16.300 Hitzetote in Deutschland und eine Klimapolitik im Rückwärtsgang

In Deutschland hat der Hitzesommer 2026 so viele Menschen das Leben gekostet wie kein Sommer zuvor. Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt die Zahl der Hitzetoten von Juni bis Ende August auf rund 16.300, die Spanne reicht von 14.900 bis 17.900. Das RKI zählt die Fälle nicht einzeln, sondern berechnet mit einem statistischen Modell, wie viele Menschen in heißen Wochen mehr gestorben sind, als ohne Hitze zu erwarten gewesen wäre. Am stärksten betroffen sind Menschen über 85 Jahre. Der Deutsche Wetterdienst hatte im Sommer einen neuen deutschen Rekord von 41,8 Grad gemessen.

Der Sommer 2003 war in Deutschland im Mittel sogar minimal wärmer, forderte aber deutlich weniger Opfer. Das geht aus einer Einordnung des Science Media Center hervor. Ausschlaggebend seien die vielen tropischen Nächte, in denen sich der Körper nicht erholen könne, erklärt der Freiburger Medizinmeteorologe Andreas Matzarakis. Die Klimakrise ist in Deutschland damit längst eine Gesundheitskrise.

Die Klimapolitik der Bundesregierung läuft in die andere Richtung. Sie will das Gebäudeenergiegesetz abschwächen, das Verbrenner-Aus verzögern und neue Gaskraftwerke bauen. Die Umweltorganisation Greenpeace beziffert die volkswirtschaftlichen Schäden des Sommers auf mindestens 36 Milliarden Euro. Die Zahl stammt aus einer eigenen Kurzanalyse vom 24. August, keiner unabhängigen Studie. Greenpeace bewertet darin vor allem verlorene Lebensjahre in Geld und ergänzt Erfahrungswerte aus dem Dürresommer 2018. „Die Antwort auf diese schockierenden Zahlen darf kein Weiter-so sein", sagt Greenpeace-Klimaexpertin Mira Jäger.

Ein Ende der Rekordserie ist nicht in Sicht. Die vergangenen starken El-Niño-Jahre 1998, 2016 und 2024 brachten jeweils neue globale Jahresrekorde. Diesmal startet der El Niño von einem Sockel, der bereits ohne ihn Rekorde bricht.

QUELLEN

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  1. Copernicus Climate Change Service: August was the world's joint hottest month on record, 10.09.2026.
  2. ZEIT Online: Weltweit wärmster August seit Beginn der Aufzeichnungen, 10.09.2026.
  3. Robert Koch-Institut: Bericht zur hitzebedingten Mortalität, 03.09.2026.
  4. Science Media Center: Hitzesommer 2026 im Rückblick: Hitzebedingte Sterblichkeit und Schutzmaßnahmen, 07.09.2026.
  5. Greenpeace: Pressemitteilung zum Copernicus-Bericht und zu den Kosten des Extremsommers, 10.09.2026.
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