Grünen-Chef Banaszak kontert: Energiewende sichert Wohlstand

ENERGIEWENDE · 21. AUGUST 2026

Banaszak: "Energiewende sichert Wohlstand"

Grünen-Chef Felix Banaszak bekommt im BILD-Interview drei Mal dieselbe Prämisse vorgelegt: Die Energiewende ruiniere Deutschlands Wohlstand. Drei Mal weist er sie zurück und benennt andere Ursachen.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 2 MIN LESEN


„Ist die Energiewende richtig, wenn sie uns den Wohlstand kostet?“ Mit dieser Frage steigen Nadja Aswad und Moritz J. Müller ein. Banaszak übernimmt die Prämisse nicht: „Die Energiewende kostet uns nicht den Wohlstand, sie sichert uns den Wohlstand in der Zukunft, auch jetzt an vielen Stellen schon“, antwortet der 36-Jährige.

Seinen Beleg holt er sich aus dem Sommer, den Deutschland gerade hinter sich hat. Regelmäßiges Niedrigwasser in Rhein und Elbe sei selbst ein Wohlstandsverlust, ebenso die anhaltende Abhängigkeit von fossiler Energie.

Das Institut der deutschen Wirtschaft hält bei einem längeren Ausfall der Schiffbarkeit bis zu 0,4 Prozentpunkte weniger Wachstum für möglich. Diesen August stand der Pegel Kaub auf einem Rekordtief, während Verkehrsminister Steffen Bilger in Bonn über tiefere Fahrrinnen beraten ließ.

BILD-Schlagzeile zum Interview mit Felix Banaszak: Die Energiewende sichert uns den Wohlstand
Unter dieser Schlagzeile erschien das Interview. SCREENSHOT: BILD.DE

Härter wird es beim zweiten Anlauf. Die Interviewer halten ihm vor, aus der Wirtschaft komme der Vorwurf, die Energiewende koste viel Geld und bringe nichts, während parallel die Wirtschaft kaputtgehe.

„Es ist eine fundamental falsche Analyse, dass die Wettbewerbsschwäche der deutschen Wirtschaft etwas mit der Energiewende zu tun hätte. Das Gegenteil ist an vielen Stellen der Fall“, sagt Banaszak.

Der Wettbewerber heißt China

Als Treiber nennt er den internationalen Wettbewerb: hochsubventionierte chinesische Produkte, in den Bestandsindustrien wie Stahl, Chemie und Zement ebenso wie in den Zukunftstechnologien. China drohe Deutschland „an allen möglichen Stellen plattzumachen“.

Wie verschränkt die Lage tatsächlich ist, zeigt ein Standort wie die Georgsmarienhütte. Der Stahlhersteller leidet unter beidem: unter Stromkosten, die seit 2021 um 71 Prozent gestiegen sind, und unter chinesischem Material, das ohne vergleichbare CO2-Bepreisung entsteht. Sein Elektrolichtbogenofen ist zugleich der Grund, warum das Werk die zweite Front überhaupt bestehen kann.

Beim dritten Versuch halten die Interviewer dagegen, Unternehmen wanderten doch bereits wegen der Energiepreise ab. Der Einwand hat einen realen Kern, deutsche Industriestrompreise liegen deutlich über denen der US-Wettbewerber.

Banaszak bestreitet den Druck auch nicht: „Es gibt viele Faktoren, die gerade die Industrie unter Druck setzen. Das sind in Teilen die Energiepreise. Aber nochmal: Die Preise sind nicht wegen, sondern trotz der Energiewende so hoch.“

Die Preisbildung stützt ihn zumindest an der Börse. Dort setzt in vielen Stunden der Gaspreis den Strompreis, jede zusätzliche Solar- und Windstunde drückt ihn, wie Cleanthinking der Rechnung von Evonik-Chef Christian Kullmann entgegengehalten hat. Beim Endkundenpreis liegt der Fall anders, dort schlagen die Netzentgelte für den Umbau durch. Banaszaks Satz gilt für die Erzeugung, nicht für die gesamte Rechnung.

Grundsätzlich wird der Grünen-Chef beim Hinweis, Deutschlands Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß sei ohnehin gering. „Dieses Argument habe ich noch nie als überzeugend empfunden. Wenn Deutschland so irrelevant wäre, müssten wir überall an allen Stellen sagen: Komm, lass uns in Ruhe, wir haben nichts mit der Welt zu tun.“

Es sind Aussagen, die viele Leser von Springer-Publikationen überraschen dürften. Aber: Es sind Aussagen, die wissenschaftlich fundiert und belegbar sind. Die Forschung etwa vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung liefert kontinuierlich neue Belege dafür, dass die Energiewende oder auch als Transformation bezeichnet, Wohlstand erhält oder schafft - und nicht vernichtet.

Es ist auch eine Frage von Ehrlichkeit, nicht den Narrativen interessierter Kreise hinterher zu rennen, sondern seriös die Fakten zu beleuchten. Gut, dass Felix Banaszak hierzu nun ein BILD-Interview gewählt hat.

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