Denkfabrik FÖS liefert Kanzler Merz fünf Ideen · 26. OKTOBER 2026
KI-generiertSo profitieren auch Haushalte mit wenig Geld von der grünen Transformation
Wie kann die Bundesregierung die Electrotech-Revolution so gestalten, dass auch Haushalte mit niedrigen Einkommen davon profitieren können? Die neue FÖS-Studie „Raus aus Öl und Gas“ liefert dazu fünf gezielte Maßnahmen - die kaum teurer wären als der zweimalige Tankrabatt 2026.
Die unabhängige Denkfabrik Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) hat für die Bundesregierung ausgearbeitet, wie das Leben für Haushalte mit wenig Geld wieder bezahlbar wird. Kern der Studie: Der Staat soll sein Geld sozial gerechter einsetzen als bisher, etwa bei der E-Auto-Prämie oder beim Tankrabatt. Eine Entlastung beim Tanken gibt Haushalten keinerlei Anreiz, auf ein E-Auto umzusteigen - und entlastet obendrein diejenigen, die es gar nicht nötig haben.
Die Maßnahmen sollen die grüne Transformation der Haushalte beschleunigen, also im Kern die Elektrifizierung mit erneuerbarem Strom, E-Autos und Wärmepumpen. „Öl und Gas werden immer mehr zur Kostenfalle. Die Bundesregierung sollte den Menschen helfen, sich aus dieser teuren fossilen Abhängigkeit zu befreien - gerade denen mit wenig Geld“, sagt Mira Jäger, Energieexpertin von Greenpeace. Greenpeace und Green Planet Energy haben die Studie in Auftrag gegeben, der Paritätische Gesamtverband unterstützt sie.
Die Autoren sehen in ihrem Paket eine sozial gerechte Alternative zu pauschalen Rabatten auf Sprit und Heizöl. Alle fünf Maßnahmen zusammen kosten Bund und Länder 3,8 bis fünf Milliarden Euro im Jahr. Der Tankrabatt kostet den Bund 2026 allein rund 4,1 Milliarden Euro, verteilt auf fünf Monate. Drei Monate davon kosten mehr als sechs Jahre Förderung neuer Wind- und Solaranlagen.
Geld wäre da. Für klimaschädliche Subventionen gibt der Staat nach dem Klima-Subventionsbericht des FÖS rund 66 Milliarden Euro im Jahr aus. Weil die Bundesregierung den CO2-Preis eingefroren hat, fehlen dem Klima- und Transformationsfonds weitere vier Milliarden Euro.
Haushalte mit wenig Geld geben sieben Prozent fürs Heizen aus
Immer mehr Haushalte sind durch fossile Krisen und Inflation bei Strom, Wärme und Mobilität stark belastet - und können derzeit kaum an der Transformation partizipieren. Wer wenig verdient, gibt einen deutlich größeren Teil seines Einkommens für Wärme, Strom und Mobilität aus als Wohlhabende. Das untere Einkommenszehntel zahlt sieben Prozent seines Einkommens allein fürs Heizen, das obere zwei Prozent. Vor der Energiepreiskrise 2022 lag der Anteil der Ärmsten noch bei fünf Prozent.
Seit Beginn des Irankriegs ist Heizöl um mehr als 40 Prozent teurer geworden, Benzin und Diesel um 20 bis 30 Prozent. Die Gaspreise an der Börse haben sich mehr als verdoppelt und kommen im Winter mit der Heizkostenabrechnung an.
Aus dieser Kostenfalle kommen Haushalte mit wenig Geld aus eigener Kraft kaum heraus. Sie fahren ältere Autos, steigen langsamer auf Strom um und haben selten eine eigene Wallbox. Ein neues Elektroauto oder eine Wärmepumpe können sie sich oft nicht leisten. Wer zur Miete in einem unsanierten Haus wohnt, entscheidet ohnehin nicht über die Heizung.
18 Millionen Haushalte könnten 120 Euro Stromgeld im Jahr bekommen
| Maßnahme | Kosten für den Staat | Entlastung |
|---|---|---|
| Stromkostenpauschale | ca. 2,2 Mrd. Euro / Jahr | 120 Euro je Haushalt und Jahr |
| Wärmepumpen-Leasing | 1,1 bis 2,2 Mrd. Euro / Jahr | 315 bis 885 Euro Heizkosten je Jahr |
| Mieterhöhung an Effizienz koppeln | ggf. Förderkosten für Sanierung | 300 bis 912 Euro je Haushalt und Jahr |
| Deutschlandticket Sozial | 0,5 bis 0,55 Mrd. Euro / Jahr | 528 Euro je Person und Jahr |
| Soziale E-Auto-Förderung | keine Mehrkosten | 500 Euro Abwrackbonus, 3.000 Euro Ladeguthaben |
Quelle: Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft, Policy Brief 10/2026
Die Stromkostenpauschale ist der größte Posten. Rund 18,4 Millionen Haushalte mit wenig Geld sollen 120 Euro im Jahr bekommen, automatisch über den geplanten Direktauszahlungsmechanismus. Das kostet 2,2 Milliarden Euro. Für einen Single-Haushalt sind das etwa 18 Prozent der Stromrechnung, für eine Familie gut zehn Prozent. Bis der Auszahlungsweg steht, soll ein entlastetes Grundkontingent von 1.500 Kilowattstunden helfen, Ersparnis rund 87 Euro.
Beim Heizen zielt der Vorschlag auf die Investitionshürde. Ein Energiedienstleister übernimmt Kauf, Einbau, Betrieb und Wartung der Wärmepumpe. Der Haushalt zahlt monatliche Raten, eine Bonitätsprüfung entfällt. Drei Jahre lang garantiert der Anbieter, dass die Gesamtkosten unter denen der alten Öl- oder Gasheizung liegen. So können auch Haushalte ohne Rücklagen von der grünen Transformation profitieren.
100.000 zusätzliche Wärmepumpen pro Jahr kosten den Staat 1,1 bis 2,2 Milliarden Euro. Die laufenden Heizkosten sinken in einer 70-Quadratmeter-Wohnung um 315 bis 455 Euro im Jahr. Bei 130 Quadratmetern sind es 780 bis 885 Euro.
Mieter sollen vor allem über das Mietrecht geschützt werden. Betroffen wären Gebäude der Effizienzklassen F, G und H, also oberhalb von 160 Kilowattstunden Endenergie je Quadratmeter und Jahr. Dort soll die Miete erst nach einer energetischen Verbesserung steigen dürfen. Bei einer 70-Quadratmeter-Wohnung vermeidet das je nach Lage 25 bis 76 Euro im Monat. Eine Sanierung spart anschließend 34 bis 56 Prozent der Heizkosten.
Geringverdiener könnten für 19 Euro bundesweit Bus und Bahn fahren
Ein bundesweit einheitliches Deutschlandticket Sozial für 19 statt 63 Euro spart einer Person 528 Euro im Jahr. Für rund 1,2 Millionen Menschen in Transferleistungen kostet das 500 bis 550 Millionen Euro. Kinder und Jugendliche sollen kostenlos fahren.
Die Kaufprämie für Elektroautos bliebe mit drei Milliarden Euro für 2026 bis 2029 unverändert. Gefördert würden nur noch batterieelektrische Fahrzeuge bis 35.000 Euro, und nur bis zu einem Einkommen von 60.000 Euro. Plug-in-Hybride fielen wegen ihrer geringen Klimawirkung heraus.
Für sehr alte Verbrenner gibt es einen Abwrackbonus von 500 Euro. Wer ein gebrauchtes Elektroauto kauft, soll ein Ladeguthaben von 3.000 Euro bekommen, bis zu 100.000 Käufer kämen dafür infrage.
Carolin Dähling von Green Planet Energy verweist darauf, dass erneuerbarer Strom günstig sei, dieser Vorteil aber noch nicht bei allen ankomme. Andere Länder seien längst weiter, mit Sozialtarifen in Österreich, Wärmepumpen-Leasing in Frankreich und gezielter E-Auto-Förderung in Schweden. Die drei Organisationen fordern die Bundesregierung auf, die Maßnahmen für Haushalte mit wenig Geld in den laufenden Haushaltsberatungen zu berücksichtigen.
QUELLEN
- Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft: Raus aus Öl und Gas. Fünf Maßnahmen für bezahlbare Energie und Mobilität, Policy Brief 10/2026, Oktober 2026.
- Greenpeace und Green Planet Energy: Pressemitteilung „Raus aus Öl und Gas: Fünf Maßnahmen für bezahlbare Energie und Mobilität“, 26. Oktober 2026.