Hausbesitzer zahlen oft für mehr Wärmepumpe, als die Heizlast verlangt

Fördergeld nur mit Raum-für-Raum-Rechnung · 31. OKTOBER 2026

Wer die Heizlast kennt, kauft die passende Wärmepumpe

Die Heizlast gibt in Kilowatt an, wie viel Wärme ein Haus am kältesten Auslegungstag verliert. Aus ihr folgen Größe, Preis und Effizienz der Wärmepumpe. Der Bund fördert den Einbau nur, wenn ein Fachbetrieb die Heizlast Raum für Raum berechnet hat.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 10 Min. LESEN


Beim Heizungstausch steht im Keller meist ein alter Kessel, dessen Leistung nie jemand nachgerechnet hat. Wer ihn durch eine Wärmepumpe ersetzt, muss diese Frage neu beantworten. Jedes zusätzliche Kilowatt erhöht den Kaufpreis. Die Wärmepumpenforscherin Constanze Bongs hält die Dimensionierung deshalb für eine Entscheidung, die sich nach dem Einbau kaum noch ändern lässt.

Wie oft diese Entscheidung großzügig ausfällt, zeigen Messungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE an 77 Wärmepumpen in Bestandshäusern. Die Forscher rechneten die Heizlast aus dem gemessenen Verbrauch auf minus sieben Grad hoch und verglichen sie mit der Nennleistung der Geräte. Nach dem Abschlussbericht „WP-QS im Bestand“ vom November 2025 hatten die meisten Anlagen bei dieser Temperatur deutliche Reserven. Nur wenige konnten das Haus nicht allein warm halten.

Vor dem Kauf zählt deshalb vor allem eine Zahl: die Heizlast. Sie legt fest, wie viel Leistung die Wärmepumpe an kalten Tagen liefern muss, welche Heizkörper reichen und welche Vorlauftemperatur nötig ist. Wer sie Raum für Raum ermitteln lässt, plant das Gerät passend und erfüllt zugleich eine Bedingung der staatlichen Förderung.

Was unterscheidet Heizlast, Heizleistung und Wärmebedarf

Die Heizlast ist eine Leistung in Kilowatt: der Wärmeverlust eines Gebäudes bei der tiefsten Auslegungstemperatur seines Standorts. Die Heizleistung gibt an, wie viel Wärme ein Gerät tatsächlich liefert, der Wärmebedarf zählt die Kilowattstunden eines ganzen Jahres. Die Auslegungstemperatur heißt Norm-Außentemperatur, für Potsdam liegt sie nach dem nationalen Normanhang bei minus zwölf Grad.

Die Heizleistung einer Wärmepumpe schwankt mit Außenluft und Vorlauftemperatur. Bei minus sieben Grad Außenluft liefert sie mit 55 Grad Vorlauf meist höchstens zehn Prozent weniger als mit 35 Grad, so das Fraunhofer ISE.

Den Wärmebedarf geben Energieberater in Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr an. In den Häusern des ISE-Feldtests reichte der gemessene Verbrauch für Raumheizung 2024 von 30 bis 179 Kilowattstunden, im Median waren es 86. Den Stromverbrauch bestimmt die Jahresarbeitszahl: Sie gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme eine Anlage je Kilowattstunde Strom liefert (mehr dazu: Wie funktioniert eine Wärmepumpe?).

Wie berechnen Fachleute die Heizlast nach DIN EN 12831

Nach der Norm DIN EN 12831-1 von 2017 addieren Planer für jeden Raum die Wärmeverluste über Wände, Fenster, Dach, Boden und Lüftung. In Deutschland ergänzt die Technische Spezifikation DIN/TS 12831-1 von 2020 diese Rechnung um nationale Werte, etwa die Norm-Außentemperaturen.

Für jedes Bauteil erfassen Planer Fläche und U-Wert, also wie viel Wärme je Quadratmeter und Grad Temperaturunterschied hindurchdringt. Für Räume mit Nachtabsenkung kann eine Zusatz-Aufheizleistung hinzukommen.

Neben dem Standardverfahren kennt die Normenreihe vereinfachte Wege für Wohngebäude, bis hin zu einer Schätzung aus dem Brennstoffverbrauch. Für die Förderung lässt die KfW in ihren technischen FAQ vom Juni 2026 nur bestimmte Vereinfachungen zu. Planer dürfen U-Werte alter Bauteile nach Gebäudetypologie ansetzen und Bauteile mit weniger als vier Kelvin Temperaturunterschied weglassen. Die Flächenermittlung über die Raumfläche schließt die KfW ausdrücklich aus.

Eine Pauschale nach Wohnfläche reicht damit als Grundlage für den Zuschuss nicht. Beim hydraulischen Abgleich nach Verfahren B fällt die raumweise Rechnung ohnehin an, die KfW erlaubt, sie auch für die Gebäudeheizlast zu verwenden. Beim Abgleich stellt der Installateur die Wassermengen so ein, dass jeder Heizkörper die Wärme erhält, die sein Raum braucht.

Warum liegt die tatsächliche Heizlast oft unter der Norm

Für die Norm-Heizlast rechnen Planer mit dem ungünstigsten Fall: Norm-Außentemperatur, keine Sonne, keine Abwärme von Menschen und Geräten. Die reale Heizlast liegt deshalb nach einer Schätzung von Haresh Vaidya von der Hochschule Ansbach bei etwa 80 bis 85 Prozent der Norm-Heizlast. Er stellte seine Rechnungen 2023 in einem Praxisdialog von Zukunft Altbau vor.

Bongs, Professorin für Wärmepumpentechnologie an der Hochschule Karlsruhe, bewertete die Norm-Heizlast in einem Vortrag im November 2025 als bereits großzügig berechnet. Fraunhofer-Forscher Marek Miara wies schon 2020 in einer Mitteilung des Instituts auf die Tage knapp über null Grad hin. An ihnen werde am meisten geheizt, sie bestimmten deshalb die Effizienz. Die seltenen Extreme fielen in der Jahresbilanz kaum ins Gewicht.

Faustwerte in Watt pro Quadratmeter zeigen nur Größenordnungen. In Vaidyas Beispiel kam ein Einfamilienhaus von 1983 mit 200 Quadratmetern bei minus 14 Grad auf 19,4 Kilowatt Norm-Heizlast, rechnerisch 97 Watt je Quadratmeter. Im ISE-Feldtest „WP im Bestand“ leisteten die Wärmepumpen 2008 und 2009 im Schnitt 14 Kilowatt für 190 Quadratmeter, rund 74 Watt je Quadratmeter.

Auch die Heizkörper fallen in vielen Häusern größer aus als nötig. „Heizkörper in Altbauten sind tatsächlich überraschend oft überdimensioniert“, sagt Peter Kafke, Energieexperte der Verbraucherzentrale. Das ISE fand in seinem jüngsten Feldtest, dass ausreichend große Heizkörper mit ähnlich niedrigen Temperaturen auskommen wie Flächenheizungen. Eine Wärmepumpe ohne Fußbodenheizung ist deshalb in vielen Häusern möglich.

Was passiert, wenn die Wärmepumpe zu groß ausgelegt ist

Eine zu große Wärmepumpe kostet mehr, und ihr Verdichter schaltet in kürzeren Abständen ein und aus. Mit jedem Start steigt die Belastung der Bauteile, häufige Starts können nach dem ISE-Bericht die Lebensdauer des Verdichters verkürzen.

Vaidya setzte 2023 rund 2.000 Euro je Kilowatt Wärmepumpenleistung an. Vier Kilowatt Reserve kosteten nach dieser Rechnung von 2023 etwa 8.000 Euro. Die KfW fördert Mehrkosten nur bis zum Höchstbetrag, seit dem 21. Juli 2026 sind das 28.000 Euro förderfähige Kosten für die erste Wohneinheit (mehr dazu: Was eine Wärmepumpe kostet).

Im ISE-Feldtest starteten die Verdichter der Luft-Wasser-Wärmepumpen zwischen 550- und 15.800-mal im Jahr. Unter 2.000 Starts kamen nur knapp dimensionierte Geräte. Mit der Größe allein lässt sich das Takten trotzdem nicht erklären. Selbst Geräte, deren Leistung mehr als doppelt so hoch lag wie die tatsächliche Heizlast, starteten weniger als 4.000-mal im Jahr. Als Hauptursachen nennen die Forscher Regelung und Hydraulik, etwa eine kleine Schalthysterese, eine hydraulische Weiche oder kleine Speicher.

Wie stark Wärmepumpen überdimensioniert sind, hängt von der Bezugsgröße ab. Nach Bongs' Auswertung lag die Nennleistung im ISE-Feldtest im Median beim 1,5-Fachen der Heizlast, die Forscher aus dem Verbrauch abgeleitet hatten. Das Institut Wohnen und Umwelt kam in Hessen mit anderer Methode auf das 1,0-Fache. Auf dieselbe Methode umgerechnet, liegen beide Studien in derselben Größenordnung.

Feldtest und MesszeitraumAnlagenWärme je m² und JahrLeistung zu Heizlast (Median)JAZ Luft-Wasser
Fraunhofer ISE „WP im Bestand“, 2008 bis 200973177 kWh im Mittel (Heizung und Warmwasser)-2,6
Fraunhofer ISE „WPsmart im Bestand“, Juli 2018 bis Juni 20195650 bis 250 kWh (Heizung)-3,1
Fraunhofer ISE „WP-QS im Bestand“, 20247730 bis 179 kWh, Median 86 (Raumheizung)1,53,4
IWU „WP-Praxis in Hessen“, ausgewertet von C. Bongs, 202545-1,03,16

Eine zu kleine Wärmepumpe hat das umgekehrte Problem, an kalten Tagen springt der Heizstab ein. Im jüngsten ISE-Feldtest entfielen auf ihn im Mittel nur rund 1,3 Prozent des Stroms.

Welche Nachweise verlangt die KfW für die Heizungsförderung

Für den KfW-Zuschuss Nr. 458 muss ein Fachbetrieb die Wärmepumpe anhand einer raumweisen Heizlastermittlung nach DIN EN 12831 auslegen und einen hydraulischen Abgleich nach Verfahren B nachweisen. Hinzu kommt eine berechnete Jahresarbeitszahl von mindestens 3,0, so steht es in der Förderrichtlinie BEG EM, Stand Oktober 2026.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Richtlinie vom 17. August 2026 am 27. August im Bundesanzeiger veröffentlicht. Sie gilt rückwirkend seit dem 21. Juli 2026 und läuft bis Ende 2030. Nach der Richtlinie passen Fachbetriebe außerdem die Heizkurve an, dämmen die Rohre und messen Strom und Wärme mit Zählern.

Die Jahresarbeitszahl berechnet der Fachbetrieb nach der Richtlinie VDI 4650 Blatt 1. Für Vorlauftemperaturen bis 60 Grad akzeptiert die KfW auch den Rechner des Bundesverbands Wärmepumpe. In die Rechnung gehen Heizlast und Bivalenzpunkt ein, also die Außentemperatur, ab der ein Heizstab oder Kessel zuschaltet.

Die Grundförderung beträgt laut KfW-Merkblatt vom September 2026 weiterhin 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Wer etwa eine funktionierende Öl- oder Nachtspeicherheizung ersetzt, erhält 16 Prozent Klimageschwindigkeitsbonus, ab Februar 2027 sinkt er halbjährlich. Mit Einkommensbonus und Familienzuschlag steigt der Fördersatz auf höchstens 70 Prozent, bei geringen Einkommen auf bis zu 80 Prozent.

Was gilt im Gebäudemodernisierungsgesetz für die Heizlast

Nach § 60c des Gebäudemodernisierungsgesetzes müssen Eigentümer von Gebäuden mit mindestens sechs Wohnungen die Heizung nach dem Einbau hydraulisch abgleichen lassen, inklusive raumweiser Heizlastberechnung. Für Ein- und Zweifamilienhäuser gilt diese Pflicht nicht, dort verlangt erst die KfW die Rechnung, wenn Eigentümer einen Zuschuss beantragen.

Seit dem 29. Juli 2026 heißt das Gebäudeenergiegesetz Gebäudemodernisierungsgesetz, kurz GModG. Verkündet wurde die Änderung am 28. Juli im Bundesgesetzblatt 2026 I Nr. 226. Für die Rechnung gelten laut Gesetzestext DIN EN 12831-1 in der Ausgabe September 2017 und DIN/TS 12831-1 in der Ausgabe April 2020. Der Fachbetrieb hält Heizlast des Gebäudes, eingestellte Leistung des Wärmeerzeugers, Auslegungstemperatur und Einstellwerte schriftlich fest.

Eigentümer, die seit 2024 in solchen Gebäuden eine Wärmepumpe einbauen, müssen sie nach einer vollständigen Heizperiode prüfen lassen, spätestens zwei Jahre nach Inbetriebnahme. Ohne Fernkontrolle steht die Prüfung spätestens alle fünf Jahre erneut an. Was das Gesetz sonst für Heizungen regelt, erklärt der Beitrag zum Gebäudemodernisierungsgesetz.

Wie prüfen Hausbesitzer, ob ein Angebot zur Heizlast passt

Hausbesitzer sollten vor der Unterschrift die raumweise Heizlastberechnung und die berechnete Jahresarbeitszahl anfordern. Liegt die angebotene Leistung deutlich über der berechneten Heizlast, lohnt die Frage nach dem Grund.

Einen ersten Anhaltspunkt liefert der Verbrauch der alten Heizung, aus dem auch das ISE die Heizlast seiner Feldtest-Häuser ableitete. Kafke rät zusätzlich zu einem Praxistest. Hausbesitzer begrenzen dafür an einem kalten Tag die Vorlauftemperatur auf 55 Grad und stellen alle Thermostate auf drei. Werden alle Räume warm, eignet sich das Haus für eine Wärmepumpe. Bleiben einzelne Räume kalt, reichen oft größere Heizkörper (mehr dazu: Wärmepumpe im Altbau).

Das ISE empfiehlt, Angebote auch nach der Leistungszahl COP und der jahreszeitbedingten Leistungszahl SCOP zu vergleichen. Die Forscher raten außerdem, die Heizkörper raumweise zu prüfen und zu kleine gezielt zu tauschen, damit die Vorlauftemperatur sinkt.

Wer in den nächsten Jahren Dach oder Fassade dämmen will, legt die Reihenfolge am besten vorher fest, etwa mit einem individuellen Sanierungsfahrplan. Mit jeder Dämmung sinkt die Heizlast. Eine Wärmepumpe, die ein Fachbetrieb heute auf das ungedämmte Haus auslegt, ist nach der Sanierung zu groß.

QUELLEN

  1. Institut Wohnen und Umwelt: Feldstudie WP-Praxis in Hessen, 2025, zitiert nach C. Bongs, Herbstforum Zukunft Altbau, 20. November 2025.
  2. DIN EN 12831-1:2017-09 und DIN/TS 12831-1:2020-04, Heizlastberechnung.
  3. VDI 4650 Blatt 1: Berechnung der Jahresarbeitszahl von Wärmepumpenanlagen, März 2019.
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