PHOTOVOLTAIK · 26. SEPTEMBER 2026

Vorteile und Nachteile von Photovoltaik: Was 2026 wirklich zählt
Solarstrom vom eigenen Dach kostet einen Bruchteil des Netzstroms, doch die Einspeisevergütung verliert an Gewicht und die EEG-Reform ändert die Regeln für neue Anlagen. Welche Vorteile und Nachteile von Photovoltaik heute zählen, mit Zahlen zu Kosten, Klimabilanz und Brandrisiko.
Eine Solaranlage auf dem eigenen Dach spart heute vor allem deshalb Geld, weil jede selbst verbrauchte Kilowattstunde teuren Netzstrom ersetzt. Die Einspeisevergütung spielt dabei nur noch eine Nebenrolle. Neue Anlagen bis zehn Kilowatt bekommen seit August 2026 noch 7,70 Cent pro eingespeister Kilowattstunde, Haushaltsstrom kostet laut BDEW im Schnitt 37,0 Cent.
Damit verschieben sich die Vorteile und Nachteile von Photovoltaik. Wer tagsüber viel Strom braucht, etwa für Wärmepumpe oder Elektroauto, profitiert stärker als je zuvor. Wer fast alles einspeist, verdient weniger, und mit der geplanten EEG-Reform ab 2027 wird das Einspeisen für neue Anlagen noch unattraktiver.
Die Technik selbst hat sich dagegen weiter verbessert: Die Preise pro Kilowatt Leistung sinken mit der Anlagengröße deutlich, eine Anlage holt die für ihre Herstellung nötige Energie nach ein bis zwei Jahren wieder herein, und das Brandrisiko ist nachweislich gering.
Inhalt
Welche Vorteile hat Photovoltaik?
Der größte Vorteil ist der niedrige Preis des eigenen Stroms. Kleine Dachanlagen erzeugen laut Fraunhofer ISE Strom für 6 bis 14 Cent pro Kilowattstunde, Netzstrom kostet Haushalte laut BDEW-Strompreisanalyse vom August 2026 im Schnitt 37,0 Cent.
Jede Kilowattstunde, die im Haus verbraucht statt aus dem Netz bezogen wird, spart also die Differenz. Die Verbraucherzentrale beziffert diese Ersparnis auf 30 bis 40 Cent pro selbst genutzter Kilowattstunde und hält Photovoltaik deshalb in den meisten Fällen weiterhin für wirtschaftlich.
Dazu kommen steuerliche Erleichterungen. Seit 2023 fällt auf Kauf und Installation privater Anlagen auf Wohngebäuden keine Umsatzsteuer mehr an, Batteriespeicher eingeschlossen. Anlagen bis 30 Kilowatt Peak auf Einfamilienhäusern sind zudem von der Einkommensteuer befreit. Photovoltaik macht außerdem unabhängiger von Preissprüngen am Strommarkt, und sie verbindet sich gut mit Wärmepumpe, Elektroauto und intelligentem Messsystem.
Auch das Stromsystem profitiert. Nach einer Enervis-Studie für den Bundesverband Solarwirtschaft senkte Solarstrom die Großhandelspreise 2025 im Schnitt um 20,8 Prozent, Details dazu im Artikel Photovoltaik senkt Strompreise.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Eigener Solarstrom ersetzt Netzstrom für rund 37 Cent pro Kilowattstunde | Einspeisen bringt nur noch 7,70 Cent, ab 2027 für Neuanlagen voraussichtlich weniger |
| Stromgestehungskosten kleiner Dachanlagen: 6 bis 14 Cent pro Kilowattstunde | Hohe Anfangsinvestition, bei kleinen Anlagen über 2.000 Euro pro Kilowatt |
| Energetische Amortisation nach 0,9 bis 2,1 Jahren | Erzeugung im Winter und abends gering, Speicher kostet extra |
| Keine Umsatzsteuer auf Anlage und Speicher für Wohngebäude | Geplante 50-Prozent-Grenze für die Einspeiseleistung neuer Anlagen |
| Senkt die Börsenstrompreise für alle Stromkunden | Keine Vergütung in Stunden mit negativen Börsenpreisen |
Welche Nachteile hat Photovoltaik?
Der wichtigste Nachteil ist die hohe Anfangsinvestition, die sich erst über viele Jahre zurückzahlt. Dazu kommt, dass eine Solaranlage genau dann wenig liefert, wenn der Strombedarf hoch ist: im Winter und am Abend.
Wer den Tagesstrom in den Abend verschieben will, braucht einen Batteriespeicher. Der kostet laut Auswertung der Verbraucherzentrale je nach Größe 360 bis 510 Euro pro Kilowattstunde Kapazität, ohne Umsatzsteuer. Ob sich das rechnet, hängt stark vom Verbrauchsprofil ab.
Politisch wird das Einspeisen unsicherer. Seit dem Solarspitzengesetz vom 25. Februar 2025 gibt es für neue Anlagen in Stunden mit negativen Börsenpreisen keine Vergütung. Neue Anlagen ohne intelligentes Messsystem (Smart Meter) dürfen bis zu dessen Einbau nur 60 Prozent ihrer Leistung einspeisen. Mit der EEG-Novelle, die das Kabinett am 29. Juli 2026 beschlossen hat, soll die Einspeiseleistung kleiner und mittlerer Dachanlagen dauerhaft auf 50 Prozent begrenzt werden, wie Cleanthinking zur Wirkleistungsbegrenzung berichtet hat.
Weitere Punkte sind praktischer Natur: Das Dach muss statisch geeignet und im besten Fall noch viele Jahre intakt sein, Planung und Anmeldung beim Netzbetreiber kosten Zeit, und der Zählerschrank muss oft angepasst werden. Dass Netzbetreiber kleine Anlagen häufig abregeln, gehört dagegen nicht zu den realen Nachteilen, wie ein Faktencheck zur Abregelung zeigt.
Was kostet eine Photovoltaikanlage 2026?
Eine Anlage mit rund zehn Kilowatt Leistung kostet nach Angeboten, die die Verbraucherzentrale ausgewertet hat, etwa 1.400 Euro pro Kilowatt Peak, also rund 14.000 Euro ohne Speicher. Je größer die Anlage, desto günstiger wird jedes zusätzliche Kilowatt, weil Gerüst, Planung und Anschluss unabhängig von der Größe anfallen.
| Anlagengröße | Preis pro Kilowatt Peak |
|---|---|
| 4 bis 6 kWp | 2.090 Euro |
| über 6 bis 8 kWp | 1.820 Euro |
| über 8 bis 9 kWp | 1.520 Euro |
| über 9 bis 10 kWp | 1.410 Euro |
| über 10 bis 12 kWp | 1.290 Euro |
| über 12 bis 14 kWp | 1.240 Euro |
| über 14 bis 16 kWp | 1.220 Euro |
| über 16 kWp | 1.010 Euro |
Die Spannweite innerhalb jeder Größenklasse ist groß. Die Verbraucherzentrale rät deshalb, mehrere Angebote einzuholen. Wer nur einen Teil seines Verbrauchs decken will und keine Dachanlage bauen kann, findet mit einem Steckersolargerät einen günstigen Einstieg, die Rechnung dazu zeigt der Ertragsrechner für Balkonkraftwerke.
Lohnt sich Photovoltaik ohne hohe Einspeisevergütung noch?
Ja, für die meisten Eigenheime rechnet sich eine Solaranlage weiterhin, sie verdient ihr Geld aber über den Eigenverbrauch, nicht über das Einspeisen. Eine selbst genutzte Kilowattstunde ist rund fünfmal so viel wert wie eine eingespeiste.
Für Anlagen, die bis Ende 2026 ans Netz gehen, gilt die heutige Vergütung für 20 Jahre. Laut ADAC sind das bis zehn Kilowatt 7,70 Cent bei Überschusseinspeisung und 12,22 Cent bei Volleinspeisung, die nächste Absenkung um ein Prozent folgt am 1. Februar 2027.
Danach ändert sich das System. Nach dem Kabinettsbeschluss zur EEG-Novelle sollen Anlagen unter 25 Kilowatt aus der festen Förderung in den Markt entlassen werden, mit einem vierjährigen Direktvermarktungsbonus als Starthilfe. Das Gesetz ist noch nicht verabschiedet, Details können sich im Bundestag ändern. Was das konkret für Hausbesitzer heißt, erklärt der Artikel Solaranlage 2027, den Überblick über die gesamte Reform liefert der Erklär-Hub zum EEG 2027.
Für die Planung heißt das: Die Anlage so auslegen, dass möglichst viel Strom im Haus bleibt. Die HTW Berlin kam in einer Studie zur Dimensionierung zu dem Ergebnis, dass mehr als zwei Kilowatt Leistung pro 1.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch den Autarkiegrad kaum noch erhöhen, sofern keine weiteren Verbraucher wie Wärmepumpe oder Elektroauto hinzukommen.
Wie klimafreundlich ist Solarstrom wirklich?
Solarstrom verursacht über den gesamten Lebenszyklus nur einen Bruchteil der Emissionen fossiler Kraftwerke. Eine Ökobilanz im Auftrag des Umweltbundesamts beziffert die Treibhausgasemissionen je nach Modultyp auf 17 bis 63 Gramm CO2-Äquivalent pro Kilowattstunde, bei Erdgas sind es rund 490 Gramm, bei Braunkohle rund 1.140 Gramm.
Die Energie, die für Herstellung, Transport und Montage nötig ist, holt eine Anlage in Deutschland laut derselben Studie nach 0,9 bis 2,1 Jahren wieder herein. Monokristalline Siliziummodule liegen am oberen Ende dieser Spanne.
Das Recycling alter Module verbessert die Bilanz zusätzlich um drei bis 15 Prozent. Hersteller sind in Deutschland verpflichtet, ausgediente Module zurückzunehmen.
Wie lange hält eine Solaranlage?
Solarmodule liefern über Jahrzehnte Strom, ihr Ertrag sinkt dabei langsam. Fraunhofer ISE rechnet in seinen Kostenvergleichen mit einer Ertragsminderung von 0,5 Prozent pro Jahr.
Nach 20 Jahren liefert ein Modul damit noch rund 90 Prozent seiner ursprünglichen Leistung. Die Einspeisevergütung läuft 20 Jahre plus das Jahr der Inbetriebnahme, der Eigenverbrauch lohnt sich auch danach weiter. Neue Zelltechniken wie die Perowskit-Tandemzelle versprechen in den kommenden Jahren höhere Wirkungsgrade auf gleicher Fläche.
Wie groß ist die Brandgefahr bei Solaranlagen?
Das Brandrisiko von Solaranlagen ist gering. Ein Forschungsprojekt von TÜV Rheinland und Fraunhofer ISE fand bei über 1,5 Millionen Anlagen in Deutschland rund 210 Fälle, in denen die Photovoltaik einen Brand ausgelöst hatte, in 130 davon blieb der Schaden auf die Anlage selbst begrenzt.
Die Forscher empfahlen besser geschulte Installateure, technische Prüfungen und neue Techniken zur Erkennung von Lichtbögen. Sie rechneten zugleich damit, dass die Zahl der Fälle mit dem Alter der Anlagen steigt, weil Isolationsfehler und Kontaktprobleme zunehmen. Regelmäßige Prüfungen durch einen Fachbetrieb senken dieses Risiko.
Was bedeutet Photovoltaik für Stromnetz und Strompreis?
Photovoltaik senkt die Börsenstrompreise, weil Solarstrom praktisch keine Grenzkosten hat und teure Gaskraftwerke aus dem Markt drängt. An sonnigen Feiertagen wie dem 1. Mai 2026 drückt der Überschuss die Preise sogar ins Negative.
Daraus entsteht die neue Rolle privater Anlagen: Sie sollen Strom zur Mittagszeit selbst nutzen oder speichern, statt ihn ins volle Netz zu drücken. Warum dynamische Stromtarife dabei helfen, zeigt die Analyse Das Paradox der Solarflut.
Offen ist, wie Prosumer künftig an den Netzkosten beteiligt werden. Die Bundesnetzagentur hat einen Aufschlag auf den Netzentgelt-Grundpreis für Haushalte mit Solaranlage ab 2029 vorgeschlagen, entschieden ist noch nichts. Die Kritik daran steht im Kommentar zum Stromnetzsoli.
QUELLEN
- BDEW: BDEW-Strompreisanalyse, Ausgabe August 2026.
- ADAC: Einspeisevergütung: So viel Förderung gibt es für Solarstrom 2026 und 2027, 01.09.2026.
- Bundesregierung: Kabinett beschließt EEG-Novelle und Netzpaket, 29.07.2026.
- Verbraucherzentrale: Was kostet eine Photovoltaikanlage?, 28.08.2026.
- Verbraucherzentrale: Lohnt sich Photovoltaik? Experten der Verbraucherzentrale geben Antwort, 15.09.2025.
- Verbraucherzentrale: Photovoltaik: Weniger Steuern und Bürokratie für private Haushalte.
- Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fassung vom 20.08.2026.
- Umweltbundesamt: Aktualisierung und Bewertung der Ökobilanzen von Windenergie- und Photovoltaikanlagen, Climate Change 35/2021.
- HTW Berlin: Sinnvolle Dimensionierung von Photovoltaikanlagen für Prosumer, März 2019.
- Bundesverband Solarwirtschaft: TÜV Rheinland mit Fraunhofer ISE: Projekt zu Brandrisiken bei Photovoltaik-Anlagen abgeschlossen, 16.04.2015.