ENERGIEWENDE · 06. AUGUST 2026 · AKTUALISIERT 8. SEPTEMBER 2026
KI-generiertGasspeicher-Füllstand bei 50 Prozent: Reiches Rechnung geht nur bei mildem Winter auf
Die deutschen Gasspeicher sind halb gefüllt, die gesetzliche Vorgabe für den 1. November liegt bei 80 Prozent je Anlage. Um sie zu erreichen, müsste sich das Einspeichertempo mehr als verdoppeln. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche greift trotzdem nicht ein und hat auch die eigene Frist für die Gasreserve verstreichen lassen.
Aktualisiert am 8. September 2026: Die Speicher stehen bei 54,2 Prozent (Bundesnetzagentur, 5. September), INES hat neue Szenarien vorgelegt; der neue Abschnitt „Ab wann wird der Gasspeicher-Füllstand kritisch?“ ordnet die Schwellen ein, die Zahlen im Artikeltext darunter sind der Stand vom 19. August.
50,06 Prozent Gasspeicher-Füllstand melden die deutschen Speicher zum 17. August 2026. Am selben Tag des Vorjahres waren es 66,85 Prozent. So leer war Mitte August seit mindestens 2018 kein Speicherjahr mehr.
Aussagekräftiger als der Stand ist das Tempo. In den vergangenen vier Wochen füllten sich die Speicher um 0,16 Prozentpunkte pro Tag. Bis zum 1. November bleiben noch 76 Tage.
Drei Marken werden in der Debatte häufig vermengt. Die gesetzliche Pflicht steht in der Gasspeicherfüllstandsverordnung vom Mai 2025: 80 Prozent zum 1. November, und zwar für jede einzelne Anlage, nicht als bundesweiter Durchschnitt. Für sechs benannte Speicher, darunter der größte deutsche in Rehden, gilt eine abgesenkte Marke von 45 Prozent, weshalb der bundesweite Schnitt rechnerisch unter 80 Prozent liegen darf. Auf EU-Ebene gilt seit 2025 ein flexibilisiertes Ziel von 83 Prozent, erreichbar irgendwann zwischen dem 1. Oktober und dem 1. Dezember, mit einer Toleranz von zehn Prozentpunkten bei ungünstigen Marktbedingungen.
Die dritte Marke ist die operativ entscheidende: 76 Prozent, so viel Speicherkapazität haben Händler und Versorger für diesen Winter gebucht. Genau diesen Wert legt INES seiner Bedarfsrechnung zugrunde. Um ihn zu erreichen, müssten die Speicher ab jetzt um 0,34 Prozentpunkte pro Tag zulegen, mehr als doppelt so schnell wie zuletzt. Auch das etwas höhere Tempo der vergangenen Woche mit 0,22 Prozentpunkten reicht dafür nicht.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Gasspeicher-Füllstand 17. August 2026 (Deutschland) | 50,1 % |
| Füllstand 17. August 2025 (Vorjahr) | 66,9 % |
| Füllstand 1. Juli 2026 | 41 % |
| Einspeichertempo letzte 4 Wochen | 0,16 Pp./Tag |
| Nötiges Tempo für 76 % zum 1. November | 0,34 Pp./Tag |
| Gebuchter Vermarktungsstand (INES) | 76 % |
| Gesetzliche Vorgabe 1. November 2026 (je Anlage) | 80 % |
| Gesetzliche Vorgabe für sechs benannte Anlagen | 45 % |
| EU-Zielwert (1. Oktober bis 1. Dezember, flexibel) | 83 % |
| Geplante Gasreserve / INES-Empfehlung | 24 TWh / 78 TWh |
Quelle: Bundesnetzagentur/AGSI+ (Stand 17.8.2026), Gasspeicherfüllstandsverordnung 2025, Verordnung (EU) 2025/1733, INES. Tempo-Angaben: eigene Berechnung aus der Zeitreihe der Bundesnetzagentur.
Reiche lässt die eigene Frist für die Gasreserve verstreichen
Ende Juli wollte das Bundeswirtschaftsministerium den Referentenentwurf für die strategische Gasreserve in die Länder- und Verbändeanhörung geben. Der Termin verstrich. Ein für den 12. August angepeilter Kabinettsbeschluss fand ebenfalls nicht statt. Einen neuen Termin für den Start der Anhörung konnte eine Ministeriumssprecherin Anfang August nicht nennen. Beschlossen werden soll das Gesetz weiterhin in diesem Jahr.
Für den Winter 2026/27 ändert das ohnehin nichts. Der Aufbau der Reserve beginnt erst 2027. Sie soll staatlich geführt und strikt vom Markt getrennt sein, gedacht für Krisensituationen wie gestörte Energieflüsse oder Anschläge auf Infrastruktur. Ihre 24 Milliarden Kilowattstunden entsprechen rund einem Zehntel der deutschen Speicherkapazität von 247 Terawattstunden. INES, der Verband der deutschen Gas- und Wasserstoffspeicher-Betreiber, hatte im März 2026 das Dreifache empfohlen.
Offen ist bislang, wer die Reserve bezahlt. „Das eine ist eine Umlage, das zweite ist die Haushaltsfinanzierung”, sagte Reiche Anfang August im dpa-Interview zu den Optionen. Denkbar sei auch ein Mischmodell. Der Vergleichsdienst Verivox beziffert die Aufbaukosten auf rund 1,5 Milliarden Euro; bei einer Umlagefinanzierung kämen auf einen Musterhaushalt mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch einmalig etwa 42 Euro sowie danach rund 5 Euro Betriebskosten pro Jahr zu.
Formal dürfte Reiche Einspeicherungen anordnen, wenn die Füllstandsvorgaben absehbar gerissen werden. Sie tut es nicht. Einen Markteingriff wie 2022, als der Staat Speicherbetreiber zum Einkauf verpflichtete und subventionierte, lehnt die Bundesregierung ab, aus Sorge vor Spekulation und weiter steigenden Preisen.
Gasversorger und Speicherbetreiber fordern dagegen seit Monaten gezielte Einspeicher-Anreize, weil der Markt beim negativen Sommer-Winter-Spread von selbst nicht ausreichend einspeichert.
Ein im Auftrag des Wirtschaftsministeriums erstelltes Gutachten von Frontier Economics stützt die Zurückhaltung: Die gesetzlichen Füllstandsvorgaben seien 2022 ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit gewesen, verzerrten inzwischen aber spürbar den Markt und schwächten Preissignale. Ein strukturelles Marktversagen, das weitere staatliche Eingriffe rechtfertige, sehen die Gutachter nicht. Die Vorgaben selbst bleiben bis zum 1. April 2027 in Kraft.
Woher der historisch niedrige Gasspeicher-Füllstand kommt

Mehrere Faktoren überlagern sich. Der Krieg im Nahen Osten und die faktische Sperre der Straße von Hormus haben nach Bloomberg-Angaben rund ein Fünftel der weltweiten LNG-Versorgung unterbrochen. Die Straße ist bis heute nicht regulär geöffnet. Anfang August verhandelten Iran und die USA über einen befristeten Schifffahrtskorridor, Katar meldete am 11. August positive Signale aus Gesprächen zwischen Iran und Oman. Der Iran koppelt eine Öffnung an weitreichende Bedingungen.
Solange diese Unsicherheit anhält, bleiben die Gaspreise hoch und schwankungsanfällig. Ein negativer Sommer-Winter-Spread macht das Einspeichern unwirtschaftlich: Wer im Sommer kauft, um im Winter zu verkaufen, verdient daran derzeit kaum etwas.
Hinzu kommt, dass asiatische Käufer wegen höherer Nachfrage mehr Flüssigerdgas abnehmen und damit Lieferungen von Europa abziehen. Auch die Hitzewellen im Juni und Juli haben den Verbrauch erhöht, weil mehr Strom für Klimaanlagen aus Gaskraftwerken kam.
Ein hoher Speicherstand ist für die Versorgungssicherheit heute nur noch ein Baustein unter mehreren. Deutschland bezog sein Gas 2025 zu 44 Prozent aus Norwegen, zu 24 Prozent aus den Niederlanden und zu 21 Prozent aus Belgien; über die eigenen LNG-Terminals kamen 106 Terawattstunden oder 10,3 Prozent der Importe. Wo früher Gas von Ost nach West floss, kommt es heute überwiegend aus dem Norden und Westen. Cleanthinking hat diese Verschiebung der europäischen Gasmärkte bereits im Beitrag zum Gas-Casino Europas eingeordnet.
Was der Gasspeicher-Füllstand für den Winter 2026/27 bedeutet
Technisch ist eine Befüllung auf den gebuchten Vermarktungsstand von 76 Prozent bis zum 1. November laut dem INES-Update von Anfang Juli weiterhin möglich, vorausgesetzt, die gebuchten Kapazitäten werden auch genutzt. Genau daran gibt es Zweifel: Unternehmen reservieren Speicherplatz, lagern aber kein Gas ein, wenn es zu teuer ist. Sie verlieren dann zwar den Platz und bleiben auf den Kosten sitzen, fahren damit aber immer noch günstiger.
Bei normalen oder milden Wintertemperaturen reichen 76 Prozent nach der Modellrechnung des Verbands aus. Für einen Extremwinter wie im Referenzjahr 2010 zeigt die Modellierung Unterdeckungen von bis zu 9 Terawattstunden pro Monat im Februar und März 2027, an einzelnen Tagen bis zu 2 Terawattstunden.
„Bei einem außergewöhnlich kalten Winter steigen die Risiken jedoch erheblich”, sagt INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann. Das nächste Update des Verbands ist für den 8. September angekündigt, dann ist absehbar, wie viel von den gebuchten Kapazitäten tatsächlich gefüllt wurde.

Das Wirtschaftsministerium verweist darauf, dass volle Speicher wegen der LNG-Terminals weniger wichtig seien als früher. Die drei von der Deutschen Energy Terminal betriebenen Nordsee-Terminals Wilhelmshaven 1 und 2 sowie Brunsbüttel kommen seit Inbetriebnahme allerdings im Schnitt auf 65 Prozent Auslastung. Eine vollständige Auslastung wird laut Betreiber wegen Witterung, Einspeisebeschränkungen und Lieferausfällen grundsätzlich nicht erreicht. Viel Luft nach oben ist damit nicht.
Das vierte staatliche Terminal in Stade soll im September starten und bringt für diesen Winter ebenfalls wenig. Nach Angaben des Betreibers verfügt Stade bis Ende 2026 über eine Einspeisekapazität von bis zu 1,7 Milliarden Kubikmetern, während die Regasifizierungsanlage des Schiffs auf rund 7,7 Milliarden Kubikmeter im Jahr ausgelegt ist. Die Netzanbindung, die diese Lücke schließen soll, wurde erst im März 2026 planfestgestellt.
Bleibt die Frage, wie belastbar die Importe sind. Im ersten Quartal 2026 stammten laut Eurostat 29 Prozent aller EU-Gasimporte aus den USA, beim Flüssigerdgas allein waren es 57,4 Prozent. Bei Pipelinegas hält Norwegen einen Anteil von 54,4 Prozent. Beide Wege tragen ein politisches Risiko: eine US-Regierung, die Energielieferungen als Verhandlungsmasse einsetzt, und Pipelines am Grund der Nordsee, die sabotiert werden können.
„Die deutsche Regierung scheint derzeit eher die Kosteneffizienz zu priorisieren und weniger ihre politische Unabhängigkeit”, sagt Georg Zachmann, Energieökonom beim Brüsseler Thinktank Bruegel, dem SPIEGEL. Die deutschen Reserven seien arg auf Kante genäht; man komme damit wahrscheinlich irgendwie über den Winter, doch die Weltlage erfordere deutlich großzügigere Puffer. Zachmann gehört zu den Autoren einer im Juli erschienenen Analyse, die die Lehren aus dem Hormus-Schock für die europäische Energieversorgung zusammenträgt.
Die Bundesnetzagentur bewertet die Lage weiterhin als stabil: Die Versorgungssicherheit sei gewährleistet, die Gefahr einer angespannten Lage gering. Diese Einschätzung steht allerdings seit August 2024 unverändert auf der Seite der Behörde, aktualisiert werden nur die Daten dahinter. Seit Juli 2025 gilt die Frühwarnstufe, die niedrigste der drei Krisenstufen des Notfallplans Gas.
Neu ist die Lage nicht. Cleanthinking hatte schon im Februar darauf hingewiesen, dass nicht der Winter, sondern die Wiederbefüllung im Sommer die eigentliche Herausforderung des Jahres 2026 werden würde.
Politisch aufgegriffen wird der niedrige Füllstand vor allem von der AfD, die unter Verweis auf die Zahlen die Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen fordert. Dagegen spricht, dass die EU ihre russischen Erdgasimporte ohnehin ab 2027 beendet und die Bundesnetzagentur diesen Schritt für kompensierbar hält. Das Frontier-Gutachten führt die schwachen Einspeicher-Anreize zudem auf verzerrte Preissignale zurück, ein regulatorischer Befund, der mit der Herkunft des Gases nichts zu tun hat.
Bleibt die Frage, was jetzt noch wirkt. Kurzfristig gibt es genau zwei Hebel, und beide liegen auf dem Tisch: eine Anordnung zur Einspeicherung, die Reiche nicht geben will, oder gezielte Anreize für Händler, die den kaputten Sommer-Winter-Spread ausgleichen. Beides kostet Geld, das am Ende auf der Gasrechnung landet. Nichts zu tun kostet auch Geld, nur später und in Form eines Preisschocks, falls der Winter kalt wird.
Mittelfristig verschiebt sich die Frage von selbst. Der Ausbau von Wärmepumpen, Solar- und Windkraft senkt den europäischen Gasbedarf bis 2030 nach einer Rechnung des Energiefinanz-Instituts IEEFA stärker, als der Ausfall der katarischen Mengen ihn erhöht. Cleanthinking hat diese Gegenrechnung im Juli aufgemacht.
Jede Kilowattstunde Wärme, die ab 2027 aus einer Wärmepumpe statt aus einem Gaskessel kommt, macht den Speicherstand ein Stück weniger wichtig. Für den Winter 2026/27 ändert das nichts mehr. Für die Winter danach entscheidet es darüber, ob Deutschland diese Debatte jedes Jahr im August wieder führen muss.
Ab wann wird der Gasspeicher-Füllstand kritisch?
Kritisch wird der Gasspeicher-Füllstand nach den INES-Szenarien vom 8. September 2026 erst, wenn die Speicher am 1. November deutlich unter rund 77 Prozent starten und der Winter zugleich extrem kalt wird. Bei normalen Temperaturen reichen 77 Prozent für eine vollständige Versorgung, die Speicher würden dann bis zum 1. April 2027 auf rund 38 Prozent sinken. Aktuell melden die deutschen Speicher laut Bundesnetzagentur 54,2 Prozent zum 5. September 2026; am 1. September waren es 53,6 Prozent, ein Jahr zuvor 71 Prozent. Nach INES-Angaben ist das der niedrigste Stand zu dieser Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen vor 15 Jahren.
Die gesetzlichen Marken stehen in der Gasspeicherfüllstandsverordnung: 80 Prozent je Anlage zum 1. November, 45 Prozent für die sechs Speicher Bad Lauchstädt, Frankenthal, Hähnlein, Rehden, Stockstadt und Uelsen. Zum 1. Februar 2027 gelten 30 Prozent je Anlage, für die vier bayerischen Speicher Bierwang, Breitbrunn, Inzenham-West und Wolfersberg 40 Prozent. Die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgung weiterhin als stabil und richtet ihren Blick ausdrücklich auf die 30-Prozent-Marke zum 1. Februar. Seit dem 1. Juli 2025 gilt die Frühwarnstufe, die niedrigste der drei Stufen des Notfallplans Gas.
Die eigentliche Schwelle liegt nicht im Gesetz, sondern in der Modellrechnung. Für einen Kaltwinter nach dem Muster des Wetterjahres 2010 reichen 77 Prozent laut INES nicht: Im Januar und Februar 2027 fehlen dann bis zu 2 Terawattstunden pro Monat, an einzelnen Januartagen liegt die Unterdeckung bei über 25 Prozent. Gebucht haben Händler und Versorger 83 Prozent der Kapazität, technisch erreichbar sind bis zum 1. November noch rund 77 Prozent. Der erreichbare Wert sinkt weiter, solange das Tempo bleibt: In den vier Wochen bis zum 5. September füllten sich die Speicher laut Bundesnetzagentur um durchschnittlich 0,22 Prozentpunkte pro Tag. Bei diesem Tempo kämen bis zum 1. November nur rund zwölf Punkte hinzu, also ein Start in den Winter mit etwa 66 Prozent.
Was das für die Versorgung bedeutet und warum sich seit dem Vorjahr vor allem der Preis geändert hat, ordnet der Beitrag Reicht das Gas für den Winter 2026/27? ein. Warum trotz gebuchter Kapazitäten kaum eingespeichert wird, steht im Bericht zum Gasspeicher-Aktionsplan der INES: Wer heute einspeichert, verliert nach Rechnung des Verbands 3,14 Euro je Megawattstunde. Kalt wird die Wohnung nach keinem der Szenarien; das Risiko für Verbraucher ist der Preis.
Häufige Fragen zum Gasspeicher-Füllstand
Wie hoch ist der Gasspeicher-Füllstand aktuell?
Die deutschen Gasspeicher waren zum 5. September 2026 laut Bundesnetzagentur zu 54,2 Prozent gefüllt, am 1. September zu 53,6 Prozent. Ein Jahr zuvor lag der Wert Anfang September bei 71 Prozent. Nach INES-Angaben ist das der niedrigste Stand zu dieser Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen vor 15 Jahren.
Welcher Gasspeicher-Füllstand ist zum 1. November vorgeschrieben?
Die Gasspeicherfüllstandsverordnung schreibt 80 Prozent für jede einzelne Speicheranlage vor, für sechs benannte Anlagen wie Rehden und Bad Lauchstädt 45 Prozent. Auf EU-Ebene gilt ein flexibilisiertes Ziel von 83 Prozent, das zwischen dem 1. Oktober und dem 1. Dezember erreicht werden muss.
Reicht der Füllstand für den Winter 2026/27?
Bei normalen oder milden Temperaturen hält INES eine Befüllung auf den gebuchten Stand von 76 Prozent für ausreichend. Bei einem Extremwinter wie 2010 zeigt die Modellrechnung des Verbands dagegen Unterdeckungen von bis zu 9 Terawattstunden pro Monat im Februar und März 2027.
Warum wird derzeit so wenig eingespeichert?
Der Sommer-Winter-Spread ist negativ. Händler kaufen normalerweise im Sommer günstig ein und verkaufen im Winter teurer. Weil die Preise durch den Krieg im Nahen Osten und die Sperre der Straße von Hormus hoch sind, trägt dieses Geschäft derzeit nicht.
Wann kommt die staatliche Gasreserve?
Der Referentenentwurf liegt Mitte August 2026 noch nicht vor, die für Ende Juli geplante Verbändeanhörung hat nicht begonnen. Das Gesetz soll noch 2026 beschlossen werden, der Aufbau der Reserve beginnt frühestens 2027 und spielt für den Winter 2026/27 keine Rolle.
Ab wann wird der Gasspeicher-Füllstand kritisch?
Nach den INES-Szenarien vom September 2026 reichen rund 77 Prozent zum 1. November für einen normalen Winter aus. Kritisch wird es erst bei einem Kaltwinter wie 2010: Dann fehlen im Januar und Februar 2027 bis zu 2 Terawattstunden pro Monat. Gesetzlich gelten 80 Prozent zum 1. November und 30 Prozent zum 1. Februar je Anlage.
Hintergrund zur Gasspeicher-Debatte
- Wie Gasspeicher tatsächlich funktionieren und warum ein niedriger Füllstand nicht gleich Mangel bedeutet
- Was der Speicherbetreiberverband INES zur Versorgungslage sagt
- Faktencheck: Wie aus einem Füllstand ein Panik-Video wird
QUELLEN
- Bundesnetzagentur: Aktuelle Lage der Gasversorgung in Deutschland, abgerufen am 19.08.2026.
- Gasspeicherfüllstandsverordnung: § 1 GasSpFüllstV, BGBl. 2025 I Nr. 130.
- INES: Gas-Szenarien: Marktbedingungen gefährden Wiederbefüllung der Gasspeicher, 07.07.2026.
- INES: INES empfiehlt ein Volumen von 78 TWh, März 2026.
- ZFK: Energiegesetze-Ticker Deutschland, Stand 17.08.2026.
- Deutsche Energy Terminal: Terminal Stade und Terminal-Auslastung, abgerufen am 19.08.2026.
- Eurostat: EU gas imports in Q1 2026, 26.06.2026.
- Frontier Economics: Evaluierung der Gasspeicher-Füllstandsvorgaben im Auftrag des BMWE, 2026.
- Bloomberg: EU's Winter Gas Buffer at Risk as Storage Levels Hit 18-Year Low, 03.08.2026.
- n-tv/dpa: Wirtschaftsministerin Reiche will Gasreserve-Finanzierung neu regeln, 03.08.2026.
- DER SPIEGEL: Halb leere Speicher: Reiches riskanter Gaspoker, 19.08.2026.
- Table.Briefings: Gasspeicher: Warum es im nächsten Winter tatsächlich knapp werden könnte, 16.08.2026.
- Bruegel/Intereconomics: Energy Security amid Geopolitical Instability: Lessons from the 2026 Strait of Hormuz Shock, 23.07.2026.
- INES: Gas-Szenarien September 2026: Historisch niedrige Speicherstände, Zeitfenster für ausreichende Befüllung schließt sich, 08.09.2026.
- Bundesnetzagentur: Aktuelle Lage der Gasversorgung, Speicherfüllstände, Datenstand 05.09.2026, abgerufen am 08.09.2026.
- Gasspeicherfüllstandsverordnung: § 1 GasSpFüllstV, Füllstandsvorgaben 1. November und 1. Februar.