SPEICHER · 16. AUGUST 2026
Münch EnergieBatteriespeicher Merseburg: Münch Energie nimmt größten Verbund in Betrieb
Münch Energie hat kürzlich bei Merseburg / Leuna im Saalekreis einen Batteriespeicherverbund mit 250 Megawatt Leistung offiziell eingeweiht. Zur Einweihung kam Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU), der das Projekt vor zwei Jahren schon als Wirtschaftsminister begleitet hatte.
Nach Angaben des Betreibers Münch Energie ist es der größte derzeit in Betrieb befindliche Batteriespeicher Deutschlands. Diese Einschränkung trägt das Gewicht der Aussage: Mehrere deutsche Speicherprojekte sind auf dem Papier deutlich größer, allesamt aber noch Baustellen. Was bei Merseburg steht, liefert bereits Strom ins Netz.
Gebaut wurde der Verbund in rund sechs Monaten, vollständig privatwirtschaftlich finanziert und ohne staatliche Förderung. In einer Debatte, die sich sonst um angekündigte Gigawattstunden dreht, ist das die seltenere Nachricht.
Wie groß ist der Batteriespeicher Merseburg wirklich
Fünf Teilanlagen bilden den Verbund, angeschlossen über eigens errichtete Umspannwerke mit einer Anschlussleistung von 300 Megavoltampere. Aktuell speichert die Anlage rund 500 Megawattstunden, noch in diesem Jahr soll die Kapazität auf 800 Megawattstunden wachsen. Die Fläche entspricht nach Angaben des ZDF etwa zwei Fußballfeldern.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Leistung | 250 MW |
| Speicherkapazität aktuell | rund 500 MWh |
| Ausbauziel 2026 | 800 MWh |
| Teilanlagen | 5 |
| Anschlussleistung Umspannwerke | 300 MVA |
| Bauzeit | rund 6 Monate |
Quelle: Münch Energie, Pressemitteilung vom 13.8.2026.
Leistung und Kapazität werden in Berichten über Großbatteriespeicher häufig verwechselt. Die Leistung, angegeben in Megawatt, beschreibt, wie schnell ein Speicher Strom aufnehmen oder abgeben kann. Die Kapazität, angegeben in Megawattstunden, beschreibt, wie viel Energie insgesamt gespeichert ist.
Bei 250 Megawatt Leistung und aktuell 500 Megawattstunden Kapazität kann der Batteriespeicher Merseburg bei voller Leistung rund zwei Stunden durchhalten, bevor er leer ist. Nach dem Ausbau auf 800 Megawattstunden wächst diese Entladedauer auf 3,2 Stunden. Für die Region Leipzig/Halle bedeutet das: Der Speicher kann überschüssigen Wind- und Solarstrom sowie Strom aus dem öffentlichen Netz aufnehmen, das Netz stabilisieren und über redundante Systeme gesicherte Leistung bereitstellen.
Warum der Standort gewählt wurde, erklärt sich aus vorhandener Netzinfrastruktur. „Wir haben Batteriespeicher an neuralgische Punkte gesetzt, an denen schon Energieversorger standen", sagt Mario Münch, Gründer und Inhaber der Münch Gruppe. Breite Kabelwege, bestehende Umspannanlagen und Strommasten hätten die Bauzeit deutlich verkürzt.
Die eigene Netzbau-Abteilung von Münch Energie ist dabei der eigentliche Grund für die kurze Bauzeit. Das inhabergeführte Unternehmen mit Sitz im oberfränkischen Rugendorf hat nach eigenen Angaben Erfahrung im Bau von Umspannwerken bis 380 Kilovolt, realisiert im Schnitt etwa alle zwei Monate ein neues Umspannwerk und hält Langläufer-Komponenten wie Hochspannungstransformatoren und Schaltanlagen auf Vorrat. Begonnen hatte Mario Münch vor über 20 Jahren mit Solaranlagen auf den landwirtschaftlichen Feldern seiner Eltern, heute betreibt die Gruppe auch den Stromanbieter grüüün. Wie viel das Projekt bei Merseburg gekostet hat, hat Münch Energie nicht mitgeteilt, eine Leerstelle, auf die auch pv magazine hinweist.
Was der Speicher fürs Stromnetz bringt
Wozu ein Speicher wie dieser gebraucht wird, zeigte sich acht Tage vor der Einweihung. Am 5. August 2026 fiel der deutsche Börsenstrompreis um 12 Uhr wegen eines Überangebots aus Wind und Sonne auf minus 0,04 Euro je Megawattstunde, Deutschland exportierte in dieser Stunde 7,17 Gigawattstunden Überschuss. Um 21 Uhr desselben Tages lag der Preis bei 203,74 Euro je Megawattstunde, Deutschland musste 9,36 Gigawattstunden teuer zukaufen. Die Zahlen stammen aus dem Agorameter von Agora Energiewende, zitiert nach ZDF heute.
Genau diese Lücke zwischen billigem Mittagsstrom und teurem Abendstrom soll ein Batteriespeicher schließen: mittags laden, abends liefern. Münch selbst spricht plakativ vom Ende des Zappelstroms, eine Zuspitzung des Unternehmers, keine technische Systemaussage. Ministerpräsident Schulze ordnet den Nutzen nüchterner ein: „Aus unserer Heimatenergie wird verlässlich nutzbare Energie. Das stärkt die Versorgungssicherheit und macht unser Stromnetz stabiler."
Für den Chemiepark Leuna nebenan und für Unternehmen, die sich in der Region ansiedeln wollen, ist das ein Standortargument: Ansiedlungsinteressenten fragten laut Schulze inzwischen regelmäßig zuerst nach günstiger und verlässlicher Stromversorgung.
Wie groß der volkswirtschaftliche Hebel von Großbatteriespeichern insgesamt ist, hat das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) unter Leitung von Norman Gerhardt gemeinsam mit Battery-Charts der RWTH Aachen durchgerechnet. Zusätzlich zu den bereits bestehenden rund 4 Gigawatt Großspeicherleistung in Deutschland hätten weitere 20 Gigawatt Speicherleistung mit vier Stunden Entladedauer die Stromkosten der Verbraucher in einem Jahr um 1,31 Milliarden Euro gesenkt und den Bundeshaushalt um weitere 1,5 Milliarden Euro entlastet. Dass Großspeicher die Stromkosten spürbar drücken, hat Cleanthinking anhand einer weiteren Berechnung zur Entlastungswirkung von Batteriespeichern beschrieben.
Der Batteriespeicher Merseburg liegt mit seinen aktuell zwei Stunden Entladedauer unter dem Vier-Stunden-Wert, den Fraunhofer IEE für den größten Systemnutzen ansetzt. Das ist keine Schwäche des Projekts, sondern der typische Einstiegspunkt: Zwei-Stunden-Speicher decken zuverlässig die Abendspitze ab, und der Ausbau auf 800 Megawattstunden bewegt die Anlage bereits selbst in Richtung der 3,2-Stunden-Marke.
„Bei weiterem Ausbau muss immer neue Speicherkapazität quasi automatisch mitgeplant werden", sagt Norman Gerhardt von Fraunhofer IEE. Ein Marktdesign, das längere Entladedauern gezielt belohnt, würde diesen Trend verstärken.
Münch selbst rechnet die Reichweite seines Speichers auf Haushalte um: 500 Megawattstunden könnten 500.000 Menschen eine ganze Nacht mit Strom versorgen, mit 800 Megawattstunden reiche es für die Stadt Leipzig „und noch mehr". Das ist eine Betreiber-Rechnung, die sich auf reinen Haushaltsstrom in der Nacht bezieht, nicht auf die gesamte Netzlast inklusive Industrie. Sie beschreibt, wie sich Energie in die Abendstunden verschieben lässt, nicht eine Vollversorgung.
Ist er wirklich der größte Batteriespeicher Deutschlands
Der Titel „größter Batteriespeicher Deutschlands" wird derzeit von mehreren Projekten beansprucht, meist mit unterschiedlichem Maßstab. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Anlagen, die bereits Strom liefern, und Projekten, die noch im Bau sind oder erst angekündigt wurden. Cleanthinking hat diese Unschärfe beim bundesweiten Speicher-Zubau bereits eingeordnet.
| Projekt | Betreiber | Leistung / Kapazität | Status |
|---|---|---|---|
| Leuna/Krumpa, Saalekreis | Münch Energie | 250 MW / rund 500 MWh (Ausbau auf 800 MWh) | in Betrieb seit 13.8.2026 |
| Alfeld, Landkreis Hildesheim | Kyon Energy | 137,5 MW / rund 282 MWh | seit Januar 2026 am Netz, kommerzieller Betrieb ab August 2026 |
| Förderstedt, Salzlandkreis | Eco Stor | 300 MW / rund 700 MWh | im Bau, erster Block Ende 2026 |
| Gundremmingen | RWE | rund 700 MWh | im Bau |
| Klostermansfeld | BW ESS | 1.000 MW / bis zu 5.700 MWh | im Bau, Spatenstich Juli 2026 |
Quellen: Münch Energie, pv magazine, IWR, Cleanthinking-Recherche. Werte zu Förderstedt teils vorläufig, pv magazine und IWR nennen leicht abweichende Zahlen zur selben Anlage.
Der Speicher von Kyon Energy in Alfeld ist mit rund 282 Megawattstunden kleiner, aber ebenfalls bereits am Netz. Deutlich größer geplant sind der Speicher von RWE in Gundremmingen und vor allem das Projekt in Klostermansfeld, das mit bis zu 5.700 Megawattstunden alle bisherigen Dimensionen sprengen würde. Beide sind Baustellen, keine laufenden Anlagen. Alle Speicherprojekte im Überblick sammelt Cleanthinking im Energiespeicher-Ticker.
Sachsen-Anhalt entwickelt sich damit zu einem Schwerpunkt des deutschen Speicherausbaus: Klostermansfeld, Förderstedt und jetzt Leuna/Krumpa liegen alle im selben Bundesland. Am 6. September 2026 wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag, ein Termin, der die politische Aufmerksamkeit für Energieprojekte im Land derzeit zusätzlich erhöht. Münch Energie hat bereits angekündigt, dass das nächste Großprojekt im Bundesland in den Startlöchern stehe, Details dazu nannte das Unternehmen bislang nicht.
Häufige Fragen zum Batteriespeicher Merseburg
Wo genau steht der Batteriespeicher Merseburg?
Der Verbund liegt im Saalekreis zwischen Merseburg und Krumpa, wenige Kilometer vom Chemiepark Leuna entfernt. Münch Energie selbst gibt als Standort Leuna/Krumpa an.
Wie groß ist der Batteriespeicher Merseburg?
Der Verbund leistet 250 Megawatt und speichert aktuell rund 500 Megawattstunden auf fünf Teilanlagen. Noch 2026 soll die Kapazität auf 800 Megawattstunden wachsen.
Wie lange reicht eine Ladung des Speichers?
Bei voller Leistung von 250 Megawatt hält der Speicher mit aktuell 500 Megawattstunden rund zwei Stunden durch. Nach dem Ausbau auf 800 Megawattstunden steigt die Entladedauer bei gleicher Leistung auf 3,2 Stunden.
Wem gehört der Batteriespeicher Merseburg?
Betreiber ist die Münch Energie, ein Unternehmen der inhabergeführten Münch Gruppe mit Sitz in Rugendorf in Oberfranken. Das Projekt ist vollständig privatwirtschaftlich finanziert, eine Investitionssumme hat das Unternehmen nicht genannt.
Ist es der größte Batteriespeicher Deutschlands?
Nach Angaben von Münch Energie ist es der größte derzeit in Betrieb befindliche Batteriespeicherverbund Deutschlands. Größere Projekte wie Klostermansfeld oder Gundremmingen befinden sich noch im Bau und liefern noch keinen Strom.
QUELLEN
- Münch Energie: Größter Batteriespeicher Deutschlands eingeweiht, Pressemitteilung vom 13.8.2026.
- pv magazine: Batteriespeicher mit rund 500 Megawattstunden Kapazität in Sachsen-Anhalt eingeweiht, 13.8.2026.
- ZDF heute: Strompreis: Mit Batteriespeichern wieder stabil und günstig?, 13.8.2026.
- Agora Energiewende: Agorameter.
- Münch Energie: „Größter Batteriespeicherverbund Deutschlands geht in Sachsen-Anhalt ans Netz", 16.3.2026.