Speicherbetreiber veranschlagen 56 Milliarden Euro für Wasserstoffspeicher

SALZKAVERNEN ALS ENERGIERESERVE · 6. NOVEMBER 2026

Deutschland müsste 49 neue Wasserstoffspeicher bauen

Die Umrüstung alter Erdgasspeicher deckt bis 2045 nur gut ein Drittel des Bedarfs an Wasserstoffspeichern. Für den Rest müssten laut einer DBI-Studie neue Wasserstoffspeicher in Salzkavernen entstehen, mit bis zu zehn Jahren Vorlauf.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. LESEN


Die DBI Gas- und Umwelttechnik aus Leipzig hat für die Initiative Energien Speichern (INES) durchgerechnet, wie Deutschland bis 2045 Wasserstoffspeicher mit 94,6 Terawattstunden aufbauen könnte. INES ist der Verband der Betreiber deutscher Gas- und Wasserstoffspeicher. Nach der Modellierung ließen sich 26 Kavernen- und zwei Porenspeicher umstellen, die zusammen 35,7 Terawattstunden bereitstellen. Die übrigen 59,5 Terawattstunden müssten 49 neue Kavernenspeicher liefern.

Für die Umstellung veranschlagt die Studie rund 18 Milliarden Euro, für den Neubau 37,6 Milliarden Euro. Ein neuer Speicher mit acht Kavernen kostet im Modell knapp 770 Millionen Euro. Gut 100 Millionen davon kostet die erste Füllung mit Wasserstoff. Der größte Teil steckt im Kissengas, das dauerhaft in der Kaverne bleibt und den Druck hält. 2022 hatte die Vorgängerstudie noch Investitionen von bis zu 12,8 Milliarden Euro errechnet, allerdings mit kleinerem Bedarf und anderer Rechenbasis.

DBI-Studie: Wasserstoffspeicherbedarf 2045 von 94,6 TWh, davon 35,7 TWh aus umgestellten und 59,5 TWh aus 49 neuen Kavernenspeichern, Investitionen rund 56 Milliarden Euro
Grafik: DBI Gas- und Umwelttechnik / INES, Wasserstoff speichern - so viel ist sicher 2.0

Wasserstoff speichert pro Kubikmeter ein Drittel der Energie von Erdgas

Die 43 deutschen Untergrundspeicher, die die Studie berücksichtigt, fassen heute Erdgas mit einem Energiegehalt von rund 251 Terawattstunden. Mit reinem Wasserstoff gefüllt, blieben davon rund 55 Terawattstunden übrig, gut ein Fünftel. Ein Normkubikmeter Wasserstoff trägt nach den Werten der Studie 3,54 Kilowattstunden, Erdgas in den Speichern rund elf. Zugleich schrumpft das nutzbare Arbeitsgas bei der Umstellung von 22,9 auf 15,6 Milliarden Kubikmeter.

Kavernenspeicher sind ausgespülte Hohlräume im Salzgestein, Porenspeicher nutzen poröses Gestein früherer Lagerstätten. Salzkavernen gelten als gut geeignet für Wasserstoff. Elf Porenspeicher erfüllen die Voraussetzungen nach Einschätzung der Autoren voraussichtlich nicht und bleiben im Modell beim Erdgas.

Für die Umstellung eines Erdgasspeichers rechnet die Studie mit sieben Jahren, für den Neubau mit bis zu zehn Jahren. Umgestellte Speicher gehen im Modell frühestens 2033 in Betrieb, neue Kavernen ab 2035. Damit sie rechtzeitig bereitstehen, hätten erste Neubauprojekte nach Darstellung von INES bereits angestoßen werden müssen.

Die Wasserstoffspeicher, die heute gebaut oder konkret geplant werden, kommen laut Studie zusammen auf deutlich weniger als eine Terawattstunde. Uniper rüstet in Krummhörn eine Kaverne um (mehr dazu). Der erste kommerzielle Speicher entsteht bei RWE in Gronau-Epe im Münsterland: zwei Kavernen mit rund 38 Millionen Kubikmetern Arbeitsgas, kommerzieller Betrieb ab Juli 2027. Das entspricht etwa einem Neuntel eines einzigen Beispielspeichers aus der Studie.

Wasserstoff soll künftig auch Kraftwerke versorgen. Am Dienstag hat die Bundesnetzagentur Zuschläge an elf Gaskraftwerke mit rund 5.160 Megawatt vergeben, Batteriespeicher gingen leer aus. Drei davon gingen an RWE, das in Voerde, Weisweiler und Werne wasserstofffähige Gaskraftwerke bauen will. Sollen sie in einer windarmen Winterwoche mit Wasserstoff laufen, muss er vorher eingelagert sein.

Speicherbetreiber fordern Differenzverträge für neue Wasserstoffspeicher

INES verlangt deshalb einen Förderrahmen über Differenzverträge. Dabei sichert der Staat einen vereinbarten Erlös ab und gleicht die Differenz zum Marktpreis aus. Das begrenze die wirtschaftlichen Risiken in der Hochlaufphase und schaffe Investitionssicherheit, teilte der Verband mit. „Angesichts der langen Entwicklungszeiten ist weiteres Abwarten keine Option“, sagt INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann.

Die Studie selbst hält fest, dass Betreiber nur dann umstellen oder neu bauen, wenn sich die Investition für sie rechnet. Eine reine Betrachtung der Investitionskosten reiche in der Praxis nicht aus. Im September hatte INES bereits einen Aktionsplan für den Gasspeichermarkt vorgelegt.

Deutschland kann die Reserve auch mit Methanol oder Ammoniak anlegen

Die 94,6 Terawattstunden stammen aus dem Langfristszenario „O45-Strom“, das das damalige Bundeswirtschaftsministerium 2024 veröffentlicht hat. Es unterstellt für 2045 eine Wasserstoffnachfrage von 305 Terawattstunden. Eine Studie der TU Berlin hält die künftige Wasserstoffnachfrage für deutlich überschätzt. Für den Rest, der Moleküle braucht, setzt sie auf Methanol statt Wasserstoff.

Eine Reserve für mehrere windarme Winterwochen braucht ein Stromsystem aus Wind und Sonne trotzdem, Batterien decken Stunden und Tage ab. Wasserstoff in Salzkavernen ist eine Form dieser Reserve. Ammoniak lässt sich ab acht bar flüssig in Tanks lagern, Methanol ist bei Raumtemperatur flüssig. Die Studie lässt 2045 noch 15 Erdgasspeicher mit rund 91 Terawattstunden im System. Die methanreichen Gase darin können laut Definition der Autoren auch biologisch oder synthetisch erzeugt sein.

QUELLEN

  1. DBI Gas- und Umwelttechnik im Auftrag von INES: Wasserstoff speichern - so viel ist sicher 2.0, Aktualisierung der Transformationspfade für Gasspeicher, Abschlussbericht, November 2026.
  2. Initiative Energien Speichern (INES): Wasserstoffhochlauf unter Zeitdruck: Neue Studie zeigt Handlungsbedarf bei Speichern, Pressemitteilung, November 2026.
0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet
Nach oben scrollen
0
Ihre Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x