Flender verzichtet im Windgenerator auf Magnete

WINDKRAFT · 22. SEPTEMBER 2026

Flender baut Generator ohne Seltene Erden für große Windturbinen

Der Antriebsspezialist Flender stellt heute auf der WindEnergy Hamburg Winergy GENERA vor, einen Generator ohne Seltene Erden. Er soll auch in Windturbinen über zehn Megawatt ohne Permanentmagnete auskommen.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. Lesezeit LESEN


Flender versteht GENERA als validiertes Designkonzept, aus dem das Unternehmen für einzelne Turbinenprojekte passende Generatoren zusammenstelle. Die Basis bildet ein doppelt gespeister Asynchrongenerator, kurz DFIG. Diese Bauweise ist in der Windbranche seit Jahren verbreitet und braucht grundsätzlich keine Permanentmagnete.

Neu ist der Einsatz in der Leistungsklasse über zehn Megawatt. Dort setzten alternative Generatorkonzepte in der Regel auf Permanentmagnete mit Seltenen Erden, teilte Flender mit. GENERA verzichte auch in dieser Klasse vollständig auf Magnete. Flender zeigt den Generator bis zum 25. September am Stand seiner Windenergie-Marke Winergy in Halle B5.

Freigestelltes blaues Winergy-REVO-Getriebe links neben dem blauen Winergy-GENERA-Generator
Optimiert für den gesamten Antriebsstrang: GENERA entfaltet sein volles Potenzial in Kombination mit dem Winergy-Getriebekonzept REVO. FOTO: FLENDER

Europas Abhängigkeit von China bei Seltenen Erden liegt vor allem in der Raffination der Rohstoffe für Permanentmagnete. Nach einer Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) wird China bis 2035 rund 80 Prozent der Seltenen Erden liefern. Ein Generator ohne Seltene Erden hängt an dieser Lieferkette nicht.

GENERA fällt kürzer und leiser aus als der Vorgänger

GENERA erreiche eine Leistungsdichte von bis zu 700 Watt pro Kilogramm. Das seien zehn Prozent mehr als bei der Vorgängerversion und bei vergleichbaren Konkurrenzprodukten. Nach Angaben von Flender ist dieser Wert „derzeit in der Windindustrie unübertroffen".

Der Generator sei 25 Prozent kürzer als die Vorgängergeneration und passe dadurch auch in Anlagen über zehn Megawatt in die Gondel. Für den Transport reichten weiterhin Standard-Lkw und Container. Ein 80 Meter langes Rotorblatt braucht dagegen einen aufwendigen Schwertransport.

Externe Kühlventilatoren braucht GENERA laut Flender nicht, damit entfalle der Hilfsstrom für die Kühlung. Das erhöhe die jährliche Stromerzeugung der Turbine, eine Zahl nennt das Unternehmen nicht. Der hörbare Betriebsschall liege sechs Dezibel unter dem der Vorgängergeneration. Projektierer bekämen damit mehr Spielraum an lärmempfindlichen Standorten.

Flender bietet die Wicklung auch aus Aluminium an

Turbinenhersteller können die Wicklungen des Generators wahlweise aus Kupfer oder Aluminium bestellen, das schlechter leitet und deshalb mehr Leiterquerschnitt braucht. Die Kupferknappheit treibt solche Alternativen in vielen Branchen voran.

Die IEA erwartet im Global Critical Minerals Outlook 2026 für 2035 ein Angebotsdefizit bei Kupfer von rund 25 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte die Agentur noch rund 30 Prozent veranschlagt. Neue Minenprojekte vor allem in der Demokratischen Republik Kongo und in Sambia haben die Lücke seither verkleinert.

Europas Turbinenbauer stehen unter Preisdruck aus China

GENERA lasse sich mit jedem Getriebe kombinieren, sei aber auf das hauseigene Getriebekonzept Winergy REVO abgestimmt. REVO habe als erstes Antriebskonzept eine Drehmomentdichte von 300 Newtonmeter pro Kilogramm erreicht. Flender-Chef Andreas Evertz begründet den Aufwand mit dem Preisdruck: Jedes eingesparte Kilogramm Material und jeder Effizienzpunkt mache Windenergie wettbewerbsfähiger. Die Wettbewerbsfähigkeit bestimme, wie schnell die Branche ausbauen könne.

Chinesische Hersteller bieten ihre Turbinen 20 bis 40 Prozent günstiger an, die europäischen Hersteller verhandeln über Zusammenschlüsse.

Flender sitzt in Bocholt und beschäftigt mehr als 8.000 Menschen in 34 Ländern, die Getriebe, Kupplungen und Generatoren für Industrie und Windkraft bauen. Carlyle hatte Flender 2021 von Siemens übernommen. Im Juni 2026 kündigte der Finanzinvestor Triton Partners die Übernahme von Flender an, der Abschluss ist für das vierte Quartal 2026 geplant.

QUELLEN

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  1. Flender: Flender stellt GENERA vor: Neues Generator-Konzept für Windkraftanlagen, Pressemitteilung, 22. September 2026.
  2. IEA: Global Critical Minerals Outlook 2026 - Executive summary, 2026.
  3. IEA: Global Critical Minerals Outlook 2025 - Overview of outlook for key minerals, 2025.
  4. Triton Partners: Triton Partners to acquire Flender from Carlyle, 3. Juni 2026.
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