KOMMENTAR · 25. OKTOBER 2026
Screenshot: ARDAudi wirft sich Trump an den Hals, um noch ein paar Verbrenner zu bauen
Nach 45 Minuten Hetze tritt Audi-Chef Gernot Döllner auf Donald Trumps Wahlkampfbühne und bedankt sich: vier Milliarden Dollar für ein Werk, das Q7, Q8 und Q9 bauen soll. Kein Elektroauto. Zu Hause steht Neckarsulm vor dem Aus. Das ist fossile Panik, und es verrät alles, wofür Made in Germany einmal stand.
Eine Dreiviertelstunde Hass, Rassismus und Frauenfeindlichkeit, eine johlende Menge, so beschreibt das Handelsblatt die Szene. Dann tritt Audi-Chef Gernot Döllner in der Nacht auf Sonntag in Georgia ans Rednerpult. Er kündigt das erste US-Werk von Audi an und bedankt sich beim Präsidenten für dessen Unterstützung. Trump lobt ihn als „handsome guy“ aus Germany.
Die Eckdaten laut Audi: rund vier Milliarden Dollar, die Middle Georgia Mega Site bei Macon, etwa 4.500 Arbeitsplätze, bis zu 200.000 Fahrzeuge im Jahr. Baubeginn ist 2027, die Produktion soll Anfang der 2030er-Jahre anlaufen. Am 3. November wählen die USA, und Georgia ist einer der umkämpften Staaten im Rennen um den Senat.
Die größten SUVs, kein Elektroauto
Was gebaut werden soll, hat Döllner selbst gesagt: „Wir planen, unsere größten und hochwertigsten SUVs hier in Macon, Georgia, zu produzieren.“ Laut einem US-Regierungsvertreter, den die Nachrichtenagentur Reuters zitiert, sind das Q7, Q8 und Q9. Ein Elektroauto taucht in den Plänen nicht auf. In der Pressemitteilung, mit der Audi das Werk ankündigt, kommt das Wort „Elektro“ kein einziges Mal vor. Dort ist nur von Premium-SUVs die Rede, „gezielt für die Anforderungen nordamerikanischer Kundinnen und Kunden entwickelt“.
Wie das Werk zustande kam, sagt der republikanische Senator Bernie Moreno offen. Ohne eine wirtschaftsfreundliche Regulierung und „ohne die Abschaffung der kalifornischen Vorschriften für den Kraftstoffverbrauch“ wäre es „niemals zustande gekommen“. Das Werk steht also auf dem Abriss von Klimaregeln. Dazu passt, dass Trump die Steuergutschrift für Elektroautos gestrichen hat.
Ein deutscher Premiumhersteller plant damit für die 2030er-Jahre schwere SUVs in Amerika, während China den Weltmarkt mit Elektroautos aufrollt und seine Gewinne längst in Europa sucht.
Erst Drohkulisse, dann Zölle, dann Applaus
Betriebswirtschaftlich ist das Werk erklärbar. Audi importiert bisher alle Autos für den US-Markt aus Europa und Mexiko, die Zölle haben das Unternehmen im vergangenen Jahr 1,2 Milliarden Euro gekostet, der US-Absatz ist in diesem Jahr um 16 Prozent eingebrochen. BMW und Mercedes produzieren seit Jahren in den USA, ihr Standortvorteil liegt laut FAZ bei rund 8.500 Dollar pro Fahrzeug.
Den Auftritt erklärt das nicht. Die FAZ beschreibt das Muster: erst eine Drohkulisse, dann Zölle, am Ende lässt man sich für erkaufte Arbeitsplätze auf offener Bühne feiern. Döllner hat sich zum Teil dieser Inszenierung gemacht, zehn Tage vor der Wahl.
In Neckarsulm zittern 15.000 Beschäftigte
Döllner sitzt zugleich im Vorstand von Volkswagen. Das Audi-Werk Neckarsulm mit seinen rund 15.000 Beschäftigten steht nach 2030 möglicherweise vor der Schließung. Die Beschäftigten baden aus, was das Management über Jahre versäumt hat: Die deutschen Autobauer haben die Elektromobilität verschleppt und zahlen dafür mit sinkenden Margen. Der Ökonom Moritz Schularick hält sogar die Pleite eines großen Autobauers für möglich.
Jetzt sehen die Audianer ihren Chef als Wahlkampfhelfer eines Rechtsextremen, der Europa mit Zöllen erpresst und die Elektromobilität bekämpft. Das ist fossile Panik: Eine Industrie, die die Elektro-Revolution zehn Jahre verschlafen hat, klammert sich an den letzten Markt, in dem man noch dicke Verbrenner verkaufen darf, weil ein Präsident die Klimaregeln dafür abgeräumt hat. Es ist das fossile Endspiel von Managern, denen die eigenen Boni wichtiger sind als die Zukunft ihrer Konzerne.
Empathielos gegenüber den eigenen Beschäftigten. Und ein Verrat an allem, wofür „Vorsprung durch Technik“ und Made in Germany einmal standen.
QUELLEN
- Audi: Audi plant ersten US-Produktionsstandort in Georgia, Medieninformation, 25.10.2026.
- SPIEGEL: Audi baut für vier Milliarden Dollar eigenes Werk in den USA, 25.10.2026 (mit Material von Reuters).
- FAZ, Henning Peitsmeier: Der Audi-Chef macht sich zu Trumps Wahlhelfer (Kommentar), 25.10.2026.
- Euronews/Reuters: Audi invests four billion in US plant after Trump deal, 25.10.2026.