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Nikola Corporation: Deal mit General Motors und Pickup Badger wackeln

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Größte Nikola-Herausforderung besteht darin, ein Wasserstoff-Tankstellen-Netzwerk aufzubauen, bevor große Umsätze mit LKW-Verkäufen passieren.

Das Cleantech-Unternehmen Nikola Corporation ist weiterhin in Turbulenzen: Besucht man die Webseite, steht dort, der Pickup Nikola Badger werde in Zusammenarbeit mit General Motors gebaut. Doch, ob die strategische Kooperation mit GM einerseits und das „Lieblingsprojekt“ des einstigen Chairman Trevor Milton, der Badger, tatsächlich kommen werden, steht auf wackeligen Füßen. Die Financial Times hat CEO Mark Russell hierzu interviewt.

Im Februar 2020 hatte Trevor Milton den Pickup-Truck Nikola Badger erstmals angekündigt. Seit einigen Wochen sind Vorbestellungen möglich. Im Dezember, bei der mittlerweile verschobenen Veranstaltung Nikola World, sollte der Pickup als Prestigeprojekt von Milton auf die Bühne gefahren werden. Doch all diese Pläne stehen mehr und mehr in Frage.

Im Interview betonte Mark Russell, der Badger sei für „einige Aktionäre“ ein interessantes und aufregendes Projekt, aber die institutionellen Nikola-Aktionäre würden sich hauptsächlich auf den Geschäftsplan konzentrieren. Bedeutet: Mit dem Verkauf von Wasserstoff-Trucks sowie einer Infrastruktur drumherum Rendite erwirtschaften.

Pikant: Im Februar noch beschrieb Mark Russell den Badger als einen Wegbereiter, der dazu beitragen sollte, dass die Kosten für Brennstoffzellenkomponenten der schweren LKW zu senken und die Einführung von Wasserstofftankstellen zu beschleunigen.

Welche Stahlkraft das Elektroauto hat, zeigte sich im September, als der Deal mit GM verkündet wurde, der bis heute nicht unter Dach und Fach ist. Der Aktienkurs stieg um ein Drittel, es schien so, als würde insbesondere Trevor Milton halten, was er versprochen hatte. Doch es kam, mit dem Bericht von Hindenburg Research und dem Ausscheiden von Milton, bekanntlich ganz anders.

Angesichts der jetzigen Äußerungen von Russell zum Badger-Projekt und dazu, dass Nikola Corporation auch ohne einen Deal mit GM hervorragend positioniert sei, deutet stark darauf hin, dass die Kooperation nicht mehr zustande kommen wird. Klar ist: Die 11-prozentige Beteiligung, mit der Nikola GM lockte, hatte damals einen Börsenwert von zwei Milliarden Dollar und hat sich seitdem mehr als halbiert. Aktuell steht eine Frist bis zum 3. Dezember für den Abschluss des Deals.

Hauptziele des Nikola-CEO sind es, bis Ende dieses Jahres zu verkünden, wer Wasserstoffpartner wird. Und auch soll bis Ende kommenden Jahres der erste Truck von Nikola – der in Europa in einem Iveco-Werk produzierte LKW – pünktlich auf die Straße kommen.

Jesse Schneider zeigt, welche Technologien Nikola wirklich hat

In der Zwischenzeit ist das Management nach den Anschuldigungen von Hindenburg Research sichtlich darum bemüht, mehr Substanz und Klarheit in die eigenen Aussagen zu bringen. Jesse Schneider, Vize-Präsident beim Unternehmen und zuständig für Technologie, Wasserstoff und Brennstoffzellen, nannte bei einer virtuellen Konferenz in einer Präsentation die Technologien, bei denen Nikola beispielsweise Patente besitzt.

Dabei stellte Schneider diverse Wasserstoffprojekte vor, darunter die Lastwagen und Tankstellen. Demnach ist die Rolle von Nikola die eines Systemintegrators, bei der alle zugekauften Komponenten auf engstem Raum in einen LKW integriert werden. Zu den Patenten in den USA zählt beispielsweise ein Hitzeschild, das den Lagerbereich von Wasserstoff für den Brandfall schützen soll und eine Kommunikations-Lösung, mit der Lastwagen mit Geräten in der Umgebung kommunizieren können.

Weitere Patente in Europa betreffen etwa das Kühlsystem, sind in den USA aber noch nicht erteilt. Und: Erste Umsätze stehen demnach in Aussicht. So arbeite Nikola an einem 2-Millionen-Dollar-Projekt des US-Energieministeriums mit drei Universitäten. Hierbei soll eine neue Membran-Elektroden-Baugruppe entwickelt werden, die billiger und haltbarer ist.

Die Geschäftsaussichten von Nikola hängen demzufolge besonders stark davon ab, ob es dem Cleantech-Unternehmen gelingt, ein Netzwerk von Wasserstofftankstellen aufzubauen, damit potenzielle Kunden auch wirklich die Brennstoffzellen-LKW kaufen werden. Die größte Herausforderung liegt darin, genügend Kapital zu generieren, bevor große Umsätze mit dem Verkauf von LKW generiert werden können.

Die Aussagen von Jesse Schneider und Mark Russell zeigen: Nikola braucht die institutionellen Investoren, um genügend Kapital aufzubringen, um das Wasserstoff-Tankstellen-Netz zu beginnen. Insofern macht die Aufgabe des Deals mit General Motors absolut Sinn, wenn damit „nur“ Kleinaktionäre verprellt werden – und falls zeitgleich beim Kerngeschäft eine Beschleunigung gelingt.

Konkurrenz: Hyzon, Hyundai, Tesla und Co.

Denn die Konkurrenz schläft nicht: Hyzon Motors kommt mit Brennstoffzellen-Trucks auf den Markt (und hat Total im Rücken), Daimler & Volvo sowie Hyundai sind ebenfalls aktiv. Und Tesla will zumindest mit dem Tesla-Semi einen Teil des Marktes abgreifen, der über Infrastruktur leichter zu erschließen scheint als der Wasserstoff-Mobilitäts-Sektor.

Am Freitag fiel die Aktie der Nikola Corporation nach dem Russell-Interview auf unter 20 US-Dollar. Die Börse hofft, dass der Deal mit GM und der Badger noch kommen werden. Langfristig könnte es für das Unternehmen aber vorteilhaft sein, sich tatsächlich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren – und nicht auch noch die Gunst der institutionellen Investoren zu verlieren.

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