KLIMAANPASSUNG · 25. JUNI 2026
KI-generiertHitzestress: Was er bedeutet und wie Städte kühl bleiben
Am Wochenende zeigt das Thermometer in Leipzig 41 Grad, gefühlt 46. Genau dieser Wert markiert die wissenschaftliche Schwelle für extremen Hitzestress. Was dahintersteckt, wie europäische Städte sich wappnen und was jeder selbst tun kann.
Für dieses Wochenende sagt der Wetterdienst in Leipzig 41 Grad voraus, gefühlt bis zu 46 Grad. Das ist keine beliebige Zahl. 46 Grad gefühlte Temperatur ist exakt der Punkt, ab dem Fachleute von „extremem Hitzestress" sprechen, der höchsten von drei Gefahrenstufen.
Das Wettermuster dahinter ist nicht neu. Neu ist, wie heiß es darin wird. Das Forschungsprojekt Climameter hat die aktuelle Hitzewelle untersucht und kommt zu dem Schluss, dass der Klimawandel in Teilen Westeuropas bis zu vier Grad zusätzliche Hitze beigesteuert hat. In München sind es 2,3 Grad mehr als unter vergleichbaren Bedingungen vor einigen Jahrzehnten, in Frankfurt 1,7, in Köln 1,6 Grad. Europa erwärmt sich rund doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt und ist damit der am schnellsten heißer werdende Kontinent.
Wer das einordnen will, muss drei Fragen trennen: Was ist Hitzestress eigentlich? Wie machen wir unsere Städte hitzefest? Und was kann ich an einem 41-Grad-Tag selbst tun? Eine Frage steht aber über allem, und sie lautet: Betrifft mich das überhaupt?
BIN ICH BESONDERS GEFÄHRDET?
Hitze trifft alle, aber manche Menschen besonders hart. Zu den Risikogruppen zählen laut Umweltbundesamt und Robert-Koch-Institut:
- Menschen über 75 sowie allein lebende und pflegebedürftige Personen
- Menschen mit Herz-Kreislauf-, Lungen-, Nieren- oder Stoffwechsel-Erkrankungen oder Demenz
- Schwangere, Stillende, Säuglinge und Kleinkinder
- Menschen, die im Freien arbeiten
- alle, die bestimmte Medikamente nehmen oder keine kühlbare Wohnung haben
Trifft einer dieser Punkte auf Sie oder einen Angehörigen zu, nehmen Sie die Hinweise weiter unten besonders ernst.
Was ist Hitzestress, und wann wird er gefährlich?
Hitzestress entsteht, wenn der Körper mehr Wärme aufnimmt, als er abgeben kann. Normalerweise hält unser Körper seine Kerntemperatur bei etwa 37 Grad, vor allem durch Schwitzen. Bei großer Hitze, hoher Luftfeuchte oder Anstrengung gelingt das immer schlechter. Die Folgen reichen von Erschöpfung und Kreislaufproblemen bis zum Hitzschlag, der lebensgefährlich ist.
Die Wissenschaft unterscheidet drei Stufen, gemessen in gefühlter Temperatur: starker Hitzestress ab 32 Grad, sehr starker ab 38 Grad und extremer ab 46 Grad. Schon ab der mittleren Stufe steigt das Risiko für hitzebedingte Erkrankungen deutlich.
Wie stark dieser Stress zunimmt, hat ein Team um die Meteorologin Rebecca Emerton vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage gerade in der Fachzeitschrift Nature Climate Change gezeigt. Die Forschenden verglichen die 1970er Jahre mit dem Jahrzehnt 2015 bis 2024. Ergebnis: Weltweit sind heute rund eine Milliarde Menschen mehr mindestens einen Tag im Jahr extremer Hitze ausgesetzt. Der Anteil der Weltbevölkerung stieg von 16 auf 22 Prozent.
Europa liegt beim Zuwachs an der Spitze. Extremer Hitzestress kommt hier heute 2,5-mal so häufig vor wie in den Siebzigern. Besonders tückisch sind die Nächte: Lange Phasen aus Hitzetagen und sogenannten Tropennächten, in denen es nicht unter 20 Grad abkühlt, sind in Europa heute 3,4-mal häufiger als früher. Und der Befund zur Ursache ist eindeutig: Der Anteil des Klimawandels an diesem Anstieg ist mindestens so groß wie der des Bevölkerungswachstums. Eine ETH-Studie hat zudem gezeigt, dass ein Viertel der Hitzewellen ohne den Klimawandel praktisch unmöglich gewesen wäre. Hinzu kommt, dass auf heiße, trockene Phasen immer häufiger sogenannte Blitzdürren folgen, in denen Böden binnen Wochen austrocknen. Hitze ist heute die häufigste wetterbedingte Todesursache weltweit.
Was ist die gefühlte Temperatur?
35 Grad sind nicht gleich 35 Grad. Bei trockener Luft ist Hitze gut erträglich, bei feuchter Schwüle wird sie zur Qual. Ein leichter Wind kühlt, Windstille staut die Wärme. Wolken nehmen der Sonne die Kraft, pralle Mittagssonne heizt zusätzlich auf. Die reine Lufttemperatur sagt deshalb wenig darüber aus, wie sehr unser Körper leidet.
Genau das fängt die gefühlte Temperatur ein. Forschende verrechnen dafür Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonneneinstrahlung mit der Reaktion des menschlichen Körpers zu einem einzigen Wert, der sinngemäß sagt: „Fühlt sich an wie soundso viel Grad." Auch der Deutsche Wetterdienst arbeitet mit dieser Größe. Er gibt eine Hitzewarnung heraus, sobald die gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag rund 32 Grad übersteigt, und eine zweite Stufe ab 38 Grad. Wenn die Wetter-App für Leipzig 41 Grad und gefühlt 46 anzeigt, steckt dahinter dieselbe Logik wie in der Wissenschaft.
Wichtig ist, zwei Zahlen in diesem Text nicht zu verwechseln, denn sie messen Verschiedenes. Die gefühlte Temperatur beschreibt, wie sehr uns Hitze im Alltag belastet, ihre höchste Stufe beginnt bei 46 Grad. Die Kühlgrenztemperatur dagegen markiert die absolute biologische Grenze, an der sich der Körper gar nicht mehr kühlen kann, und die liegt viel niedriger. Die eine sagt: Es wird gefährlich. Die andere: Hier endet das Überleben.
Einfach erklärt: die Kühlgrenztemperatur
Unser Körper kühlt sich durch Schwitzen. Der Schweiß verdunstet auf der Haut und nimmt dabei Wärme mit, so wie nasse Wäsche im Wind trocknet und sich kühl anfühlt. Das klappt aber nur, solange die Luft den Schweiß noch aufnehmen kann. Ist die Luft schon voller Feuchtigkeit, verdunstet nichts mehr, und das Schwitzen läuft ins Leere. Die Kühlgrenztemperatur, auch Feuchtkugeltemperatur genannt, ist genau der Punkt, an dem die Luft kein Wasser mehr aufnimmt. Lange galten 35 Grad als theoretische Überlebensgrenze. Neuere Versuche der Pennsylvania State University zeigen, dass es für gesunde junge Menschen schon bei rund 31 Grad kritisch wird, für ältere früher. Deshalb ist feuchte Hitze so viel gefährlicher als trockene.
Wie heiß sich Hitze anfühlt, hängt zuletzt auch von der Person ab. Jüngere kommen meist besser klar als Ältere, fitte Menschen besser als untrainierte. Doch die Unterschiede zwischen einzelnen Personen sind größer als die zwischen Alters- oder Geschlechtsgruppen. Letztlich habe jeder Mensch sein eigenes Hitzeempfinden, sagt Marcel Schweiker, Professor für Gesunde Lebensräume an der RWTH Aachen. Sogar die Erwartung prägt es: Wer ständig hört, die Hitze sei unerträglich, hält sie eher für unerträglich.
Warum jetzt auch junge und gesunde Menschen sterben
Lange galt: In Hitzewellen sind vor allem Alte und Kranke in Lebensgefahr, weil sie zu wenig trinken. Der Sommer 2026 widerlegt das. In Frankreich ertranken seit Mitte Juni nach Behördenangaben mindestens 48 Menschen, als sie sich abkühlen wollten, viele davon jung und gesund. Am 24. Juni, dem bis dahin landesweit heißesten Tag seit Beginn der Messreihe 1947 mit 44,3 Grad im Ort Pissos, flüchteten sich Menschen trotz ausdrücklicher Warnungen in Flüsse und Seen.
Warum stirbt ein junger, gesunder Mensch im kühlen Wasser, wenn draußen 44 Grad herrschen? Mediziner nennen es Hydrocution oder Badetod, einen thermischen Schock. Der überhitzte Körper läuft auf Hochtouren: Die Hautgefäße sind weit gestellt, der Kreislauf offen, der Blutdruck niedrig. Trifft dieser Körper auf 15 bis 22 Grad kaltes Wasser, kippt das System in Sekunden.
Im Inneren feuern dann zwei Reflexe gegeneinander. Der Kälteschock löst eine unwillkürliche Schnappatmung aus, durch die unter Wasser Flüssigkeit in die Lunge gelangt. Gleichzeitig drosselt der Tauchreflex den Herzschlag, während der Stress ihn hochtreibt. Diesen Widerstreit nennen Fachleute autonomen Konflikt, und er kann den Herzschlag bis zum Stillstand bringen, auch bei durchtrainierten Menschen. Nach Stunden in der Glut sind viele zusätzlich dehydriert und muskulär erschöpft.
Diese Gefahr endet nicht am Rhein. Straßburg liegt näher an Stuttgart als an Berlin, eine Klimagrenze ist der Fluss nicht. Was Frankreich gerade erlebt, ist die Vorschau auf deutsche Sommer der nächsten Jahre. Für jeden Einzelnen heißt das: erhitzt niemals kopfüber ins kalte Wasser, schon gar nicht in unbewachten Gewässern. Erst im Schatten herunterkühlen, dann langsam hineingehen und vorher Arme und Beine benetzen.
Wie verhindern wir, dass Städte zur Todesfalle werden?
Städte sind die Brennpunkte der Hitze. Asphalt, Beton und Dächer speichern die Wärme und geben sie nachts wieder ab, sodass es kaum abkühlt. Diese Hitzeinseln verlängern genau jene Tropennächte, die dem Körper die Erholung rauben. Das Robert-Koch-Institut schätzt die Zahl der Hitzetoten in Deutschland auf rund 2.600 im Sommer 2025 und etwa 3.000 pro Jahr in den Jahren davor, fast ausschließlich ältere Menschen.
Der Süden Europas lebt länger mit dieser Bedrohung und zeigt, was wirkt. Das stärkste Vorbild ist Barcelona: ein Netz aus über 500 kühlen Schutzräumen in Bibliotheken, Museen und Parks, nach dem Prinzip, dass niemand weiter als zehn Gehminuten zum nächsten haben soll. Paris verwandelt heiße Schulhöfe in begrünte Kühlinseln, Wien stellt im Sommer Sprühnebel und „Coole Straßen" auf. Allen gemeinsam ist die einfachste und billigste Klimaanlage überhaupt: der Stadtbaum. Er spendet Schatten und kühlt die Luft durch Verdunstung um mehrere Grad.
Deutschland ist nicht untätig. Berlin setzt auf das Schwammstadt-Prinzip mit entsiegelten Flächen und hat per BäumePlus-Gesetz ein eigenes Programm für mehr Stadtgrün beschlossen, andere Städte pflanzen Bäume, bauen Trinkbrunnen und öffnen kühle Räume. Gerade öffnen evangelische Kirchen bundesweit ihre kühlen Mauern für Menschen, die Abkühlung suchen, ganz ohne Klimaanlage. Das Problem ist nicht das Wissen, sondern das Tempo: Die Deutsche Umwelthilfe zählt für ihren Hitze-Check 2026 fast eine Million Bäume, die zwischen 2018 und 2025 aus deutschen Städten verschwunden sind.
Der größte Hebel für deutsche Städte liegt im Tiefbau. In Basel koppelt man die Begrünung von Straßen an den Ausbau der Fernwärme: Wo die Straße für die Leitung ohnehin offen liegt, kommen Bäume und Versickerungsmulden gleich mit. Das passt direkt zur kommunalen Wärmeplanung, die überall in Deutschland anläuft. Statt jeder Straße zweimal aufzureißen, lässt sich der Hitzeschutz huckepack mitnehmen, ein Brückenschlag zwischen Wärmewende und Klimaanpassung.
Sind Klimaanlagen die Lösung, jetzt wo wir Solarstrom im Überfluss haben?
Die naheliegende Antwort lautet: Klimaanlage rein, fertig. Und tatsächlich hat sich ein Argument verschoben. Wenn die Sonne brennt, liefern Solaranlagen besonders viel Strom. Die Kühlung läuft also genau dann, wenn am meisten sauberer Strom im Netz ist. Energetisch ist das Kühlen tagsüber kein Tabu mehr, sondern passt gut zur Stromproduktion.
Trotzdem ist die Klimaanlage als Standardlösung ein Trugschluss, aus zwei Gründen. Erstens kühlt ein klassisches Gerät den Innenraum, indem es die Wärme nach draußen bläst. In einer Stadt voller Klimaanlagen heizen sich die Straßen dadurch noch weiter auf. Es entsteht ein Teufelskreis: Je mehr gekühlt wird, desto heißer wird es draußen, desto mehr muss gekühlt werden. Für alle ohne Gerät, vor allem ältere und arme Menschen, wird die Lage dadurch schlechter.
Zweitens gewöhnt sich der Körper an die Dauerkühlung und verlernt die Anpassung. „Dauerhaft im klimatisierten Büro zu sitzen, ist keine gute Strategie bei steigenden Temperaturen", sagt Schweiker. Bis zu einer gewissen Grenze kann sich der Körper an Wärme gewöhnen, aber nur, wenn man sie auch zulässt.
Klüger ist es, Gebäude erst gar nicht heiß werden zu lassen: nachts mit kühler Luft durchlüften, tagsüber Jalousien schließen, mit Speichermasse und Beschattung arbeiten. Helle, reflektierende Dächer und Beläge heizen sich weniger auf, weil sie das Sonnenlicht zurückwerfen, statt es zu schlucken (Fachleute nennen das Albedo-Effekt). Auf Quartiersebene können sogenannte kalte Nahwärmenetze, also Rohrnetze im Boden mit lauwarmem Wasser, im Winter heizen und im Sommer kühlen. Die Klimaanlage bleibt sinnvoll dort, wo es um Leben geht, in Krankenhäusern, Pflegeheimen und für besonders gefährdete Menschen. Als Standard für jede Wohnung schafft sie mehr Probleme, als sie löst.
Was kann ich selbst tun, wenn es heiß wird?
Am meisten bringt es, die Wohnung kühl zu halten. Die Weltgesundheitsorganisation rät, nachts und früh morgens zu lüften, tagsüber dagegen Rollläden, Jalousien oder Vorhänge zu schließen und elektrische Geräte auszuschalten, denn auch sie geben Wärme ab. Verbringen Sie nach Möglichkeit zwei bis drei Stunden des Tages an einem kühlen Ort, ob Bibliothek, Kirche oder Schwimmbad.
DAS HILFT SOFORT
- Nachts und morgens lüften, tagsüber Fenster und Rollläden zu.
- Regelmäßig trinken, auch ohne Durst, zimmerwarm statt eiskalt, dafür Alkohol, Koffein und Zuckriges meiden.
- Haut kühlen: feuchtes Tuch auf Handgelenke und Nacken, kühl duschen (Verdunstungskälte).
- Die heißeste Tageszeit und Anstrengung meiden, im Schatten bleiben.
- Nach Älteren, Kranken und allein Lebenden in der Nachbarschaft sehen.
- Kinder, hilfsbedürftige Menschen und Tiere niemals im Auto zurücklassen.
Beim Trinken hilft eine konkrete Orientierung. Gesunde Erwachsene brauchen laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung etwa anderthalb bis zwei Liter aus Getränken pro Tag. An heißen Tagen ist es deutlich mehr, denn allein durchs Schwitzen kann der Körper bis zu zwei Liter zusätzlich verlieren. Ältere Menschen, die von Natur aus weniger Durst verspüren, sollten mindestens anderthalb Liter schaffen, am besten zu jeder Mahlzeit ein großes Glas und tagsüber alle ein bis zwei Stunden eines. Eine wichtige Ausnahme: Wer herz- oder nierenkrank ist, darf oft nicht beliebig viel trinken und sollte die Menge ärztlich abklären.
Einige Gruppen müssen besonders aufpassen. Schwangere und vor allem stillende Mütter haben einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf und sollten an heißen Tagen bewusst mehr trinken. Für alle gilt: auch dann trinken, wenn kein Durst da ist, denn das Durstgefühl meldet sich oft zu spät. Bei Kindern ist es besonders schwach ausgeprägt, ihnen sollte man etwa stündlich etwas anbieten, bei über 30 Grad die zwei- bis dreifache übliche Menge. Wer partout nicht trinken mag, nimmt Flüssigkeit auch über wasserreiches Obst oder ein selbst gemachtes Wassereis auf.
Eine Ausnahme sind die ganz Kleinen. Gesunde Säuglinge brauchen auch bei Hitze kein zusätzliches Wasser, weder gestillt noch mit Flaschennahrung, zu viel Wasser kann für sie sogar gefährlich werden. An heißen Tagen legt man sie einfach häufiger an oder gibt öfter die Flasche, denn Muttermilch besteht zu fast 90 Prozent aus Wasser. Erst nach Einführung der Beikost kommen Wasser oder ungesüßter Tee dazu.

| Gruppe | Trinken bei Hitze |
|---|---|
| Gesunde Erwachsene | 1,5 bis 2 Liter, an heißen Tagen mehr |
| Ältere Menschen ab 65 | mindestens 1,5 Liter, aktiv ans Trinken erinnern |
| Schwangere und Stillende | erhöhter Bedarf, bewusst mehr trinken |
| Kinder von 2 bis 6 Jahren | bei über 30 Grad das 2- bis 3-fache der üblichen Menge |
| Säuglinge | kein zusätzliches Wasser, häufiger stillen oder Flasche |
| Herz- oder nierenkrank | Trinkmenge ärztlich abklären |
Der wirksamste Sofort-Trick gegen Hitzestress ist Verdunstungskälte, also dasselbe Prinzip, mit dem der Körper schwitzt, nur von außen nachgeholfen. Ein feuchtes Tuch auf Handgelenken und Nacken oder eine kühle Dusche entzieht der Haut sofort Wärme, weil das Wasser verdunstet. Zusammen mit dem richtigen Trinken, am besten zimmerwarm statt eiskalt, damit der Kreislauf nicht zusätzlich belastet wird, ist das die einfachste Hilfe, die jeder sofort zur Hand hat.
Ein unterschätztes Risiko sind Medikamente. Entwässernde Mittel, Blutdrucksenker und bestimmte Mittel gegen Depressionen oder Psychosen können bei Hitze den Kreislauf zusätzlich belasten, den Flüssigkeitsverlust verstärken oder Schwitzen und Durstgefühl stören. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab, sondern fragen Sie Arzt oder Apotheke, ob Dosis oder Einnahme bei Hitze angepasst werden sollten.
Ein verbreiteter Irrtum betrifft den Ventilator. Solange er die Haut anströmt, hilft er. Doch oberhalb von etwa 40 Grad Lufttemperatur rät die WHO, ihn auszuschalten. Dann wälzt er nur noch heiße Luft um und heizt den Körper zusätzlich auf, je feuchter die Luft, desto schneller. Längerfristig hilft, was viele unterschätzen: körperliche Fitness, denn ein trainiertes Herz-Kreislauf-System verträgt Hitze besser. Nur sollte man das Training nicht ausgerechnet in der Mittagsglut beginnen. Und es zählt die Haltung: Wer sich der Hitze nicht ohnmächtig ausgeliefert fühlt, erträgt sie nachweislich besser, als wer sich tagelang einigelt und nur über die unerträgliche Hitze klagt.
Wo erfahre ich, wie heiß es bei mir wird? Ein einheitliches lokales Hitze-Informationssystem gibt es in Deutschland nicht. Wer „Leipzig Hitzeschutz" googelt, landet schnell auf einem Hitzeaktionsplan von 2024. Verlässlich und tagesaktuell ist der zentrale Weg über den Deutschen Wetterdienst. Drei Werkzeuge reichen, damit Sie nichts verpassen, ohne sich von Apps erschlagen zu lassen.
DIE WICHTIGSTEN HITZE-APPS
WARNWETTER · DWD Die erste Wahl
Amtliche Hitze- und Unwetterwarnungen bis auf Gemeindeebene, inklusive der gefühlten Temperatur. Wer nur eine App installiert, nimmt diese. Android · iPhone
NINA · BEVÖLKERUNGSSCHUTZ Für alle Notlagen
Bündelt die Hitzewarnungen des DWD mit Warnungen für Katastrophen- und Zivilschutz. Sinnvoll, wenn Sie ohnehin eine allgemeine Notfall-App wollen. Android · iPhone
HITZEWARNUNG PER NEWSLETTER Ohne App
Kostenlose Warnung per E-Mail für Ihr Bundesland, ganz ohne Installation. Zur kostenlosen Anmeldung
Viele Städte bündeln zusätzlich eigene Tipps und Karten kühler Orte, etwa Leipzig. Die wichtigsten Verhaltensregeln fasst das Umweltbundesamt im Hitzeknigge zusammen, seit Kurzem auch in Leichter Sprache.
Eine Grenze gibt es, an der gute Vorsätze nicht mehr reichen. Wichtig ist, die zwei Stufen zu kennen. Eine Hitzeerschöpfung kündigt sich an mit blasser, feuchter Haut, Schwäche, Kopfschmerz, Schwindel oder Übelkeit. Dann hilft: raus aus der Hitze, hinlegen, trinken, kühlen. Ein Hitzschlag dagegen ist ein Notfall: heiße, oft trockene Haut, Verwirrtheit, Krämpfe oder Bewusstlosigkeit. Dann gilt sofort der Notruf 112, denn jetzt zählt jede Minute.
Hitze bleibt, also bauen wir uns Kühle
Die gute Nachricht steckt in der schlechten. Dass Hitzewellen häufiger, länger und heißer werden, ist Fakt. Doch fast alles, was hilft, kennen wir schon. Die Wissenschaft hat den Hitzestress vermessen, die Städte Südeuropas haben die Lösungen erprobt, die Medizin weiß, wie wir uns schützen. Es fehlt nicht am Wissen, sondern am Tempo der Umsetzung.
Drei Ebenen greifen ineinander. Wir müssen verstehen, was uns trifft. Wir müssen unsere Städte umbauen, mit mehr Grün, weniger Beton, kühlen Räumen für alle. Und wir können selbst handeln, jeden heißen Tag aufs Neue. Die Stadt der Zukunft wird so gebaut sein, dass es in ihr fast von allein kühl bleibt. Bis dahin zählt jeder Baum, jeder Brunnen und jede offene Kirchentür.
Häufige Fragen zu Hitzestress
Was ist Hitzestress?
Hitzestress ist die Belastung, die entsteht, wenn der Körper mehr Wärme aufnimmt, als er abgeben kann. Fachleute messen ihn als gefühlte Temperatur und unterscheiden drei Stufen: starker Hitzestress ab 32 Grad, sehr starker ab 38 Grad, extremer ab 46 Grad.
Was bedeutet gefühlte Temperatur?
Die gefühlte Temperatur beschreibt, wie heiß sich das Wetter für den Körper anfühlt. Sie verrechnet Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonneneinstrahlung. Bei feuchter Schwüle und Windstille liegt sie deutlich über dem reinen Thermometerwert. Auch der Deutsche Wetterdienst stützt seine Hitzewarnungen darauf.
Ab wann wird Hitze für den Menschen tödlich?
Die entscheidende Größe ist die Kühlgrenztemperatur, auch Feuchtkugeltemperatur genannt. Lange galten 35 Grad als theoretische Überlebensgrenze. Neuere Studien zeigen, dass es für gesunde junge Menschen schon bei rund 31 Grad kritisch wird, für ältere früher. Darüber kann der Körper seine Wärme nicht mehr abgeben.
Warum ertrinken bei Hitze auch junge, gesunde Menschen?
Schuld ist meist der Badetod (Hydrocution), ein thermischer Schock. Springt ein überhitzter Körper in kaltes Wasser, ziehen sich die Gefäße schlagartig zusammen, und zwei Reflexe geraten in Konflikt. Das kann den Herzschlag bis zum Stillstand bringen, auch bei Topfitten. Deshalb erst im Schatten abkühlen und langsam ins Wasser gehen.
Wie viel sollte ich bei Hitze trinken?
Gesunde Erwachsene brauchen laut DGE rund anderthalb bis zwei Liter aus Getränken pro Tag, an heißen Tagen mehr, weil der Körper bis zu zwei Liter zusätzlich verschwitzen kann. Ältere mindestens anderthalb Liter, am besten zimmerwarm. Schwangere, Stillende und Kinder brauchen besonders viel, gesunde Säuglinge dagegen kein zusätzliches Wasser, sondern häufiger die Brust oder Flasche. Ausnahme: Bei Herz- oder Nierenerkrankungen ist die Trinkmenge ärztlich abzuklären.
Helfen Ventilatoren bei großer Hitze?
Bis etwa 40 Grad Lufttemperatur kühlt ein Ventilator, indem er die Haut anströmt. Oberhalb von 40 Grad rät die WHO davon ab: Dann wälzt das Gerät nur heiße Luft um und heizt den Körper zusätzlich auf.
Woher weiß ich, ob für meinen Ort eine Hitzewarnung gilt?
Am verlässlichsten über den Deutschen Wetterdienst: in der kostenlosen WarnWetter-App, im Hitzewarn-Newsletter oder in der NINA-App des Bundes, jeweils bis auf Gemeindeebene. Viele Städte bieten zusätzlich eigene Hitzetipps und Karten kühler Orte.
QUELLEN
- Emerton et al., Nature Climate Change, 22.06.2026: Global heat stress intensification and its expanding footprint on the human population
- WHO Regionalbüro Europa: Gesundheitliche Empfehlungen zu Hitze
- Robert-Koch-Institut: Bericht zur Hitzemortalität
- Deutscher Wetterdienst: Hitzewarnung und gefühlte Temperatur
- Umweltbundesamt: Hitzeknigge
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte Wasser