DÜRRE IN BOLIVIEN, BLÜTE IN CHILE · 2. NOVEMBER 2026

Bolivien ruft wegen El Niño den Notstand aus, die Atacama blüht
Boliviens Präsident Rodrigo Paz hat wegen El Niño den Notstand ausgerufen, mehr als 114.000 Familien melden Schäden durch Trockenheit. Jenseits der Anden hat Rekordregen die Atacama in Chile auf rund 17.000 Quadratkilometern zum Blühen gebracht.
Paz unterzeichnete das Dekret 5759 am Samstag, 31. Oktober. Das berichtet der bolivianische Sender Red Uno. Empfohlen hatte den Schritt einen Tag zuvor der nationale Katastrophenschutzrat Conarade. Das Dekret gilt für die El-Niño-Saison 2026/27 und erfasst neben der Dürre auch Frost, Hagel, Waldbrände, Überschwemmungen und Dammbrüche.
Mit dem Notstand kann die Regierung Notfallreserven freigeben und Ministerien, Departements und Gemeinden gemeinsam einsetzen. Betroffen sind vor allem das Hochland Altiplano, die Täler und der Chaco im Süden. Bolivien habe diesmal entschieden, bevor die Folgen voll einschlagen, sagte Paz laut Euronews. Er rechne mit Dürre in einigen Regionen und Starkregen in anderen.
Seit dem 1. Juni hat die Regierung 114.048 Familien registriert, die von der Trockenheit betroffen sind. Bei 35.831 von ihnen sind bereits Ernten oder Tiere verloren, meldet die Zeitung El Deber unter Berufung auf Verteidigungsminister Ernesto Justiniano. Auf 167.511 Hektar sind Felder geschädigt, 60.106 Hektar gelten als verloren. Dazu kommen 75.013 verendete Nutztiere in 63 Gemeinden.
Chiles Atacama-Wüste blüht auf 17.000 Quadratkilometern
Auf der anderen Seite der Anden fällt in der Atacama an vielen Orten im Jahr kaum Regen. Zwischen Juli und September brachten Frontensysteme dort Rekordmengen, in Vallenar bis zu 183,5 Millimeter. Der chilenische Wetterdienst zählte allein das Regenereignis vom 14. bis 21. Juli zu den stärksten Juli-Ereignissen seit Jahrzehnten, berichtet El Mostrador.
Der Regen weckt Samen und Zwiebeln, die jahrelang im trockenen Boden überdauern. Die chilenische Forstbehörde Conaf beziffert die Fläche der sogenannten Desierto Florido inzwischen auf rund 17.000 Quadratkilometer, 23 Prozent der Region Atacama. Das meldet die Agentur EFE. Im Nationalpark Llanos de Challe hat Conaf mehr als 220 Pflanzenarten erfasst, darunter die bedrohte Garra de León. Einzelne Arten blühen bis in den Dezember.
Derselbe Regen löste in der Region Überschwemmungen und Schlammlawinen aus, Dutzende Häuser wurden beschädigt. EFE ordnet die Blüte als eine der größten seit 1997 ein. Conaf bittet Besucher, auf den Wegen zu bleiben, weil Fußtritte die Samen für kommende Jahre zerstören.
Der zentrale Pazifik ist 2,1 Grad zu warm
Die US-Wetterbehörde NOAA maß im September im zentralen Pazifik eine Abweichung von 2,1 Grad Celsius über dem Mittel. Das steht in ihrer ENSO-Lageeinschätzung vom 8. Oktober. Die Wahrscheinlichkeit, dass El Niño von Oktober bis Dezember stärker wird als jedes Ereignis seit 1950, gibt NOAA mit 83 Prozent an. Wie Forscher diese Stärke messen, erklärt unser Beitrag zu El Niño und ENSO.
Ein starker El Niño verschiebt in Südamerika die Niederschläge. Im Norden Chiles fallen dann im Südwinter häufiger kräftige Regen, das bolivianische Hochland bleibt eher trocken. Auch die großen Wüstenblüten von 1997 und 2015 fielen in El-Niño-Jahre. EFE führt die diesjährigen Rekordregen auf El Niño zurück; eine Attributionsstudie für das einzelne Ereignis liegt nicht vor.
Den Höhepunkt des Ereignisses erwartet NOAA zum Jahreswechsel, Bolivien hat den Notstand also vorher ausgerufen. Allianz Research hat die Kosten von El Niño für 144 Volkswirtschaften auf netto 451 Milliarden Dollar beziffert. Kalifornien hatte bereits im September wegen El Niño den Notstand ausgerufen, bevor der erste Wintersturm kam.
QUELLEN
- EFE via El Salvador.com: El desierto de Atacama vive una histórica floración por El Niño, 1. November 2026.