Sofortprogramm für Klimaanlagen und Solar in Schulen und Kitas gefordert

KLIMAKRISE · 28. Juni 2026

Hitzepolitik: Dröge fordert Offensive für Klima-Solar-Anlagen

Während die Juni-Hitzewelle heute ihren Höhepunkt erlebt, beginnt die Debatte um politische Konsequenzen. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge fordert von Kanzler Friedrich Merz, fünf Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für ein „Abkühl-Sofortprogramm“ und Klima-Solar-Anlagen bereitzustellen. Hauptaugenmerk auf Kitas, Schulen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 5 Min. Lesezeit


"Hitzeflaute" - so lautet ein Begriff, den jetzt das Handelsblatt geprägt hat, der beschreibt, was diese Woche an drei Tagen mit den Strompreisen passiert ist. Deutschland glühte regelrecht unter einem Hitzedom mit Rekordhitze von bis zu 41,5 Grad Celsius im Schatten. Hitzeflaute beschreibt das Phänomen, das die Strompreise in den Abendstunden besonders nach oben schnellen, weil Windstille herrscht und Gaskraftwerke ihre Anfahrkosten auf wenige Stunden verteilen müssen.

Diese Entwicklung zeigt, dass der Einsatz von stromgeführten Klimaanlagen oder anderen Klimageräten, die Abkühlung bieten wollen, derzeit nicht optimal mit Photovoltaik harmoniert. Würde Europa flächendeckend Klimaanlagen einsetzen, würde das in der derzeitigen Situation des Stromnetzes die Stromkosten massiv in die Höhe treiben. Denn auch Atomkraftwerke etwa in Frankreich oder der Schweiz werden aus Umweltschutzgründen in Hitzewellen gedrosselt oder heruntergefahren.

Die Logik, was Deutschland und Europa fehlt, ist also immer die Gleiche: Speicher und Flexibilitäten. In Deutschland hakt es am Ausbau der Smart Meter und an flexiblen Möglichkeiten für Netzanschlüsse. Mit Speichern kann die höhere Last durch Klimaanlagen in den Abend- und Nachtstunden abgefedert werden.

Und: Tagsüber und in der Mittagshitze, wenn Solarstromüberschüsse vorhanden sind, harmonieren Klimaanlagen und Photovoltaik tatsächlich perfekt. Statt abregeln kann der Solarstrom genutzt werden, Schulen, Kitas und andere Gebäude kühl zu halten.

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Deutschland ist insbesondere auf den Hitze-Schutz vulnerabler Gruppen schlecht vorbereitet. In Frankreich und speziell Paris hat die Regierung nach Tausenden Schulschließungen Sofortmaßnahmen angekündigt. Ganz ähnliche Forderungen stellen in Deutschland die Grünen. „Deutschland braucht ein Abkühl-Sofortprogramm, um Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen zu klimatisieren“, sagte Dröge der Bild am Sonntag. Die Grünen-Politikerin fordert dabei „volles Tempo beim Ausbau von Klimaanlagen in Verbindung mit Solaranlagen“.

Mit fünf Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für Klimaschutz und Infrastruktur könnten die Kommunen unterstützt werden, etwa ihre KItas und Schulen kombiniert mit Klimaanlagen und Solaranlagen auszustatten, fordert Katharina Dröge im ntv-Frühstart. Klima-Solar-Anlagen dort zusätzlich zu integrieren, wo Hitzeschutz oft schon durch KITA- oder Schulprogramme auf natürliche Weise gelebt wird, erscheint als Sofortprogramm besonders zielführend.

AnpaSo: Passendes Förderprogramm ohne Förderfenster

Hitzeschutz ist Aufgabe der Kommunen, die allerdings unter schlechter Finanzierung ächzen. Pikant ist, dass die Bundesregierung ein passendes Unterstützungsprogramm hätte: AnpaSo - „Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen“ nennt es sich. Doch der Förderträger, die Zukunft - Umwelt- Gesellschaft gGmbH teilt auf der Webseite mit, dass derzeit keine Projekte gefördert werden. Das Umweltministerium hat das Programm im Januar ausgesetzt.

Die Historie von AnpaSo zeigt einen starken Beginn im ersten Förderfenster 2020: 600 Anträge mit 100 Millionen Euro Förderbedarf wurden gestellt. Das bis 2022 veranschlagte Fördervolumen in einem Förderfenster zu 2/3 verbraucht. Doch danach wurde die Finanzausstattung schmaler statt breiter: In einem der folgenden Fenster wählte das Ministerium 100 Modellprojekte mit zusammen nur 11,85 Millionen Euro aus.

2023 schließlich stellte die Ampel auf reine Modellförderung um, was insbesondere die Caritas als „seitdem kaum mehr wirksam" kritisiert. Im letzten Fenster 2024 wurden dann nur rund 26 Prozent der Anträge bewilligt, über 57 Millionen Euro Antragsvolumen gingen leer aus. 2026 schließlich gibt es gar kein neues Förderfenster mehr. Geblieben ist eine Mailingliste für den Fall, dass sich das nochmal ändern sollte.

Die Hitzepolitik von Bund, Ländern und Kommunen braucht, das zeigt diese zweite Hitzewelle des Jahres überdeutlich, eine Neujustierung. Neben einem Sofortprogramm etwa für Klima-Solar-Anlagen braucht es Hitzeschutzpläne, die auf die neue Gewissheit von flächendeckenden Temperaturen weit über 40 Grad hinaus greifen. Die teils auch als Kulturkampf angelegte Debatte um Klimaanlagen hat gerade erst begonnen.

Denn klar ist auch: Klimaanlagen sind dort ideal, wo tagsüber mit Solarstrom Gebäude kühl gehalten werden - aber in der Nacht durch offene Fenster und Durchzug gelüftet wird. Sie tragen aber auch dazu bei, dass sich städtische Räume weiter erhitzen. Neben diesen Klima-Solar-Anlagen braucht es mehr Bäume, mehr Schatten- und Wasserplätze, weniger Raum für Autos in den Städten und all die Maßnahmen, die heutige Hitzezentren zu lebenswerten Räumen für alle Menschen, auch die, die besonders verletzlich sind, machen.

Wie Klima-Solar-Anlagen und Hitzeflaute zusammenpassen

Noch ein Gedanke zur Hitzeflaute: Klimaanlagen (bzw. Klima-Solar-Anlagen) etwa in Schulen, KItas und Pflegeeinrichtungen einbauen, ohne die Strompreis-Folgen der Hitzeflaute zu verstärken, ist der richtige Ansatz. Generell gilt aber auch: Wenige Abendstunden mit hohen Strompreisen stehen vielen Stunden mit sehr niedrigen Strompreisen dank Photovoltaik entgegen. Das sollte bei der Diskussion über angeblich so hohe Systemkosten zwingend mitbedacht werden.

Wie das kostenoptimale Energiesystem 2045 aussieht, haben gerade Forscher vom Fraunhofer ISE vorgestellt.

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