Wasser aus der Luft: Ahbstra verkauft ersten MOF-Wasserernter

WASSERTECHNOLOGIE · 31. JULI 2026

Ahbstra verkauft ersten MOF-Wasserernter für 175.000 Euro

Das Gerät holt bis zu 500 Liter Trinkwasser am Tag aus der Luft, auch bei zehn Prozent Feuchte. Der Energiebedarf liegt weit unter allem, was die Fachliteratur bislang ausweist.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 3 MIN LESEN


Das britische Technologieunternehmen Ahbstra hat in Barcelona den ARK vorgestellt, nach Firmenangaben den ersten kommerziell verfügbaren MOF-Wasserernter dieser Größenordnung. Bis zu 500 Liter Trinkwasser am Tag holt die Maschine aus der Umgebungsluft, auch in trockener Hitze. Die ersten Käufer haben je rund 175.000 Euro bezahlt.

Die ersten Geräte gehen auf die Balearen und sollen Anfang 2027 installiert werden. Ahbstra beziffert die Wasserkosten auf 20 Pence je Liter, umgerechnet rund 23 Cent. Ausgangspunkt der Entwicklung war ein versiegter Brunnen auf dem Ibiza-Grundstück von Firmengründer Hashem Arouzi.

Auf der Insel versorgen sich mehr als 15.000 Objekte ohne Netzanschluss selbst, viele davon inzwischen per Tanklastwagen. „Die Brunnen, die sie bisher versorgt haben, laufen nach und nach trocken“, sagt Arouzi. Auch die Speicherbecken, aus denen die Laster befüllt werden, fallen trocken.

Wie der MOF-Wasserernter Wasser aus trockener Luft holt

MOF sind Kristallgitter aus Metallionen und organischen Molekülen, deren innere Oberfläche pro Gramm etwa einem Fußballfeld entspricht. Sie binden Wasserdampf direkt aus der Luft, statt ihn wie ein Entfeuchter herunterzukühlen. Der technische Kern des Ahbstra-Geräts trägt den Namen Suspended Particle Reactor und ist patentiert.

Statt Luft durch ein festes Materialbett zu pressen, hält Ahbstra die Granulatkörner in einer Wirbelschicht in Schwebe. Genau daran ist die Technologie bislang gescheitert: Große Luftmengen durch das Material zu bewegen und es im Takt zu heizen, kostete zu viel Energie.

Was ein Liter Wasser aus der Luft an Strom kostet

Das Datenblatt des MOF-Wasserernters nennt 0,47 bis 0,70 Kilowattstunden je Liter bei 10 bis 16 Kilowatt Nennleistung. Für komplette MOF-Systeme weist die Fachliteratur bislang 3 bis 7 Kilowattstunden pro Liter aus. Hält der Wert im Dauerbetrieb, schrumpft der Abstand zur Meerwasserentsalzung von rund Faktor tausend auf etwa Faktor hundert.

Der Korridor ist physikalisch eng. Einen Liter Wasser zu verdampfen kostet rund 0,68 Kilowattstunden, dort liegt Ahbstras oberer Wert. Den unteren erreicht nur, wer die bei der Adsorption frei werdende Wärme im System hält, und genau darauf zielt die Wirbelschicht.

Die Energiefrage entschärft sich ohnehin genau dort, wo das Wasser fehlt. Trockenheit und hohe Einstrahlung fallen geografisch zusammen, auf den Balearen liefert ein Kilowatt Photovoltaik 1.500 bis 1.700 Kilowattstunden im Jahr. Eine Dachanlage mit 10 Kilowatt Leistung steuert damit rund 44 Kilowattstunden pro Tag bei.

Selbst mit dem alten Literaturwert von fünf Kilowattstunden je Liter ergibt dieses Dach etwa neun Liter Wasser täglich. Das reicht zum Trinken und Kochen für zwei bis drei Menschen, mit Ahbstras Kennwert werden daraus knapp 90 Liter. Für die vollen 500 Liter des ARK braucht es rund 60 bis 80 Kilowatt Photovoltaik.

Das ist die Größenordnung eines Hotels oder einer größeren Finca, kein Solarkraftwerk. Der Platz dieser Technik liegt dort, wo heute Dieseltankwagen fahren: auf Inseln, in Katastrophengebieten, bei netzfernen Siedlungen. Mit eigener Photovoltaik ersetzt eine Anlage dort die Lieferfahrten gleich mit.

Vom Wasserernter zur CO2-Abscheidung

Der größere Hebel steckt im Reaktor selbst. Ahbstra will dieselbe Wirbelschicht für die Abscheidung von CO2 aus der Luft nutzen, wo MOFs an derselben Stelle klemmen wie bei der Wasserernte. Wer das Zyklieren großer Materialmengen billig macht, senkt die Kosten beider Anwendungen zugleich.

Die Materialbasis dafür steht längst. BASF fertigt MOFs unter dem Namen Basolite im Tonnenmaßstab, ein Rohstoffengpass ist nicht in Sicht. Was fehlte, waren Maschinen, die das Material im industriellen Takt arbeiten lassen.

In fünf Jahren peilt Ahbstra mehr als 1.000 Geräte pro Jahr an. Den Preisverfall erwartet das Unternehmen nach dem Muster von Elektroautos, Heimspeichern und Solarmodulen. Sieben Millionen Pfund sind eingesammelt, rund 8,2 Millionen Euro, eine Series-A-Runde ist in Vorbereitung.

Mit dem Anspruch, Erster zu sein, steht Ahbstra nicht allein. Atoco, gegründet vom Nobelpreisträger Omar Yaghi, stellte schon im Februar 2026 einen MOF-Wassererzeuger für bis zu 1.000 Liter täglich vor. In den USA bringen Kubota und AirJoule Anlagen mit rund 950 Litern Tagesleistung in Stellung.

Rund 30 Prozent der Menschen in Südeuropa leben nach Angaben der Europäischen Umweltagentur dauerhaft unter Wasserstress. Mehrere griechische Inseln haben in diesem Sommer den Notstand ausgerufen. Dass die Sommer der Region schneller austrocknen, als der Temperaturanstieg allein erklärt, ist gut belegt.

Wo Brunnen und Stauseen leer sind, hilft sparsamer Umgang mit Wasser allein nicht weiter. „Deshalb ist die Gewinnung von Wasser aus der Atmosphäre ein notwendiger Bestandteil der Antwort“, sagt Technikchef Richard Perkin. Unabhängig begutachtete Messwerte zu Leistung und Haltbarkeit stehen noch aus, die ersten Anlagen auf Ibiza liefern sie ab 2027.

500 Liter

TAGESLEISTUNG

In Europa verbraucht ein Mensch im Schnitt 144 Liter Leitungswasser am Tag.

0,47 kWh

STROM JE LITER

Die Fachliteratur nennt für MOF-Systeme bislang 3 bis 7 Kilowattstunden.

175.000 €

KAUFPREIS

Das Wasser kostet damit rund 23 Cent je Liter, Strom eingerechnet.

QUELLEN

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  1. Financial Times: Home water harvesting is being supercharged by Nobel Prize-winning tech, 30.07.2026.
  2. Euronews: „Magisches Material“: Europas dürregeplagte Inseln gewinnen Wasser aus Luft, 30.07.2026.
  3. Ahbstra: Ahbstra launches ARK, breakthrough atmospheric water harvester in Barcelona, 30.07.2026.
  4. Ahbstra: Technisches Datenblatt ARK, Stand 30.07.2026.
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