KOSTENVERGLEICH FÜR SCHWERE LKW · 30. SEPTEMBER 2026
Daimler TruckDeutsche Speditionen sparen mit E-Lkw 85.000 Euro gegenüber Diesel
Über fünf Jahre kommt ein deutsches Transportunternehmen mit einer elektrischen Sattelzugmaschine 85.400 Euro günstiger weg als mit einem Diesel. Das hat Transport & Environment berechnet. Die Investition rechne sich nach zwei Jahren.
Die Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) hat die Gesamtkosten schwerer Lkw in neun EU-Ländern verglichen. Gemeint sind Kaufpreis, Energie, Maut, Wartung und Versicherung über fünf Jahre. In sechs Ländern schneidet der batterieelektrische Sattelzug schon heute besser ab: in den Niederlanden, Deutschland, Dänemark, Schweden, Frankreich und Belgien. Auf diese Märkte entfallen 46 Prozent aller neu verkauften schweren Lkw in der EU.
Das Modell unterstellt eine Sattelzugmaschine, die 116.000 Kilometer im Jahr fährt und per Kredit finanziert wird. Löhne für Fahrer*innen und steuerliche Abschreibungen rechnet T&E nicht ein. Kaufprämien fließen nur ein, wenn sie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung galten, in Deutschland also keine.
T&E legte die Rechnung wenige Tage vor dem Start des Tankrabatts vor. Vom 1. Oktober bis Jahresende sinkt die Energiesteuer auf Diesel um 14,04 Cent je Liter, mit Mehrwertsteuer um knapp 17 Cent. Der Bundesrat billigte das Gesetz am 25. September (mehr dazu: Klimageld statt Tankrabatt).
Elektrische Lkw seien „der beste Schutz vor Schocks am Ölmarkt", sagt Johanna Braun, Managerin für E-Mobilität im Bereich Lkw bei T&E Deutschland. Der Tankrabatt wiege tausende Unternehmen dagegen in falscher Sicherheit und verlängere die Abhängigkeit vom importierten Diesel. Den Vorteil von 85.400 Euro rechnet T&E mit dem durchschnittlichen Dieselpreis von 2025. Bei den derzeit hohen Dieselpreisen steige er auf 106.000 Euro.
Deutschland befreit E-Lkw bis 2031 von der Maut
T&E nennt drei Stellschrauben: Kaufpreis, Maut und Energiekosten. Bei der Maut liegt Deutschland vorn. Der Bund hat die Mautbefreiung für emissionsfreie Lkw Ende 2025 bis Ende Juni 2031 verlängert. Diesel-Lkw zahlen dagegen einen CO2-Aufschlag von 200 Euro je Tonne. Deutsche Speditionen sparen mit E-Lkw allein bei der Maut 116.300 Euro über fünf Jahre, mehr als in jedem anderen untersuchten Land.
Der zweite Posten ist die THG-Quote. Wer seine Lkw im eigenen Depot lädt, kann die eingesparten Emissionen als Zertifikat an Mineralölkonzerne verkaufen, die damit ihre gesetzliche Klimaquote erfüllen. T&E setzt dafür in Deutschland 29.900 Euro über fünf Jahre an. Außer Deutschland lassen nur die Niederlande und Belgien solche Erlöse auch für das Laden im Depot zu.
Beim Strom zahlen deutsche Speditionen dagegen am meisten. T&E rechnet mit 0,23 Euro je Kilowattstunde für gewerbliche Abnehmer, in Schweden sind es 0,10 Euro. Netzentgelte, Steuern und Umlagen machen hierzulande 51 Prozent des Preises aus. Trotzdem entfallen beim deutschen E-Lkw nur 25 Prozent der Gesamtkosten auf den Strom, beim Verbrenner 30 Prozent auf den Diesel.
T&E setzt chinesische E-Lkw 55.000 Euro günstiger an
Der Kaufpreis bleibt der größte Kostenblock. Beim europäischen E-Lkw macht er in Deutschland 49 Prozent der Gesamtkosten aus, beim Diesel 18 Prozent. T&E setzt für eine europäische Elektro-Sattelzugmaschine 265.000 Euro an, für einen Diesel 120.000 Euro. Die Hersteller verlangen für Elektro-Lkw laut T&E noch zwei- bis dreimal so viel.
Ein chinesisches Modell veranschlagt T&E mit 210.000 Euro. Damit wächst der Vorteil in Deutschland um 34.000 auf 119.400 Euro, in den Niederlanden auf 127.900 Euro. Anbieter aus China und den USA drängen bereits auf den europäischen Markt (mehr dazu: Wie China und die USA um Europas Elektro-Lkw-Markt kämpfen). T&E fordert die europäischen Hersteller auf, ihre E-Lkw-Produktion schneller hochzufahren.
Daimler Truck liefert rund 40 Prozent der europäischen E-Lkw
Deutsche Hersteller profitieren bislang am stärksten vom Hochlauf. Daimler Truck kam im ersten Halbjahr 2026 auf rund 40 Prozent der Elektro-Neuzulassungen in EU, EWR und Schweiz. Das zeigen Daten des Marktforschers Dataforce für Lkw über fünf Tonnen. Bei Diesel-Lkw liegt der Marktanteil laut T&E bei knapp 20 Prozent. MAN steigerte seinen E-Lkw-Anteil von unter zwei Prozent im Jahr 2024 auf knapp ein Viertel.
Volvo Trucks hat dagegen Anteile verloren. Der schwedische Hersteller lieferte 2023 und 2024 noch rund die Hälfte der E-Lkw, im ersten Halbjahr 2026 weniger als jeden zehnten. In Deutschland waren 2025 laut T&E 7,2 Prozent der neuen Lkw über fünf Tonnen elektrisch, rund 60 Prozent mehr als im Vorjahr (mehr dazu: E-Lkw-Hochlauf in Europa).
T&E fordert von der Bundesregierung, in Brüssel am CO2-Ziel für Lkw festzuhalten. Die Hersteller müssen den Ausstoß ihrer neuen Lkw bis 2030 um 43 Prozent gegenüber dem Referenzzeitraum 2019/2020 senken.
Bleiben Ziel und heutige Anreize bestehen und startet 2028 der Emissionshandel für Kraftstoffe, erwartet T&E für Deutschland 2030 einen Vorteil von 111.500 Euro. Der E-Lkw würde sich dann nach einem Jahr rechnen. Setzen die übrigen Länder zusätzlich eine CO2-abhängige Maut und Quotenerlöse für das Depotladen um, wären E-Lkw bis 2030 in allen neun Ländern günstiger (Schwerpunkt Elektromobilität).
QUELLEN
- T&E Deutschland: E-Lkw überholen Diesel bei den Betriebskosten - Ersparnis in Deutschland besonders groß (Download / Englisch), 28. September 2026.
- Dataforce: Neuzulassungsdaten für Nutzfahrzeuge über fünf Tonnen in EU, EWR und Schweiz, ausgewertet von Transport & Environment, 2026.
- Eurostat: Strompreisbestandteile für Nicht-Haushaltskunden, Verbrauchsband IC, 2026.